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Steinheuers „Zur alten Post“ Heppingen

Nun das letzte Gourmetessen dieser Woche. Und für den Abschluss haben wir uns ein Restaurant ausgesucht, was wir vor einiger Zeit schon einmal besucht hatten: Das Steinheuers – Zur Alten Post in Heppingen, nahe bei Bad Neuenahr.

Der aktuelle Küchenchef, Christian Binder, ist der Schwiegersohn des Patrons des Lokals Hans Stefan Steinheuer, einem der großen Namen der deutschen Gourmet-Szene. Das Restaurant wird seit 1986 vom Guide Michelin ausgezeichnet und wird regelmäßig zu den besten Restaurants Deutschlands gezählt.

Im Restaurant selber wurden wir freundlich vom überraschend jungen Personal in Empfang genommen und zu unserem Tisch begleitet. Dort gab es dann auch relativ schnell nach unserer gewohnt einfachen Wahl („Ja, wir nehmen das Menu und die Weinbegleitung. Nein, wir haben keine Allergien.“) die Appetizer zu unserem Aperitif (Sekt von Meyer-Näkel): Rechts Matjesmousse mit Gurke und Zwiebeln, oben ein Parmesanchip mit Sardine und links eine knusprige Schweineschwarte mit Bäckchen und Meerrettich.

Alles sehr filigran und ein guter Einstieg in ein Gourmetmenu. Was wir spannend fangen, war das auch hier wieder Matjes mit dabei war, allerdings in einer anderen Form als die letzten 2 Tage. Am Besten hat uns die Schweineschwarte mit den Bäckchen gefallen mit einer sehr passenden Balance zwischen dem Fleisch und dem Meerrettich. Dann noch die krosse Schwarte. Sehr gut.

Weiter ging es mit dem ersten Gang: Nordseekrabben mit Dill und Eibrot. Eibrot wörtlich genommen.

Das Brot bestand aus Ei. Die Krabben waren ok, wenn auch nicht so das Highlight.

Da wurde der zweite Gang schon eher was, zumindest für Jens: Gänseleber mit Olive und Madeira.

Dazu gab es halt auch einen Madeira zu trinken, der auch auch in der Praline in der Mitte befand. Die Leber gab es einmal gebraten und einmal als Pastete. Dazu schöne Aromen mit der Zuckerstange, den Oliven und dem Käse in der Mitte. Wunderbar.

Meike mag ja Gänseleber nicht so sehr und bekam dafür dann Burrata mit Gurke und Zitrone. Für Meike passend, war der Käse nicht zu kräftig, sodass sie mit ihrer Wahl zufrieden war.

Dann kam aber ein wirkliches Highlight: Hummer mit Kohlrabi-Spaghetti und kleinen Kohlrabi-Taschen mit Kerbel und Quinoa gefülllt. Dazu eine super-kräftige Soße. Der Hummer fest und intensiv im Geschmack. Die Kohlrabi-Spaghetti (super Idee) waren mit der Soße eine spitzen Ergänzung zum Hummer. Und diese kleinen Beutelchen stellten das Tüpfelchen auf dem sprichwörtlichen „i“ dar.

Klasse – ganz großes Tennis.

Weiter ging es klassisch mit einem Wolfsbarsch, Pulpo, Bohnen und Baby Artischoken (Poweraden).

Das mit den Bohnen fühlte sich irgendwie komisch an, aber der Fisch und der Pulpo waren grandios.

Zeitgleich füllte sich das Restaurant auch komplett und witzigerweise saßen am Tisch gegenüber die beiden Herren, die wir gestern im Sanct Peter gesehen hatten. Man prostete sich zu und beglückwünschte sich gegenseitig zum guten Geschmack. Am Ende haben wir auch noch ein freundliches „Bis morgen dann“ gewünscht. Da aber weder die beiden noch wir morgen ein solches Essen auf dem Plan hatten, haben wir uns für das nächste Jahr verabredet.

Ein Wort zu den Gästen: Im Steinheuers, das ist uns auch beim letzten Mal aufgefallen, kann es recht laut werden. Das liegt einerseits an der angenehmen, weil nicht aus distanzierten, Betreuung durch die Kellner und die Sommelièrs (Die Tochter des Patrons ist übrigens die Sommelière hier), andererseits kann es aber auch Gäste geben, die sehr laut sind. Eine solche Gruppe hatten wir auch dabei, das war aber nicht das Problem. Eher war es ein Paar, was es geschafft hat, an jedem Gang und jedem Wein etwas auszusetzen. Hier war das nicht gut, dort fehlte der Geschmackt, dies war zu warm, das andere war wieder zu kalt. Und die Weine gingen auch nicht. Kritik ist ja ok, aber wir finden es schon traurig, wenn man sich nicht einfach mal auf was neues einlassen kann oder nur mal einfach genießen kann.

Wir hatten auf jeden Fall unseren Spaß mit dem Menu bisher. Und der ständige Blick auf den Schnaps-Schrank half auch nicht sich zu mäßigen.

Der folgende Gang wurde von den meisten Gästen ausgelassen bzw. durch etwas anderes ersetzt. Wir probieren ja gerne was aus und so fanden ein Onsen Landei seinen Weg zu unserem Tisch. Jens wollte eigentlich noch klugscheissern, ob das ein Rotenburo (also ein Onsen draußen) war und ob es im männlichen oder weiblichen Teil reingelegt wurde, wurde von Meike aber zurückgehalten.

Mit dabei war Herzbries, Babyspinat, kross gebackene Morcheln und Nussbutterschaum.

Experimentell? Sicherlich! Lecker? Auf jeden Fall, obwohl das Bries mit dem Ei und dem Butterschaum irgendwie nicht zum Spinat passten für uns. Aber genau solche Gerichte sind der Grund, warum wir in solchen Restaurants essen: Hohe Kreativität auf dem Teller mit beeindruckenden handwerklichen Fähigkeiten gemischt.

Oh und dann gab es noch einen Hauptgang: Rehrücken mit Pfifferlingen, Spitzkohl, Mispeln und Quarkknödel.

Das Fleisch war der Hammer. Der Quarkknödel war irgendwie fehl am Platze, schmeckte für sich aber auch sehr gut. Sauber, wunderbare Verarbeitung von sehr guten Produkten und ein würdiges Gericht für so ein Menu.

Als Abschluss hat sich Jens eigentlich schon auf den Käsewagen gefreut, denn normalerweise wird zum Käsegang ein gefühlt 2 Tonnen schwerer, hölzener Käsewagen an den Tisch gerollert und man kann sich unter den 100 Käse dann was aussuchen. Heute in Corona-Zeiten scheint das nicht zu gehen, also kam der Käse nach einer kleinen Abfrage, was man denn wolle, an den Tisch.

Leider ohne irgendeine Erklärung oder so – das teilweise recht junge Personal hatte hier ein paar Schwächen in der Gästebetreuung. Die etwas erfahreneren Kollegen waren dagegen gewohnt herzlich und man konnte mit ihnen auch scherzen und so einen angenehmen Abend verbringen.

Meike hat kein Käse genommen, daher bekam sie eine falsche Erdbeere mit Orange und Basilikum – eine klassische Kombination in der Patissierie.

Dann war das Essen auch schon vorbei (nach 3 Stunden) und es gab noch etwas süßes zum Abschluss. Jens bestellte auch noch einen Digestiv und wählte zielsicher zwei Armagnacs aus, die nicht mehr da waren. Treffer. Der dritte war dann aber noch vorrätig und konnte eingeschenkt werden.

Satt und zufrieden wurde dann ein Taxi zurück nach Ahrweiler geordert und nach einer recht langen Wartezeit ging es dann auch wieder zurück ins Hotel. Gefahren von dem gleichen Taxifahrer wie tags zuvor (Das Ahrtal ist halt nicht so groß).

Ein wunderbarer Abend und der erhoffte Abschluss unserer Gourmetreise.

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