Das dritte Spiel der Rugby WM für uns (O flower of Scotland)

Ein sonniger Morgen in Kobe Sannomiya. Und für uns geht es heute zuerst nach Nagoya ins Hotel, dann nach Shizuoka zum Rugby und dann wieder zurück ins Hotel nach Nagoya. Ein langer Tag also.

Bei bestem Sonnenschein ging es die paar Meter zu U-Bahn und dann nach Shin-Kobe

In Shin-Kobe angekommen, hatten wir noch etwas Zeit bis zu unserem Shinkansen, also kauften wir unsere Eki Bento und schauten dem Treiben auf den Bahnsteigen zu.

Viele Touristen und Rugby-Fans, was man in der Regel an den Trikots erkennen konnte.

Nachdem unser Zug eingefahren war, ging es zu unseren Sitzplätzen. Jens hatte sich ein „Kobe Beef Bento“ gegönnt, was allerdings den Preis nicht so wirklich wert war. Meike hatte aber einen schönen Salat mit Hühnchen

Die Fahrt von Kobe nach Nagoya dauerte etwa 2 1/2 Stunden und dabei schauten wir wieder aus dem Fenster und erblickten vorzugsweise Betonwände, aber eben auch den ein oder anderen Blick auf was Interessantes. Wie ein Bahnbetriebswerk der JR Central.

Nun gut, jeder findet andere Dinge interessant.

Ein recht neues Feature im Shinkansen sind die Raucher-Räume.

Bei der Eröffnung der Shinkansen im Jahre 1964 waren noch alle Züge komplette Raucherzüge, man konnte also überall in den Zügen rauchen. Aktuell gibt es nur noch einzelne Züge auf der Tokaido Line, wo noch Raucherabteile existieren, alle anderen Züge sind komplett rauchfrei. Bis eben auf die Raucher-Räume, die in den N700 in den meisten Waggons vorhanden sind.

Macht das Fahren aber sehr angenehm, wenn man nicht Gefahr läuft, im Qualm von anderen zu sitzen.

Nachdem wir in Nagoya angekommen waren, ging es zu unserem Hotel, dem JR Gate Hotel, einem 4-Sterne Hotel direkt im Bahnhof – sehr praktisch. Und sehr edel, denn wie wir später erfahren haben, ist dies eines der besten Hotels in Nagoya.

Der CheckIn war kein Problem, bis auf die Tatsache, dass man zuerst mit der Rezeptionistin redet und sie was macht. Dann bekommt man eine Karte und muss zu einem CheckIn-Automaten auf der anderen Seite – keine Ahnung, was dadurch einfacher werden sollte. Das Zimmer war noch nicht bereit, also warfen wir uns in unser Rugby-Outfit, gaben unsere Rucksäcke ab (die Koffer waren ja schon bereits mit dem Lieferdienst hier hergekommen) und gingen wieder zum Bahnhof. Und stiegen in den Zug nach Kakegawa, eine Fahrt von etwa 50 Minuten.

Und angesichts der drohenden Heineken-Plörre haben wir uns für die Fahrt ein anständiges Sapporo gegönnt.

In Kakegawa dann wieder die schon gewohnten Rugby-Anzeichen und Helfer, die einem den Weg zu den bereitstehenden Shuttlebussen zum Shizuoka Stadium wiesen.

Es standen auch diverse Busse bereit, sodass wir mehr oder weniger gleich abgefahren sind.

Super organisiert das Ganze!

Nach etwa 30 Minuten kamen wir an dem sehr groß dimensionierten Parkplatz an. Von den Warteschlangen werden hier größere Menschenmengen erwartet.

Unser kleine Bus sah da etwas mikrig aus, zwischen den ganzen Hütchen und Phantasialand-Warteschlangen. Das Stadion war allerdings noch etwa 20-30 Minuten zu Fuß entfernt, also ab in der Sonne zum Stadion.

Dabei fiel auf, dass auf einem tiefer gelegenen Parkplatz wirklich Hunderte von Bussen standen und Horden von japanischen Schülern aus selbigen raus kamen und gen Stadion gingen. Und irgendwann kreuzten sich die Ströme von Schülern und dem Rest.

Was dann ein wenig komplizierter wurde, denn die Schülergruppen liefen total geordnet und hielten andauernd an, sodass sich quasi ein Rückstau bildete, der dann uns aufhielt. Teilweise gingen die Langnasen dann auf dem Rasen weiter, was wiederum die japansichen Schüler irritierte, die damit wieder langsamer gingen – und so weiter.

Außerdem waren bestimmte Fans so interessant, dass die Schüler hier nicht an sich halten konnten, zum Beispiel der schottische Fan links hinter mir mit den Pikatchu-Ohren war unglaublich beliebt!

Ach so: Warum Schotten? Weil heute Schottland gegen Russland spielt!

Und so hörten wir rund ums Stadion oft sehr vertraute Akzente und Stimmen – quasi fast wie in unserem zweiten zu Hause in Edinburgh.

Rund um das Stadion dann die schon bekannten Heineken- und sonstige Fress-Stände, hier fanden wir allerdings auch den einen oder anderen besonderen Stand. Wie diese super leckeren Spieße.

Wir haben uns dann doch zu einem Heineken hinreißen lassen und tranken dieses mit dem Blick auf das Treiben unter uns mit den Schülern und Schotten, die sich gegenseitig fotografierten.

Einige Schüler hatten übrigens eine Info-Tüte mit Tourismus-Informationen über die Provinz und einem kleine Origami-Geschenk, die sie an Ausländer verteilten. Am Ende hatten wir drei davon, aber egal: Der Gedanke zählt.

Warum wir übrigens im Schatten an der Brüstung des Mittelrangs standen und nicht auf unseren Plätzen saßen? Weil unsere Plätze voll in der Sonne waren!

Um uns herum nur Japaner und Schotten, mit denen wir uns dann auch ein wenig unterhalten haben. Und einer hat sogar ein Foto für uns gemacht. Auch wenn er da nicht so … gut drin war (siehe sein Finger im Bild. Auch hier: Der Gedanke zählt!

Da die Sonne tatsächlich immer noch sehr warm war, wieder zurück zu unserem Aussichtspunkt und Leute beobachten.

Es war bei jedem Spiel so, aber hier irgendwie durch die Menge von Schulkinder noch krasser. Laut einem Bericht waren übrigens 16.000 der 44.000 Zuschauer Schulkinder.

Dann ging es aber langsam los: Unser drittes und letztes Spiel der Rugby WM.

Nachdem die Sonne hinter dem Dach verschwunden war, ging es auch mit dem Rugby-Schauen ohne Hilfsmittel. Das Spiel selber war recht einseitig und wir hatten eigentlich von den Russen mehr erwartet, gerade nach dem Auftakt gegen Japan, wo sie gut mitgehalten haben.

Schottland ging recht schnell durch Adam Hastings in Führung und lief auch nie Gefahr diese nicht konstant weiter auszubauen.

Zur Halbzeit stand es schon 21:0 und wir hatten Hunger. Und was gibt es da besseres als einen frisch zubereiteten Wagyu-Burger.

Antwort: Nicht viel. Nur halt beim Bier war es schade, dass nur diese Plörre ausgeschenkt wurde. Wir haben übrigens nachher eine Statistik gelesen, dass bei einem Spiel der Rugby-WM 6 Mal so viel Bier getrunken wird wie bei einem Spiel einer Fussball-WM. Und bei einem Spiel mit Schotten gilt das noch einmal um so mehr – die Damen mit den grünen Rucksäcken waren auf jeden Fall gut beschäftigt.

Das Spiel lief so weiter wie es begonnen hatte.

Was sehr zufriedenstellend für die Schotten war, denn am Ende stand es 61:0 für Schottland.

Dann hieß es für uns aber auch „ab zum Bus und zum Bahnhof“, denn hier war die Situation so, dass wir am Kakegawa einen Shinkansen nehmen wollten. Und dafür hatten wir eine Reservierung und wollten diese auch wahrnehmen können. Also etwas schneller aus dem Block und dem Stadion zum Bus.

Auf dem Weg natürlich die Verabschiedung der ganzen Volunteers.

Ja, das mag alles kindisch wirken, aber durch so eine Reihe von Menschen zu rennen und alle abzuklatschen macht Spaß. Und glücklich. Und da ist halt nichts falsches dran …

Auf dem Weg zum Bus merkten wir, dass Shizuoka noch ein letztes Geschenk hatte, denn dies war das letzte Spiel der WM hier. Also gab es ein schönes Feuerwerk zum Abschied, was wir vom Busparkplatz aus genossen.

Der Bus war natürlich direkt da, genauer gesagt standen etwa 30-40 Busse bereit. Und nach einer schnelleren Fahrt als auf dem Weg zum Stadion kamen wir in Kakegawa an. Wo wir für die 50 Minuten Fahrt noch was einkaufen wollten, dabei aber in einen Spezialitäten-Shop mit lokalen „Dingen“ geraten sind.

Vorteil: Alles lokal, Nachteil: Man kann auch Seife kaufen oder sonstwas.

Wir haben uns daher an Keksen und Bier gehalten, denn das erkennen wir in jeder Sprache.

Vorher wurde übrigens gesagt, dass nach Spielende es noch genau zwei Shinkansen nach Tokyo gibt und beide sehr, sehr voll sein würden. Komischerweise waren die nach Nagoya total leer. Warum da niemand daran gedacht hat, wissen wir auch nicht – für uns war das das Naheliegende in die nächste Großstadt zu fahren.

Egal, denn so hatten wir viel Platz im Zug und kamen schön schnell in Nagoya an.

Und da unser Hotel, wie gesagt, mehr oder weniger direkt im Bahnhof war, waren wir dann auch schnell im Zimmer und im Bettchen. Und summten dabei „O flower of Scotland“ vor uns hin …

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