Plan vs. Realität

Für den zweiten Tag in Sapporo hatten wir ja eigentlich Otaru vorgesehen. Was aber, aufgrund der Tatsache, dass Jens Rucksack vom Flughafen direkt dort hingefahren ist, am ersten Tag bereits erledigt wurde (bei schönstem Sonnenschein).

Also: Dann machen wir doch das, was wir am ersten Tag machen wollten, einfach am zweiten Tag.

Die Idee war mit dem Streetcar von Sapporo zum Mount Moiwa zu fahren, einem Berg, von dem man aus einen schönen Blick auf Sapporo hat. In der Nähe ist auch das Olympia-Gelände mit der Sprungschanze und einem Sport-Museum. Beides wäre der Vormittag heute gewesen.

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Streetcar fahren (also Strassenbahn im weitesten Sinne) ist wie Bus fahren in Japan: Hinten einsteigen, Ticket ziehen, beim Aussteigen das zahlen, was auf der Anzeigetafel beim Fahrer hinter der gezogenen Ticket-Nummer steht. Kein Problem, wenn man es weiss.

Nachdem wir bei der Haltestelle in der Nähe des Berges ausgestiegen sind und zu Fuß (der kostenlose Pendelbus zur Talstation war gerade weg) zur Seilbahn rauf auf den Mt. Moriwa gegangen sind, kamen uns doch erste Zweifel.

Erstens sollte die Bahn schon alleine 20 Euro pro Person kosten. Zweitens sagte die Wettervorhersage für den Berg (plus der Blick auf die im Nebel verschwindenen Seile der Bahn), dass der unglaublich beeindruckende Weitblick vom Berg heute nicht so beeindruckend sein würde.

Also haben wir uns spontan umentschieden. Denn (und auch das war ein Grund): In der Bahn nach Otaru gestern haben wir eine Werbung für den hiesigen Fussballverein gesehen: Hokkaido Consadole Sapporo! Und genau dieser Verein sollte heute gegen Sendai spielen. WIe Essen, Bier und Eisenbahn gehört schliesslich auch der Besuch eines Sportereignisses zu unseren „MustDo“-Punkten, daher haben wir gestern noch Karten gekauft und werden heute um 14 Uhr im Sapporo Dome erwartet. Daher waren die Möglichkeiten für weitere Aktivitäten eher dünn gesät und auch aus diesem Grund haben wir uns gesagt: OK, wir gehen nicht auf den Berg, sondern zu einem kleinen Festival in der Stadt.

Rein in die Bahn und zum Odori Park, denn dort hatten wir gestern abend schon Zelte aufgebaut gesehen. Das Fest war das 10. Sapporo Herbstfest. Und was zuerst wie ein kleines, gemütliches Fest ausgesehen hatte entpuppte sich als 3 Wochen langes, mit über 200 Verkaufsständen bestücktes Riesen-Fest!

Wir stiegen an einer Haltestelle des Streetcars aus und gingen auf den ersten Teil des Festes – passenderweise dem „Ausländer-Abschnitt“.

Natürlich stand dort ein bayrischer Festbaum. Auch wenn die zu erstehenden Nahrungsmittel aus Brasilien, Amerika oder Spanien kamen … zubereitet von echt netten Japanern.

Im Ernst: Hier waren die nicht-japanischen Restaurants von Sapporo vertreten. Haben wir schon erwähnt, dass Sapporo eine unglaubliche Restaurant-Szene hat?

Dieser Teilabschnitt des Festes, bestehend aus etwa 20 Essens-Ständen, war ungefähr ein 20-tel des gesamtesn Herbst-Festes. Mit jeder Kreuzung die wir überquerten, waren wie überforderter und beeindruckter zugleich.

Und überall konnte man was leckeres Essen. Was wir auch taten (sch**ss was auf das Frühstück) …

Unglaublich. Wenn es so ein Festival (lt. Broschüre über 400 Essensstände für 3 Wochen) in Köln gäbe, wir würden vermutlich am Ende des Festes reif für eine Fastenkur sein. Leckeres, skurriles und auch mehrere ganze Stand-Blöcke mit lokalem Essen – beeindruckend!

Und um zu zeigen wie satt wir waren, als wir hier ankamen: Wir sind hier einfach vorbei gegangen!

Selten war die Misachtung eines Plans so lecker. Glücklicherweise mussten wir so langsam in Richtung Stadion / Dome gehen beziehungsweise fahren.

Wir habe dabei ungefähr 2/3-tel des Festes überhaupt gesehen. Geschweige denn das probiert, was wir hätten probieren würden (die Größe eines Magens ist endlich).

Super Stimmung, Musik überall, nette Leute (die sich freuten, wenn Langnasen ihr Essen schätzen und probieren) – einfach klasse, wenn man sich nicht an den Plan hält … 😉

Ein Kommentar zu “Plan vs. Realität

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