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Kultur, Schnapps und Essen

Oder auch: Das Rijksmuseum, das House of Bols und ein Foodcourt. Aka unser Nachmittags- und Abendprogramm am Samstag. Vorsicht: Viele Bilder!

Heute hatten wir nämlich noch vor, eines der berühmtesten Museum der Welt zu besuchen: Das Rijksmuseum. Schon von außen schön anzusehen.

Es war vermutlich eine gute Idee, das Museum nicht an einem Samstag oder generell in der Hauptsaison zu besuchen. Pro Jahr besuchen knapp 2.5 Millionen Besucher dieses Museum, was es zu einem der meistbesuchtesten Museen der Welt macht.

2013 wurde das Museum wieder nach einem Umbau für knapp 400 Millionen Euro neu eröffnet. Der komplette Eingang wurde umgestaltet und die Räume neu gestaltet. Außerdem gibt es jetzt Platz für Sonderausstellungen – passenderweise zum Zeitpunkt unseres Besuches war dies eine über japanische Kleidung.

Der Hauptteil des Museums sind allerdings seine über 1 Million Objekte, von denen etwa 8.000 ausgestellt werden. Darunter weltberühmte Meisterstücke von Rembrandt, Hals oder Vermeer.

Generell ist das Gebäude auf mehreren Ebenen immer als Rundgang angelegt. In den schön gestalteten und recht geräumigen Gängen war es bei unserem Besuch auch meistens nicht wirklich voll.

Und so konnte man sich mit den sehr detailreichen Bildern aus dem 17. und 18. Jahrhundert beschäftigen.

Die meisten Besucher kennen das Rijksmuseum in Amsterdam (es gibt nämlich mehrere in den Niederlanden) allerdings dann doch wegen diesem Bild hier: Die Nachtwache von Rembrandt.

Die Nachtwache, gemalt 1642 für die Amsterdamer Büchsenschützengilde, gilt nicht nur als Teil des nationalen Kulturerbes der Niederlande, sondern ist auch eines der bekanntesten Gemälde der Welt. Und daher wurde und wird es auch wie kein zweites ständig untersucht, analysiert, vermessen und geprüft. Hier im Bild ist eine Analyse der Auswirkungen der Umgebungsluft auf die Farbpigmente zu sehen, die für 2 Jahre läuft.

Nicht nur deswegen kam man an das Gemältd nur bis auf 2-3 Meter ran. Was aber, da gefühlte 10 Gruppen mit einem Guide da herumstanden, nicht schlimm war (Gratis Erklärung).

Mehr Details zum Beispiel in Wikipedia.

Die Meisterwerke werden alle im Zentrum des Gebäudes ausgestellt – ein angemessener Rahmen für das kulturelle Erbe des Landes.

Wir fanden es auch interessant, die anderen Gemälde und nicht nur die „großen Meister und ihre wichtigsten Werke“ zu begutachten.

Mit dem Ansatz kann man natürlich mehrere Tage im Museum verbringen. So viel Zeit hatten wir dann doch nicht, also stromerten wir durch die Gänge und jeder blieb da stehen, wo was interessantes zu sehen war.

Neben den Gemälden gibt es auch andere ausgestellte Objekt, wie zum Beispiel diese Werke aus Delfter Porzellan.

Die Niederländer haben diese Kunst als Alternative zum chinesischen Porzellan entwickelt, durch die Massenproduktion aus England im 18. Jahrhundert ging die Produktionsmengen allerdings zurück. Das Delfter Blau ist eine typische, in den Porzellan verwendete Farbe.

Auch finden sich viele Gegenstände aus der niederländischen Kolonialzeit. Woran man sehen konnte, wie reich das Land damals durch den Handel und seine Kolonien geworden ist.

Keine Ahnung, was so ein Tisch heute kosten würde.

Oder dieser Schrank.

Ein oft vernachlässigter Teil in solchen Museen: Bilder mit Esel!

Dieses Bild vom Strand von Scheveningen ist Teil der Ausstellung zeitgenössischer Künstler, die auch recht aktuelle Bilder malen. Sehr spannend und teilweise so detailgetreu, dass man sie auf einer gewissen Entfernung nicht von einem Foto unterscheiden kann.

Eben diese Vielfältigkeit macht das Rijksmuseum zu einem wirklich interessanten Museum. Kleine Bilder wechseln sich ab mit … nun ja: Sowas hier:

Die Schlacht von Waterloo, 1824 von Jan Willem Pieneman gemalt. Wie man auf die Idee kommen kann, ein so detailreiches Bild zu malen, ist schwer zu begreifen.

Erst recht bei einem Bild von 5,6 Metern mal 8,2 Metern!

Die gesamte (!) Sammlung ist übrigens im Internet verfügbar (Beispiel von obigem Bild) – eine Quelle unglaublich vieler Informationen. Uns war es dann doch nach 2 1/2 Stunden genug Infos, also gingen wir wieder raus.

Einen richtigen Plan hatten wir nicht, nur so ein paar … Ideen. Eine davon war das „House of Bols“, was in der Nähe sein sol … oh, schon da?

Das „House of Bols“ ist ein Firmenmuseum der Forma „Bols“, Hersteller des gleichnamigen Genevers. 1575 von Lucas Bols gegründet gilt es als eine der ältesten immer noch aktiven Destillen der Welt (sie selber sagen natürlich „die Älteste“, weil das besser in der Werbung aussieht).

Well, why not?

Am Eingang nett von einem Angestellten die Eintrittstickets und eine Probe einer Bols-Variante (aktuell gibt es 38 von „Natur“ über Kokosnuss, Grüner Tee bis zu „Prinzenkirsche“). Dabei wurde so viel gelacht, dass wir gedacht haben, dass die Kräuter nicht nur in den Genever gehen …

Im Museum selber wird man durch die Firmengeschichte sowie durch den Prozess des Likörbrennens / Ginherstellung (Genever / Jenever ist eine Art Gin) geführt. Dabei kann man allerlei ausprobieren und riechen / fühlen / schmecken. Ja auch schmecken, denn an einer Stelle soll man in eine Kabine gehen und unter Anleitung die am Empfang erhaltene Bols-Probe tasten. Dabei bekomme man visuell und olfaktorisch viel Unterstützung, was angeblich dem Genuss dienen soll. Vermutlich ist es eher schlecht, wenn man die kleine Flasche in einem Schluck austrinkt.

Apropos „Austrinken“: Bols gibt es oft auch in diesen kleinen Porzellan-Häusern. Und die haben für Flugreisen eine Bedeutung.

In der Business Class von KLM bekommt jeder Gast auf den Langstrecken seit 1950 zum Abschied ein solches Haus mit Bols. Jedes Jahr am 7. Oktober, dem Gründungsdatum von KLM, wird inzwischend ein neues Haus präsentiert. Zum Haus gibt es dann auch die Geschichte des Hauses, Haus Nummer 100 war zum Beispiel „De Witte Os“ in Frisland, was der Ursprung des Lebensmittelhändlers „Erbert Douwe“ und sein heutigen Konzern war.

Diese kleine Informationen machten das tatsächlich zu einem sehr spannenden Museumsbesuch!

In einer weiteren Abteilung konnte man sich daran versuchen, die verschiedenen Gerüche zu ermitteln. Wir hatten so etwa 80% richtig, aber wer bitte schön kann auch „Schwarwälder Kirsch“ von „Maraschino“ und „Prinzenkirsche“ unterscheiden …

Die aktuelle Werbung kann man sich hier anschauen. Falls in der Zeit (26. Januar 2020, so etwa um 17 Uhr) das Internet aus war: Das waren wir!

Am Ende der Tour hat man zwei Optionen: An einem Cocktail-Kurs teilnehmen oder sich von einem Automaten einen Cocktail empfehlen lassen und diesen dann genießen.

Gelernt hatten wir heute schon genug, also ab zum Automaten.

Und der nette Barkeeper, der sogar gut Deutsch sprach, mixte uns gekonnte unsere beiden Bols-Cocktails.

Sehr cool und wer Cocktails mag: Wärmstens empfohlen!

Danach stellte sich, welch Überraschung, Hunger ein. Und Amsterdam hat seit ein paar Jahren etwas, was wir in Asien und Südeuropa eher kennengelernt haben: Foodcourts! Also nicht die übliche Variante mit McDonalds und KFC, sondern gutes Essen!

Mit der Tram kamen wir dann auch schnell vom Museumplein zu den Foodhallen in Amsterdam Oud-West.

Am Eingang gab es noch ein paar sich schnell leerende Stände mit Gedöns.

Uninteressant für uns, denn wir haben Hunger!

Leider haben wir aus unerfindlichen Gründen keine Bilder von der Foodhalle selber, aber wie in Südeuropa oder Frankreich (in Berlin gibt es jetzt die ersten Hipster-infizierten Varianten davon) ist das eine ehemalige Industriehalle, wo kleine, sehr spezialisierte Essensstände sind, die jeder eine bestimmte Küche anbiete.

Craftbeer gibt es hier natürlich auch und gar nicht mal wenig.

Wir hatten Hunger und so leer wie es draußen war, so voll war es in der Halle selber. Unser Prinzip war: Wir suchen uns einen Platz und einer läuft dann herum und jagt Essen.

Glücklicherweise war direkt nebenan ein Laden mit nord-spanischen Tapas.

Uns das war sensationell gut! Tintenfisch, Gemüse, Oliven und Baguettes mit Fisch, Oliven und Olivenöl.

Beim Schreiben fange ich schon wieder an Hunger zu bekommen.

Dann ging es weiter. Und ja, wir haben es ein wenig übertrieben.

Koreanische Mandu (Teigtaschen).

Fleischbällchen / Bitterballen mit indischem Dressing und Senf.

Bauchspeck und Schaschlik. Mit grandiosem Brot.

Und Nachtisch: Kleine Tarte und ein Himbeer-Brownie.

Und wir waren stolz, dass wir nicht noch mehr davon gekauft haben – Auswahl wäre gewesen.

Für einen Sonntag Abend war da sau viel los. Auch hier würden wir wieder herkommen, wenn wir wieder in Amsterdam wären.

Danach ging es, da wir noch Zeit hatten, zu einer Craftbeer Bar, wo man mit der Tram direkt hinfahren konnte.

Das hat übrigens sehr gut geklappt: Die Trams fahren relativ häufig (zumindest auf den Hauptstrecke), sind sauber und sicher. Und mit der Zeitkarte kann man auch kurze Strecken schnell fahren.

Auf dem Weg übrigens eine kleine Brauerei, die uns mit ihrer Plörre in Japan während des Rugby World Cups genervt hat. Booooooooooooohhhhhhh!

Von der letzten Bar haben wir keine Fotos, dafür von diesem Karnevalsladen nebenan.

Aber in der Bar haben wir noch das eine oder andere Bier probiert – für uns ist es immer wieder überraschend, wie groß doch die Bier-Vielfalt in den Niederlanden ist.

Und irgendwann war dann doch Zeit fürs Bettchen, also ging es mit Tram und Metro wieder zurück ins Hotel.

Und ein sehr ereignisreicher Tag endete.

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