Nach Kobe, nicht des Fleisches wegen

Nach dem, zugegeben etwas alkohollastigen, gestrigen Abend haben wir den heutigen Tag etwas ruhiger angehen lassen. Und da wir in Japan sind: Was gibt es besseres als Sushi dafür?

Im Ernst: Nachdem wir etwas später aufgestanden sind, haben wir unser Gepäck mittels eines Takuhaibin Services (Yamato, dem Paketdienst unseres Vertrauens) schon einmal nach Nagoya geschickt. Dies haben wir bei unserem ersten Service schon oft gemacht und das hat den Vorteil, dass wir die Bahnfahrt nicht mit 3 Koffern machen müssen. Nicht, dass dies nicht gehen würde, aber man muss es sich ja auch nicht unbedingt schwieriger machen als es sein muss.

Unsere Koffer gingen also schon zu unserem übernächsten Hotel in Nagoya, wir dagegen kauften, nachdem wir das super leckere Sushi gegessen haben, noch unser „Eki Bento“ ein und begaben uns aufs Gleis. Viel zu früh, mal wieder. Der durchschnittliche Japaner kommt so etwa 5 Minuten vor Abfahrt aufs Gleis.

Unsere Snacks für den Zug haben wir übrigens in einem (für uns) relativ neuen Food Court im 1. Basement der Tokyo Station gekauft, im Gransta Tokyo Station. Aus uns unerfindlichen Gründen haben wir dort keine Fotos gemacht, aber da gibt es gefühlte 500 Shops mit teilweise vor Ort direkt zubereiteten Bento. Wir mussten wirklich schauen, dass wir da nicht in einen Kaufrausch verfallen, denn wir hatten nur etwas über 3 Stunden Zeit … 😉

Nachdem der Zug total pünktlich losgefahren ist, machten wir uns in unserem Green Sha (1. Klasse Wagen) gemütlich und begannen, das eingekaufte Essen zu vertilgen.

Meike hat es dabei durchaus divers getroffen: Die Yakitori rechts unten waren frisch gegrillt und super lecker, die Sommerrollen rechts waren super lecker und die Hühnchen-Knorpel-Krümel oben rechts waren ein Fehlkauf. Jens Bento war einfach nur gut.

Während der weiteren Fahrt wurde dann gelesen, aus dem Fenster geschaut und ein wenig Bilder am Laptop sortiert.

Was man halt so macht, wenn man in Japan Bahn fährt.

Nach einer Weile kamen wir dann in Kobe an, genauer gesagt in Shin-Kobe.

Nach Kobe wollten wir schon immer mal, nicht zuletzt wegen des berühmten Fleisches. Das wir dieses Mal vermutlich nicht hier genießen werden, denn dafür ist die Zeit zu knapp.

Angekommen sind wir, wie oft wenn man mit dem Shinkansen fährt, an Shin-Kobe – dem Shinkansen-Bahnhof etwas außerhalb der Innenstadt.

Von da aus ging es mit dem Taxi ins Hotel, denn das Wetter war etwas feucht und schwitzig. Was allerdings etwas übertrieben war, denn wir kamen schon kurz darauf im Hotel Villa Fontane (ja, gleiche Kette wie in Tokyo) an.

Kobe ist eine der ersten Städte, die auf dem Reißbrett entworfen worden, denn nach dem 2. Weltkrieg waren mehr als die Hälfte der Stadt zerstört worden. Und nach dem großen Erdbeben 1995 gab es ebenfalls große Zerstörungen, sodass viele Stellen in Kobe recht modern sind. Bekannt ist Kobe für das Fleisch und die Sake Produktion, der größte Teil des japanischen Sakes kommt von hier.

Kobe war auch die Stadt, die im Rahmen der Meiji-Restauration 1868 für Langnasen geöffnet wurde. Die Stadt hat dadurch einen großen Einfluß von außen gehabt, was untypisch für japanische Städte ist. Dafür gilt Kobe auch als der Geburtsort des Kinos und des Jazz in Japan. Heute leben Ausländer aus über 120 Nationen in der Stadt und einen davon kennen wir aus Köln.

Ja, der Lukas spielt bei Vissel Kobe und ist hier einer der Stars der Mannschaft, die aktuell vom Deutschen Thorsten Fink trainiert wird und in der ersten japanischen Liga spielt.

Zum Noevir Stadium Kobe, wo das heutige Spiel zwischen Südafrika und Kanada ausgetragen wird, kommt man auf zwei Wegen: Einmal mit JR Linie zu einem nahen Bahnhof und dann einen etwas längeren Weg zu Fuß. Oder mit der U-Bahn, was einen den Fußmarsch extrem verkürzt. Wir hatten heute den faulen Tag und fuhren mit der U-Bahn.

Vor dem Einsteigen waren wieder sehr viele Helfer vor Ort, um beim Kauf der Fahrkarten zu helfen. Und sie waren überrascht, als wir zielsicher zum Automaten gingen und auch noch die korrekten Fahrkarten kauften. Ist aber nicht so schwer: Schauen, wo man hin möchte, Knopf mit der Zahl drücken, auf den „2 Erwachsenen“-Knopf drücken, zahlen, fertig. Das geht inzwischen schon auf Japanisch …

Die Idee mit der U-Bahn hatten übrigens viele.

Von der Metro-Station ging es dann eine Strasse entlang zum Stadion. Und aufgrund der Erfahrung aus dem Spiel in Tokyo, dass es im Stadion nur das Bier des niederländischen Hauptsponsors gibt, haben wir uns bei denen am Weg aufgebauten Ständen ein Wegbier gegönnt.

Vor dem Stadion war diesmal eine etwas andere Stimmung, denn es waren tatsächlich weniger Japaner da, die aus Fashion-Gründen ein Trikot der berühmten All Blacks tragen, sondern mehr wirkliche Südafrikaner und Kanadier in den Trikots der Bokke oder der Les Rouges.

Wir dagegen stachen wieder einmal durch unsere deutschen Trikots raus.

Das Stadion in Kobe fasst 30132 Zuschauer, beim Spiel waren 28014 anwesend. Trotzdem waren die meisten Spiele der WM ausverkauft, was ein Zeichen für den Boom des Rugbysports in Japan ist.

Das Einlaufen der Mannschaften wird übrigens bei jedem Spiel gleich zelebriert. Links und Rechts des Spielertunnels stehen zwei Trommler und direkt vor dem Eingang der Webb Ellis Cup, die Trophäe, die der Weltmeister bekommt.

Das Einlaufen beginnt, indem ein weiterer Musiker mit zwei Klanghölzern den Takt vorgibt, in dem die Trommler dann den Einlauf begleiten. Während er die Hölzer gegeneinander schlägt, ist das ganze Stadion übrigens total ruhig.

Dann das übliche: Einlauf, Aufstellen, Nationalhymnen (nur ohne das Gepfeife und Gebuhe, was beim Fussball leider oft passiert) und dann geht es los.

Diesmal ohne Haka.

Das Spiel ist schnell erzählt, denn Südafrika hatte nicht Lust, so etwas wie die Kiwis zu machen und irgendeine Art von Hoffnung bei den Kanadiern aufkeimen zu lassen. Genauer gesagt legten sie los wie die Feuerwehr und machten in der 3., 6., 10., 18., 21., 28. und 40. Minute Trys ohne, dass Kanada überhaupt den Hauch einer Chance hatte.

Da auch die entsprechenden Erhöhungen alle bis auf eine gelangen, stand es zur Halbzeit unspannende 47:0.

Nicht hilfreich war auch die rote Karte, die ein kanadischer Spieler in der 36. Minute erhält. Beim Rugby ist dies nämlich auf Dauer noch herausfordernder als beim runden Leder, denn der fehlende Spieler reißt Lücken in so ziemlich jeder Spielphase.

Nach der Pause legte Südafrika einen Gang raus, Kanada dagegen mehrere zu.

In der 46. Minute legte Heaton sogar einen Versuch, den zweiten für Kanada bei dieser WM. Die ersten Spiele gingen 7:48 gegen Italien und 0:63 gegen Neuseeland verloren.

Auf den Rängen gab man sich zu dieser Zeit auch schon wieder den internationalen Verbrüderungen hin.

Da fielen die weiteren Trys der Südafrikaner schon gar nicht mehr ins Gewicht, denn selbst die Fans der Springboks feuerten die Kanadier an, wenn sie den Ball hatten.

Aber es half nicht, das Spiel endete 66:7 für den Favoriten, der damit sicher in das Viertelfinale einzog.

Nach Spielende wieder die Szenen, die uns beim Rugby so faszinieren: Rugby ist ein Spiel für Hooligans, gespielt von Gentlemen – Fußball ist ein Spiel für Gentlemen, gespielt von Hooligans. Stimmt schon teilweise.

Wir hatten heute ja nix mehr vor und haben uns dementsprechend Zeit gelassen und die Stimmung genossen.

Danach gingen wir zum Shuttlebus, der uns zur JR Hyogo Station bringen sollte. Japan-typisch lief auch hier alles wunderbar und man achtete die Nachtruhe der Anwohner. Das eine Schild reichte, um alle, auch die Kanadier und Südafrikaner, ruhig zu halten.

Faszinierend. Mit einem schnellen Shuttlebus ging es zur JR Station und dann ab ins Hotel, was direkt neben der JR Sannomiya lag, was der zentrale Bahnhof in Kobe ist und wo sich diverse Linien treffen.

In Sannomiya gibt es auch viele Kneipen und Restaurants, wir waren aber eher am Bettchen interessiert, denn der lange Tag hat doch seine Spuren hinterlassen. Und einen Abend mal weniger zu Essen und zu Trinken klang auch verlockend.

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