Ein Extratag in Paro

Nachdem wir uns ja schon einen Tag früher wieder vom Trekking nach Paro begeben haben, konnten wir heute etwas ausschlafen und ansonsten einfach frei Schnauze noch ein paar Sachen anschauen, so zum Beispiel die beiden Tempel, wo die Mönche vor einigen Tagen gerade in die Mittagspause gegangen waren.

Das mit dem „ausschlafen“ war auch dringend nötig, denn ehrlich gesagt hingen wir ziemlich in den Seilen. Nicht wegen der Brauerei gestern, sondern eher weil wir, um ehrlich zu sein, keine Treppe mehr gehen konnten. Also wirklich: Keine Treppe! Der Muskelkater war schon ziemlich nervig und jede Treppe musste mehr oder weniger seitwärts gegangen werden, weil es einfach nicht anders ging. Wir werden halt alt …

Nach eine kurzen Frühstück wollten wir uns um 10 Uhr mit unseren beiden Guides treffen. Das Wetter machte noch einmal klar, dass es eine gute Entscheidung war, nicht weiter auf dem Berg geblieben zu sein, denn die Wolkendecke war recht geschlossen. Und die Wetterberichte haben seit gestern nachmittag nur Regen aus dem Camp gemeldet.

Insofern alles richtig gemacht.

Jens hat dann allerdings über eine App mitbekommen, dass genau um 2 Minuten vor 10 ein Flugzeug in Paro landen würde. Das würde schöne Bilder geben, denn unser Hotel war mehr oder weniger direkt beim Flughafen und ein Aussichtspunkt nur wenige Meter entfernt. Weniger Meter höher, weswegen Meike freiwillig abgelehnt hat und lieber am Hotel gewartet hat und mit dem Auto nachgekommen ist.

Der Anflug auf Paro, egal von welcher Seite, ist schon spektakulär.

Und interessanterweise landen alle Flugzeuge sicher.

Nachdem unsere Guides mit dem Auto und Meike nachgekommen waren, wollten wir zu den beiden Tempeln fahren. Wir merkten allerdings, dass noch eine Maschine gerade eine Schleife über den Flughafen flog, was auf eine baldige Landung deutete. Also wieder anhalten und raus.

Diesmal war es noch besser, denn bei dem Anflug waren wir genau unter dem Flugzeug, als es die letzte Kurve in Richtung Landebahn dreht. Wir konnten quasi den Piloten abklatschen.

Dann war aber erst einmal wieder Ruhe auf dem Flugplatz und wir fuhren zum Tempel, genauer zum Kyichu Lhakhang – dem Tempel mit den zwei Teilen.

Wir haben uns dann den älteren Teil aus dem 7. Jahrhundert angeschaut und hatten einerseits Glück, andererseits Pech. Glück, weil das Innere des Tempels zugänglich war und wir uns den wirklich alten Teil anschauen konnten. Pech, weil eine Gruppe koreanischer Mönche im Tempel ein Ritual durchgeführt haben und ihre eigenen (recht lauten) Chants gemurmelt haben. Norbu, für den alle irritierenden Menschen erst einmal Inder sind, meinte, dass beides schon eher selten wäre.

Außerhalb des Tempels das gewohnte Bild von Hunden (teilweise in merkwürdigen Positionen schlafend) und alten Menschen.

Danach ging es, das hatten wir Norbu auf dem Trek gesagt, auf den Markt. Wir machen das ja ganz gerne, weil dort das Leben spielt und man da manchmal viel mehr von einer Kultur oder einem Volk kennen lernt.

Der Markt in Paro ist noch ein alter Markt – der in Thimphu oder auch in Haa war ja schon moderner mit Dach und Betonboden und so. Hier waren es noch Zeltplanen auf dem Boden.

Direkt am Eingang: Das Gemüse der Bhutanesen! Die Chili!

Norbus Lachen, bei seiner Aufforderung hier mal reinzubeißen (bzw. das Grinsen der Verkäuferin) sagten uns, dass dies hier eine richtig scharfe Chili sein muss. Und so war es auch.

Ansonsten gab es überraschend viel Gemüse – das meiste davon wird auch hier angebaut. Es wird aber generell auch viel importiert – fast alles aus Indien – was auch daran liegt, dass es in Bhutan wenige Möglichkeiten zur Lagerung von Gemüse gibt. Kartoffeln werden zum Beispiel im Phobjikha angebaut, nach Indien verkauft und für ein Vielfaches wieder eingekauft. Ein schlechtes Geschäft für Bhutan.

Der Boden im Markt war teilweise etwas matschig und die geschäftigen alten Damen, die ihren Einkauf durchführten, duldeten wenig „Stehenbleiben und Fotos machen“ von merkwürdigen Ausländern. Unsere, durch den Muskelkater sehr gedrosselte, Geschwindigkeit tat ihr übriges.

Aber eine sehr interessante Erfahrung, dieser Markt. Vielfältiger, als wir es tatsächlich erwartet hatten. Und sehr lebendig.

Nächster Programmpunkt war das „Hot Stone Bath“. Das wollten wir heute eigentlich als Abschluss des Hiking machen. Wird aber heute genau so gut sein. Die erste Wahl für Bad und Abendessen hatte allerdings gemeldet, dass eine große Gruppe (> 100 Leute) sich angemeldet hatte und da wollten wir nicht mitten rein. Die zweite Wahl antwortete nicht auf die Anrufe, also einfach mal vorbeifahren.

Und wenn man schon einmal da ist, kann man ja auch einen Blick hinter die Kulissen wagen.

Ein Hot Stone Bath ist im Grunde genommen eine einfache Sache. Links und Rechts dieses Ganges ….

… sind Räume mit einer oder zwei hölzernen Badewannen. In diese Badewannen kommt frisches Wasser. Und dann gibt es noch diesen Haufen Steine, die erhitzt werden.

Selbige Steine kommen dann an die in den Gang reichende Wannen und erhitzen so das Badewasser. Dabei sollen sie Mineralien und Wirkstoffe abgeben und Schmerzen lindern, etc.

Voll einfach. Nach dem Baden gibt es dann im Farmhouse Abendessen – einfach und gut.

Wir waren begeistert und würden dann zum Baden und Abendessen um 17 Uhr wieder hierhin zurückkehren. Und weil bis dahin noch Zeit war und, wie immer in Asien, jeder denkt, dass wir verhungern, ging es sicherheitshalber noch zum Mittagessen. Und das, auch das hatten wir mit Norbu besprochen, wollten wir diesmal da einnehmen, wo wirklich die Locals essen und nicht die Touristen.

Und hier gab es keine englisches Menu mehr. Nur noch das, was Norbu und Namgay bestellten.

Generell war es alles erst einmal lecker, nur das Rindfleisch (Sehr interessant, dass wir auch Rindfleisch bekamen!) war recht zäh. Die Leber in Buttermilch war interessant, aber nicht unser Fall. Das Dal war super und fast schon wie eine Gemüsebrühe. Und die Chili war nicht für Touristen, sondern für den anspruchsvollen Bhutanesen.

Eine coole Erfahrung, auch wenn der Inhaber auf einmal sich mit 6 Wasserflaschen und vielfach entschuldigend zu uns kam, weil die Chili zu einem roten Kopf bei Jens geführt hat. Der das allerdings gar nicht so schlimm fand, sondern wirklich lecker.

Dazu gab es natürlich auch noch Unmengen Reis.

Hiernach waren wir etwas müde, also haben wir uns zum Hotel fahren lassen und ein Nickerchen gemacht.

Soll ja auch alles Urlaub sein.

Pünktlich um halb 5 wurden wir dann wieder abgeholt und zum Bad gebracht. Die Steine waren heiß und das Wasser war vorgewärmt. Und wir konnten uns einen Raum aussuchen – haben uns dann für den mit Licht entschlossen … 😉

Handtücher liegen bereit, genauso wie FlipFlops. Man kann also einfach alles ausziehen und sich in die Wanne legen. Und dann genießen.

Zu den Steinen kommt man mit den Füßen nicht durch, da sind ein paar Hölzer davor.

Im Gang läuft dann eine alte Dame umher und fragt ab und an „Hot Stone?“. Und wenn man „Yes“ sagt, wirft sie ein paar neue, heiße Steine rein. Bei jedem (egal, ob nur einer Ja sagt oder beide). Auch das „only one stone, please“ hatte wenig Wirkung: Entweder jeder bekommt 2-3 oder es gibt nix. Im Zweifelsfall muss man eben aus der Wanne kurz raus, bis man nicht mehr verbrüht.

Eine sehr coole Erfahrung! Und wir bildeten uns ein, dass wir danach nur deswegen weniger Muskelkater hatten.

Nach einer Stunde war es uns aber genug und wir trockneten uns ab und gingen ins Haupthaus zum Abendessen.

Das Essen wurde in einem recht neuen Anbau gekocht und ausgegeben. Und zum Essen setzt man sich, wie hier üblich, gemeinsam auf den Boden.

Die Dame des Hauses sprach sogar recht gut Englisch, sodass wir uns nachher noch nett unterhalten haben. Aber vorher: Abendbrot! Ein letztes Mal in Bhutan.

Und dabei gab es noch einmal das volle Brett: Käse mit Chili, Nudeln mit Rindfleisch und Chili, frische Bohnen, frischen Reis, Kartoffeln mit Käse – alles aus eigenem Anbau.

Wir waren wirklich sauer, als wir satt waren – das war hervorragend lecker!

Danach saßen wir tatsächlich noch etwas beieinander und unterhielten uns mit Norbu und Namgay über dies und das. Die beiden sind uns wirklich sympathisch und wir hatten wirklich Glück mit den beiden. Auch wenn unser Fahrer manchmal etwas langsam fuhr und das mit der Gangschaltung nicht so ganz kapiert hatte (Anfahren im 3. Gang). Und Norbu war ab und an etwas still. Aber wie sagt man in Köln: Jeder Jeck ist anders! Und so waren die beiden auch.

Kadrin chhe la! (Danke sehr)

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