Eine Food Tour in Nagoya

Wieso halten wir wohl gerade einen kleinen Kuchen in der Form eines japanischen Fabelwesens namens Shachihoko in der Hand? Der uns auch noch von einer in Japan lebenden Deutschen gegeben wurde?

Und warum posieren wir hier auch noch mit dieser Deutschen an einem „Nagoya“-Sign in der Nähe des „Oasis 21“, einem Gebäude in der Nähe des TV Tower und dem Busbahnhof von Nagoya?

Nun, das kann bei uns ja in der Regel nur was mit einer Tour, etwas zu Essen oder zu Trinken zu tun haben. In diesem Fall sogar alles davon.

Bei der Suche nach Dingen, die wir in Nagoya tun können, ist uns eine Seite namens „Nagoya Foodie“ aufgefallen, auf der Food-Touren angeboten werden. Und da wir uns einer neuen Region gerne über die kulinarische Seite nähern, erschien uns das wie eine gute Idee. War es im übrigen auch.

Witzig war, dass nach einigem Suchen sich halt herausgestellt hat, dass die Gründerin von Nagoya Foodie auf den Namen Lena hört, ursprünglich aus Bayern kommt und seit Mitte 2019 nun mit ihrem japanischen Ehemann in Nagoya lebt. Sie hat sich nach einer längeren Weltreise dazu entschlossen, ihren Job als SAP-Beraterin eines japanischen Unternehmens an den Nagel zu hängen und als Tour Guide in Japan ihre neue Wahlheimat den Touristen zu zeigen – etwas, was es so in Nagoya überraschend selten gibt – also eine echte Marktlücke. Wir waren tatsächlich schon ihre zweite Tour und hoffentlich nicht die letzte. Für uns war spannend, mit jemandem zu reden, der seit einigen Jahren in Japan lebt, fließend japanisch spricht und dann auch noch aus Deutschland kommt. Also die beiden Länder ganz gut vergleichen kann.

Oh, und Essen gab es auch dabei. Und sogar, obwohl Lena jetzt nicht gerade … Craftbier-affin ist, zwei Bars mit lokalem Craft Beer. Das hatten wir vorher angefragt und Lena hat das netterweise in die Tour mit eingebaut.

Ansonsten ging es rund um das Gebäude „Oasis 21“, einem 2002 eröffneten Gebäude mit Restaurants, dem Busbahnhof, einer Touristen Information und einem interessanten, von einem großen Bassin mit Wasser dominierten Dach, zu diversen Restaurants und Food Courts, um die typischen Speisen Nagoyas kennenzulernen.

Der erste Stop war, nach dem Kuchen, ein Restaurant namens „Yamamotoya Honten“, wo es „Miso Nikomi Udon“ gab.

Udon gibt es in Japan ja in vielen Ecken und in lokalen Variationen und so ist es halt auch in Nagoya.

Die hier verwendeten Udon sind etwas dicker und werden auch leicht „al dente“ gekocht. Das für uns besondere war aber die Brühe, welche bei den Miso Nikomi Udon mit einer besonderen, dunklen Miso-Paste zubereitet wird. An den Tisch kommen die Udon in einem Tontopf und noch blubbernd heiß.

In der Brühe ist ebenfalls ein rohes Ei, welches man verquirlen kann. Durch die noch kochende Suppe stockt das Ei aber sowieso total schnell. Die Dashi-Miso-Brühe war allerdings wirklich der Knaller. Das Essen der Udon hingegen war mit dem üblichen „Verdammt, warum habe ich helle Sachen angezogen“ verbunden.

Generell ein starker Beginn mit einer Menge Umami und Texturen.

Weiter ging es zu einer der beiden Craftbeer-Bars, die Lena ausgesucht hat. Hier gab es ein netten Flight, dessen Zubereitung allerdings etwas langsam war.

Was angesichts des leeren Ladens (wir waren noch vor den ganzen Salerymen unterwegs, die abends diese Bars überfluten) schon überraschend war. Uns war das aber egal, denn wir konnten so die Chance nutzen, uns mit Lena über das Leben in Japan unterhalten und haben viele interessante Dinge über ihren Job in einem japanischen Unternehmen erfahren. Und auch die Dinge, die sie und ihr Ehemann auf der Weltreise erlebt haben.

Beim Rausgehen haben wir gemerkt, dass noch eine weitere „Deutsche“ da war: Rotkohl!

Warum auch immer ….

Weiter ging es in den Food Court eines nahen Einkaufszentrums. Japanische Food Courts sind ja immer so eine wunderbare und leicht verwirrende Welt. Und man sollte wirklich nicht hungrig dort reingehen, denn was man dort theoretisch kaufen kann, sieht so unglaublich lecker aus … auch wenn es aus Korea stammt.

Wir brauchten uns aber um Hunger nicht zu kümmern, denn der nächste Stop war das Restaurant „Jiraiya“, was „Tenmusu“ verkauft. Die Nagoya-Variante von Omigiri.

Wobei das mit dem „Nagoya“ nicht so richtig stimmt, denn der wirkliche Ursprung dieser kleinen Onigiri mit einem Tempura-Shrimp liegt etwas von Nagoya entfernt in der Mie-Provinz. Die ganze Geschichte steht auf der Seite von Nagoya Foodie und beinhaltet eine geschäftstüchtige Frau, die am Ende im Alleingang dafür gesorgt hat, dass man diese kleinen Reis-Dreiecke mit Nagoya assoziiert.

Ein weiterer Vorteil von Food-Courts ist übrigens, dass man hier eine Menge anderer Speisen bekommt. So quasi als „Zwischengang“. Eben sowas wie „Oni Manju“, was übersetzt „Kuchen des Teufels“ bedeutet.

Oni Manju bestehen aus Süßkartoffeln und schmecken nicht so süß, wie sie aussehen (was gut ist). Und während wir diese mümmelten, erzählte uns Lena verschiedene Geschichten über Nagoya, die Geschichte der Stadt und auch persönliche Stories, die sie hier erlebt hat.

In einem kleinen Geschäft haben wir dann noch was sehr klischeehaftes gezeigt bekommen, denn wenn man an Japan und Essen denkt, dann fallen einem eigentlich recht schnell die Begriffe „Obst“ und „sündhaft teuer“ ein. Und wenn man dann eine Melone für ca. 150 Euro sieht, dann …. fühlt man sich bestätigt.

Das so teure Obst ist aber halt im Grunde genommen sowas wie Wagyu-Beef: Besonders.

Wir haben dann aber Abstand davon genommen und sind zum letzten Restaurant der Tour gegangen: Einem Aal-Restaurant.

Aal gibt es ja gerade bei Sushi in Japan sehr oft, das Gericht namens „Hitsumabushi“ ist aber wirklich etwas, was typisch für Nagoya ist und seit der Meiji-Zeit hier gegessen wird.

Hitsumabushi, der krönende Abschluss des kulinarischen Teils der Tour, ist ein wirklich sehr traditionelles Gericht aus Nagoya. Zu Feiertagen wird ein Aal zubereitet und mit Reis, Beilagen wie Wasabi oder Lauchzwiebeln, eingelegtem Gemüse sowie einer Suppe / Brühe / Tee (!) serviert. Wie so oft in Japan gibt es hier eine passende Prozedur, denn dieses Gericht isst man in vier Etappen. Dazu viertelt man die Reisschüssel mit dem Aal und beginnt mit der ersten Runde: Einfach so den Aal mit dem Reis essen. Das zweite Viertel isst man mit den Beilagen. Das dritte Viertel isst man tatsächlich mit der Brühe oder dem grünen Tee, was leckerer ist, als es klingt. Und das letzte Viertel ist dafür da, dass man den Aal auf eine der drei Arten isst, die einem am Besten gefallen hat.

Sehr cool und sehr japanisch, gerade was die Prozedur angeht.

Danach sind wir mit Lena wieder zurück zum Startpunkt gegangen bzw. zu einer abschliessenden Craftbeer Kneipe am Oasis 21. Und dort haben wir dann noch was zusammengesessen und gequatscht. Und als Abschiedsgeschenk (bzw. einem Quiz) noch ein paar Krabben-Cracker bekommen, die sogar ihren Weg zurück nach Köln geschafft haben ohne in Pulver zermalmt zu werden.

Eine sehr spannende Tour mit interessanten Gesprächen und noch interessanteren Einblicken in die Food-Kultur Nagoyas. Wärmstens zu empfehlen!

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