Essen in „The Misson“

Nach dem gestrigen, etwas ruhigeren, Tag stand heute eine vorgebuchte Aktivität auf dem Plan: Eine Food-Tour!

Gebucht hatten wir eine Tour durch den Stadtteil „Misson District“ oder auch oft nur „The Misson“ genannt. Dieser Stadtteil ist einer der ältesten noch erhaltenen Stadtteile von San Francisco und ist heute vorwiegend von lateinamerikanischen Einwanderern und Leuten mit Wurzeln aus dieser Region bewohnt. Und soll einen ganz eigenen Flair haben.

Treffpunkt was ein Restaurant an einer Ecke, wo auch eine BART-Station sein sollte. Von uns aus fuhr ein Bus direkt dorthin, da wir allerdings unsere Clipper-Cards aufladen wollten (uns das geht nur beispielsweise an den Automaten an einer BART-Station), sind wir was früher dort angekommen.

Nachdem das mit dem Aufladen schnell geklappt hat, ein kleiner Blick auf den Treffpunkt.

Ja, ein kombinierter Laden, der chinesisches Essen und Donuts anbietet. Strange …

Wir sind die Wartezeit lieber nebenan in ein Cafe gegangen, denn dort gab es einerseits halt Kaffee und andererseits hörte man Fussballgeräusche.

Genau: Peru gegen Dänemark wurde übertragen. Sehr gut!

Wir sind übrigens etwa 30 Sekunden, nachdem wir uns hingesetzt haben, gefragt worden, ob wir Dänen seien. Nachdem wir dem Inhaber (er hatte uns gefragt) gesagt haben, wo wir herkommen, sprach er etwas Deutsch. Er kommt aus Palästina und hat eine Lutheranerschule besucht. Und er hat Fussball gespielt, wobei seine Mannschaft vom FC Bayern unterstützt wurde. Sogar Karl-Heinz Rumenigge hat er getroffen. Witzig, wen man so alles trifft …

Dann war es aber Zeit für die Food Tour. Vor dem chinesischen Donut-Laden wartete schon eine Menge von Menschen und relativ pünktlich stand auch Chris, unser Guide vor uns. Und bat uns auf die andere Strassenseite.

Chris Milano hat College Football gespielt und 7 Jahre lang bei NFL Teams im Bereich Marketing gearbeitet. Bis er keinen Bock auf die Diven (seine Worte) mehr hatte und sich der Branche angeschossen hat, in der seine italienischen Eltern arbeiten: Der Gastronomie.

Nach einem Studium und einer Ausbildug zum Koch, sowie einiger Auftritte im Fernsehen (einige Geschichten hat er erzählt) hat er nun diese Food Tours, weil es ihm einfach Spass macht, Leuten die Restaurants, die Läden und die Geschichten selbiger zu erzählen. Teilweise waren wir heute in Geschäften, die seit 50 – 70 Jahren schon hier sind. Teilweise von den gleichen Inhabern.

Der Treffpunkt ist übrigens ein Witz, denn dort isst man nix. Vielmehr geht es gleich zu einer Bäckerei um die Ecke, die von einem Mister King geführt wird und das seit 40 Jahren.

Mister King ist übrigens Chinese und führt die beste lateinamerikanische Bäckerei in San Francisco. Eines von vielen Beispielen, wie die Kulturen hier miteinander veschmelzen. Hier gab es frische Brote, ein Kokosnussbrötchen und eine Art Kuchen.

Die französischen Brötchen kosten übrigens etwa 20 Eurocent pro Stück. Was er nur anbieten kann, weil er keine Miete zahlt – eine Tatsache, die für viele Gastronomen hier gilt: Wer seinen Laden besitzt, spart an der Miete und kann günstiger anbieten.

Weiter ging es in das Herz vom Mission District. Und von Schritt zu Schritt merkte man, dass alles irgendwie … lateinamerikanischer wird.

Nächster Halt war eine Fleischerei. Eine besondere, denn der Inhaber arbeitet seit 55 Jahren hier und ist 75 Jahre alt. Und er könnte jetzt Millionär sein, wenn er nicht bereitwillig einem der größten Fleischkonzerne der Welt das Geheimnis seiner Cuts (also Schnitte) verraten hätte, die das heute als „Flap-Cut“ weltweit verkaufen.

Er selber nimmt es mit Humor und sein Laden, auch wenn es von außen recht kaputt und heruntergekommen aussieht, ist wirklich besonders. Nicht nur von dem Essen, was man hier kaufen kann.

Ich meine: In welcher Metzgerei kann man so eine Tequilla-Auswahl finden?

Grandioses Fleisch in einem Taco. Und für diejenigen, die die Tour mit Chris auch machen: Wenn der was von „scharf“ sagt, dann meint der das so!

In der Nähe von der Metzgerei findet man auch das, wofür Mission eigentlich berühmt ist, nämlich die Wandmalereien.

Chris wusste auch hier viel über die Gemälde und konnte über einige was erzählen. Oft brauchen diese Bilder Jahre, um fertig zu werden. Und sie erzählen die Geschichte des Malers oder der Malerin.

In diesem Bild wird Chris noch eingefügt, das hat ihm die Künstlerin versprochen. Es lohnt sich auch auf die Details zu achten, denn dort sind witzige, traurige oder auch kritische Dinge versteckt.

Auch ein vermutlich echter Banksy ist hier.

Der Inhaber des Hauses wollte den übrigens zuerst übermalen, hat das aber, nachdem er gehört hat, was das mit dem Wert seines Hauses macht, überdacht.

Weiter ging es mit zwei Läden, die quasi nebeneinander liegen und ähnliche Produkte anbieten. Und zwei Brüdern gehören, die im Dauerstreit liegen, wer das beste „Chicharron“ anbietet.

Chicharron sind Teigfladen mit Füllung, wobei der Teig durch Kaktus oder andere Dinge auch andere Geschmäcker annehmen kann. Chris bestellte mit uns beide Produkte und wir verkosteten diese vor Ort.

Schön war auch, dass wir fast überall Fussball gucken konnten … zusammen mit den Angestellten und den Einheimischen.

Weiter ging es, auch wenn einige jetzt schon erste Auflösungserscheinungen zeigten. Auch während dieser Tour haben wir uns übrigens wieder sehr nett mit den Mitreisenden unterhalten und nette Gespräche geführt. Unter anderem mit einer Dame aus Ingolstadt und ihrem Mann, der als Soldat dort stationiert war. Jetzt leben beide in Florida und waren auch zu Besuch in San Francisco.

Nächster Halt war einer der beliebtesten „After Drink Spots“ in San Francisco. Am Wochenende so gegen 2-3 Uhr morgens wartet man hier eine Stunde auf sein Essen. Bei uns ging es etwas schneller.

Saulecker! Und wer jetzt noch nicht genug hatte, wurde von Chris noch mit 3 mexikanischen Süßspeisen versorgt.

Am Besten war das Ding oben rechts (süß und mit Marmelade) und schlecht war unten (Sehr dicht und lag schwer im Magen).

So gestärkt ging es noch auf eine Art „Kultur-Trip“ in einen Supermarkt, wo Chris und noch diverse spezielle Artikel zeigte. Zum Beispiel: Mango mit Chili ummantelt. Wer das probieren möchte, wir haben zwei davon zu Hause (Stand 24.06.2018).

Ansonsten gab es auch hier noch ein paar Anekdoten, z.B. wie Chris bei einer TV Koch Show beim FoodChannel auftrat und sein gesamtes Equipment dabei hatte. Was total bekloppt war, denn die hatten natürlich alles, was man brauchte. Bis auf diese spezielle Pfanne, um Tortillas zu machen.

Und, als altes Marketing-Pferd eines NFL Teams, wusste er auch, wie man die Massen zufrieden stellen kann. Nämlich mit der Verlosung genau dieser Pfanne.

Jeder bekam ein Los und wer auf dem Weg ein bestimmtes Rätsel gelöst hat, bekam zwei. Und wer hätte es geglaubt: Meike hat was gewonnen!

Glücklicherweise nicht die Pfanne, die hätte die Gewichtslimits beim Rückflug gesprengt. Stattdessen haben wir (auch Ergebnis einer Geschichte von Chris) ein Haargel aus Mexiko gewonnen, was den schönen Namen „Moco de gorilla“. Übersetzt: „Gorilla Schnodder“ …

Trotzdem danke für die schöne Tour und wer in der Nähe ist: Diese Tour lohnt sich echt. Auch wenn man nix gewinnt … 😉

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