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Von Andernach nach Ahrweiler über Vulkan

OK, das ist grammatikalisch nicht ganz korrekt, denn der Weg führte über viele Vulkane. Dazu aber später mehr.

Nach dem Frühstück und dem Auschecken im Hotel schleppten wir unsere Sachen zu unserem Auto, was immer noch auf dem öffentlichen Parkplatz stand. Dann ging es ans Überlegen: Was machen wir heute? Wandern wollten wir morgen schon, also heute eher nicht. Direkt nach Ahrweiler fahren dauerte nicht lang genug (die reine Fahrzeit betrug so etwa 50 Minuten). Den Rhein haben wir schon gestern genossen, also auch eher nicht. Koblenz waren wir schon.

Also machen wir mal das, was wir in fremden Städten oft mit dem öffentlichen Personennahverkehr machen: Einfach herumfahren. Nur diesmal mit unserem Auto. Und dabei kam uns die Idee in die nahe Vulkaneifel zu fahren und uns quasi „von hinten“ ins Ahrtal zu schleichen.

Dann aber hatte die Reise erst einmal was von „Hach, früher … *seufz*“.

Bei der Fahrt zu unserem heutigen ersten Ziel hat Jens aus den Augenwinkeln etwas irgendwie bekanntes gesehen. Was sich als ein Ort entpuppte, den er zuletzt vor 31 Jahren gesehen hatte.

OK, den Gag verstehen nur diejenigen, die damals mit Jens in der 4a oder 4b der Grundschule Dieringhausen waren und als „Abschlussfahrt“ in die Eifel nach Maria Laach gefahren sind.

Das Haus war nämlich das Naturfreundehaus Laacher See, wo Jens Klasse damals (also vor 31 Jahren) für ein paar Tage das Ende der Grundschulzeit verbrachte. Damals dem Alter angemessen in aufgedrehter Art und Weise, mit Stockbrot (die Feuerstelle ist immer noch da) und durch den Wald flitzend. Wenn man nicht gerade ausgiebige Fußball-Spiele auf dem Bolzplatz veranstaltete.

Wie gesagt: Hach … damals!

Auf jeden Fall war unser erstes Ziel das Naturschutzgebiet „Laacher See“.

Der Laacher See ist der größte See in Rheinland-Pfalz und tatsächlich ein Calderasee, d.h. vulkanischen Ursprungs. Auch heute noch gibt es hier Ausgasungen, die die vulkanische Aktivität zeigen. Was im Grunde genommen bedeutet: Hier und da blubbert es im See.

Der Laacher Vulkan brach zuletzt etwa 10930 vor Christus aus und ist von einem im Schnitt 125 Meter hohen Wall umgeben. Sieht schon beeindruckend aus, wenn man dort hineinfährt und auf den See blickt. Erst recht, wenn man daran denkt, dass dies im Grunde genommen ein schlafender Vulkan ist.

Das Kloster Maria Laach ist auch noch da.

Vom Kloster haben wir keine Fotos gemacht, weil es a) sich in einem Gotteshaus irgendwie nicht gehört und wir b) draußen auch nicht so viel interessantes gesehen haben. Bis auf den kleinen Laden, wo wir lokalen Honig gekauft haben. Und den Souvenirladen (auch sowas muss ein Kloster haben), wo Jens höchst unfreundlich ein Korb aufgezwungen wurde. Was ja den aktuellen Regeln entspricht, aber ein „Bitte“ wäre jetzt nicht so schwer gewesen.

Das Kloster, was heute zu dem Benedektinerorden gehört, ist heute für die Öffentlichkeit gesperrt – irgendwie hatte Jens die Erinnerung, dass man damals mehr sehen konnte. Kann aber auch an der Perspektive liegen. Die Klosterkirche, das Laacher Münster, gilt als eines der schönsten Denkmäler der romanischen Baukunst seiner Zeit und war innen schön und sehr ruhig. Auch hier gelten die Corona-Regeln, was überraschend von allen eingehalten wurde.

Nachdem wir keine große Lust auf eine Wanderung um den 3 km² großen Laacher See hatten, sind wir zu einem weiteren und sehr neuen Sightseeing-Spot der Vulkaneifel gefahren: Dem Lava-Dome in Mendig.

Der Lava-Dome wurde 2005 eröffnet und soll Besuchern die geologischen bzw. vulkanoligischen Phänomene der Vulkaneifel erläutern.

Das Museum selber ist schön eingerichtet und bietet auf vielen Tafeln einiges an Informationen, wie die Vulkane in der Eifel entstanden sind. Beziehungsweise allgemein viel über die Vulkane auf unserer Erde.

Der nächste Urlaub ist angedacht nach Island … oh, auch Vulkane!

Im Museum selber gibt es auch viel anzufassen und auszuprobieren. Nun, in Zeiten von Corona dann doch eher nicht so.

Auch Teil der Ausstellung war dieses Modell eines Basaltlava-Bergwerk. Durch die nach dem Ausbruch vor 13000 Jahren entstandene Basaltschicht, war tatsächlich hier in Mendig früher mal das größte Basaltlava-Bergwerk der Welt.

Nachdem in den Mühlen keine Basaltsteine mehr benötigt wurden (ersetzt wurden sie durch Stahlwalzen), konnte man die konstanten 6-9 °C zu etwas anderem nutzen …

Eine spezielle, aber sehr spannende Ausstellung. Und es wird einem immer wieder bewusst gemacht, dass hier aktive Vulkane direkt neben Köln und Bonn liegen. Besonders deutlich wird dies bei einer in Zusammenarbeit mit n-tv und lokalen Hilfsorganisationen gemachten fiktiven Nachrichtensendung.

In dieser Sendung wurde so getan, als ob ein Ausbruch stattgefunden hat und sehr eindringlich gezeigt, was das bedeuten könnte.

Zum Vergleich: Der letzte Ausbruch hier in der Eifel war 6 Mal so stark wie der des Mount St. Helens in den USA, wo wir vor 2 Jahren waren. Damals wurden ca. 16 km² Magma ausgeworfen, was bis nach Schweden oder Italien gelangte.

Die Magmakammer braucht zwar, so schätzt man, 30.000 Jahre um wieder so voll zu sein. Das bedeutet aber nicht, dass nicht schon vorher was passieren kann. In der Osteifel kann man starke Vulkanausbrüche alle 5.000 – 10.000 Jahre in den vergangenen 450.000 Jahren nachvollziehen. Da der letzte halt schon 13.000 Jahre zurückliegt, ist es langsam sehr wahrscheinlich. Es ist also nicht die Frage „ob“, sondern eher „wann“.

Würde ein ähnlicher Ausbruch wie damals heute stattfinden, wäre das eine Katastrophe in Mitteleuropa. Mit ziemlicher Sicherheit wären sehr viele Tote zu erwarten, der Verkehr würde zum Erliegen kommen und das Rheinland für immer verändert werden.

Nach dieser doch etwas bedrohlichen Erfahrung ging es zum Außenbereich des Lava-Domes. Genauer gesagt in die Erde, denn Teil des Museums ist auch der sogenannte Lavakeller. Was die Bezeichnung für das oben im Modell gezeigte Bergwerk ist.

Vor dem Eingang ein Zier-Mühlstein – der Grund für den Bergbau hier in Mendig,

Für uns ging es mit einer Jacke gegen die frischen Temperaturen und einem Helm gegen Kopfschmerzen dann ab in die Grube.

Früher wurden von Pferden betriebene Aufzüge verwendet – wir hatten eine Treppe mit etwa 160 Stufen zur Verfügung, um in die in 30 Meter Tiefe liegenden Stollen zu gelangen.

Unten angekommen waren wir schon überrascht, wie groß das dann doch ist. Insgesamt 3 km² wurden hier an Gängen und Hallen gebuddelt. Hatte was von den Hallen von Moria, nur ohne Orks.

Hier kommt man nur mit einer Führung runter, denn in den Gängen kann man sich gut verirren. Vor einigen Jahren hatten sich hier Teenager reingeschlichen und konnten erst nach mehreren Tagen gefunden werden.

Der Grund, weswegen früher hier der Basalt abgebaut wurde, ist hier ganz gut zu erkennen.

Die Bergleute suchten möglichst dicke Lava-Säulen, um dann die Mühlsteine grob herauszuschneiden und dann weiter zu verarbeiten.

Als der Basalt abgebaut war, blieben die großen Hallen übrig. Und dort wurde dann in der Mitte des 19. Jahrhunderts die Bierlager gebaut, die Mendig tatsächlich zu einem Zentrum der Bierproduktion machten. 28 Brauereien gab es damals, zwischenzeitlich waren alle wieder verschwunden. Lediglich die Vulkan-Brauerei wurde vor ein paar Jahren wieder eröffnet.

Unsere Führerin war übrigens sehr gut und hatte viele spannende Informationen auf Lager. In der Gruppe waren dagegen ein paar nervige Charaktere mit teilweise sehr … dummen Fragen. Aber ist halt so, also versuchten wir möglichst nahe an den Erzählungen zu stehen und zum Beispiel die Geschichte der Mülllöcher zu erfahren.

Die vom Bergbau zurückgelassenen „Löcher“ waren anfangs noch nicht verschlossen, also nutzte man sie als Müllschlucker. Das wurde in den 50er Jahren sogar von der Müllabfuhr so gemacht, bis man merkte, dass das wohl nicht so sinnvoll ist. Also fing man an, als man hier unten Führungen anbot, den Müll wieder rauszuräumen. Als Mahnmal blieben ein oder zwei dieser Mülllöcher allerdings bestehen, um zu zeigen, was der Mensch doch manchmal für Blödsinn macht.

Der Lava-Dome und der Lavakeller waren auf jeden Fall sehr interessant und ein guter Zeitvertreib. Apropos Zeit: Jetzt war es langsam so weit, dass wir nach Ahrweiler fahren konnten.

Also ab durch die Eifel, vorbei am Nürburgring und ab ins Ahrtal. Wo wir etwas umständlich und durch eine kleine Gasse zu unserem Hotel fahren mussten.

Aber dann waren wir da und richteten uns im Hotel am Weißen Turm ein.

Und heute Abend geht es ja wieder lecker essen. 🙂

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