Alte, Aktuelle und Neue Eisenbahn in Nagoya

Nun also war die Rugby WM vorbei – zumindest für uns. Sowohl im Fernsehen als auch in der Werbung war sie allerdings noch omnipräsent – wir dagegen entschieden uns, einfach weil wir es können, so spät wie nur irgend möglich aufzustehen. Und dann die gestern Abend empfangenen Frühstücksgutscheine einzulösen. Also zwei von denen.

Das Frühstück war sehr gut und das war für den heutigen Tag entscheidend, denn heute stand eine Food Tour auf dem Programm, also hieß es für uns: Gut frühstücken und dann nix essen, damit zum Beginn der Tour um 16 Uhr noch genügend Rest-Hunger vorhanden ist.

Die Frage für uns war: Was machen wir bis dahin? Nagoya ist mit über 2 Millionen Einwohnern die viertgrößte Stadt Japan und vor allem als Industriezentrum zwischen den Regionen rund um die ehemalige Hauptstadt Kyoto und die aktuelle Hauptstadt Tokio bekannt. Die Metropolregion Nagoya bzw. Chukyo, was übersetzt tatsächlich sowas wir „Region zwischen den Hauptstädten“ bedeutet hat etwa 9,1 Millionen Einwohner – also sollte es genug zu sehen geben.

Tatsächlich ist Nagoya oft etwas vernachlässigt von den Touristen, denn die meisten fahren von Tokyo, wo sie ankommen, nach Kyoto, wo die ganzen Tempel und andere Sehenswürdigkeiten sind. Und durch Nagoya fährt man in der Regel durch. Da dies unser 5. Besuch in Japan ist, haben wir uns den Luxus gegönnt, die Stadt etwas zu erkunden.

In Nagoya gibt es natürlich einiges zu sehen, allerdings fiel uns (also Jens) als aller erstes der „SCMaglev and Railway Park“ ins Auge. Also ein Eisenbahnmuseum. Und das sollte für einen Vormittag genug sein, also ging es dorthin.

Das Museum liegt im Süden von Nagoya in der direkten Nähe vom Legoland und ist ein Museum der JR Central. Was witzig ist, denn die einzige Bahn, die dort hinfährt, ist eine Privatbahn.

Ist ja Fahrkartenkauf-technisch kein Problem für uns, allerdings schon komisch.

Die Bahn fährt allerdings auch am „Hauptbahnhof“ von Nagoya los und nachdem wir das Gleis der kleinen Privatbahn gefunden hatten, ging es auch los auf die 30-minütige Fahrt zur Endstation nach Kinjo-futo, dem anderen Endbahnhof der Aonami Line.

Von dort aus geht es entweder zum Legoland oder zum Eisenbahnmuseum, Die meisten Leute im Zug gingen ins Legoland. Wir und ein paar Briten gingen zur Museum.

Das Museum wurde 2011 eröffnet und bietet relativ viele Ausstellungsstücke, so zum Beispiel gleich beim Eingang eine schöne Sicht auf die Vergangenheit, die Gegenwart und die Zukunft der japanischen Eisenbahn: Eine C62 Dampflok von 1948, ein Shinkansen 300X und der Maglev MLX01.

Im großen Ausstellungsraum gab es dann viele, viele Züge zu besichtigen.

Daneben war links und rechts noch einiges mehr als nur rollendes Material zu sehen. So zum Beispiel eine Modellbahnanlage, welche den etwas übertriebenen Titel „Greatest Railway Diorama Room“ trägt.

Aber auch, wenn man als Deutscher eher das MiWuLa im Hamburg als Referenz kennt, so waren hier auch Liebhaber am Werk und viele Details der dargestellten Orte wie Kyoto waren gut erkennbar.

Und man konnte sich lange mit der Anlage beschäftigen

Auch wenn wir vermuten, dass die Betzmeir Reisen GmbH aus Hollerbach in Bayern eher weniger in Japan unterwegs ist ….

Am Anfang war die Anlage noch im Tiefschlaf, nach einer motivierenden Ansprache durch eine Stimme aus dem Lautsprecher fingen die ganzen Züge an, sich zu bewegen.

Eines der Highlights im Museum ist der Shinkansen-Simulator, für den man sich allerdings vorher anmelden muss und dessen Benutzung durch ein Los-Verfahren entschieden wird.

Für Otto-Normal-Teufel bleibt da doch eher die 100 Yen (= 0,85 Euro) kostende Benutzung des Lokalbahn-Simulators.

Was, durch vorsichtiges Fahren, mit dem zweit-besten Ergebnis des Tages (vermutlich von 2 Nutzern) und einer Urkunde inklusive Schulterklopfen der Angestellten des Museum belohnt wurde.

Danach sind wir noch weiter durch die Ausstellung geschlendert.

Neben uns waren einige Ausländer sowie eine große Gruppe geistig behinderter Japaner im Museum. Wobei sich alle am Museum erfreuten, was nett zu sehen war. Inklusion endet eben manchmal nicht beim Wort alleine …

Ein cooles Ausstellungsstück war dieser Doppeldecker-Shinkansen der Shinkansen-Baureihe 300, welcher nur kurz im Einsatz war.

Eine nette Vorstellung, bei 240 – 260 km/h (so schnell fuhren die Züge auf den Shinkansen-Strecken damals) ein leckeres Essen zu sich zu nehmen.

Eine weiterer Schwerpunkt des Museum ist der „SCMaglev“-Teil des Namens: Die Magnetschwebebahn. Der japanische JR-Maglev ist eine 1997 in den Testbetrieb gegangene Magnetschwebebahn und die 43 km lange Teststrecke wird in den nächsten Jahrzehnten Teil einer 500 km/h schnellen Verbindung zwischen Tokio und Osaka.

In einem Simulator konnte man erleben, wie sich das anfühlt.

Witzigerweise haben wir 2016 mit einem Zug genau diese Teststrecke auf unserem Weg zum Fuji-san gekreuzt. Wann die Strecke zwischen den zwei Metropolen fertig wird, steht noch etwas in den Sternen.

Danach haben wir uns mehr oder weniger wieder in Richtung der Stadt gemacht, denn um 16 Uhr wollten wir uns mit unserem Guide der Food Tour treffen. Und im Gegensatz zu sonst wollten wir die Größe der Stadt nicht unterschätzen. Also ab zur Station und zurück nach Nagoya.

Der eigentliche Plan war mit der U-Bahn zum Treffpunkt zu fahren. Da wir aber noch was Zeit hatten, sind wir die 3 Kilometer zum Treffpunkt am Oasis 21 Center gegangen. Und haben dabei sowohl interessante als auch schäbige Ecken der Stadt gesehen.

Aber fast pünktlich kamen wir dann am Treffpunkt ab. Und auf geht es in die Foodie Szene von Nagoya.

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