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Nürnberg und das DB Museum

Heute stand der Weg von Nürnberg nach Bamberg auf dem Programm. Da diese Strecke mit dem Auto nur knapp eine Stunde dauern würde und wir in unser Hotel in Bamberg erst um 15 Uhr beziehen konnten, hatten wir also viel Zeit zur Verfügung. Zeit, die Jens die Möglichkeit brachte, einem viel zu kurz gekommenes Hobby auch im Urlaub zu frönen.

Nein, nicht der Handwerkerhof in Nürnberg, einer 1971 angelegten touristischen Attraktion mit typischen Nürnbergern Spezialitäten und Kunsthandwerk.

Nein, der Weg führte an der Stadtmauer entlang und …

… zum Verkehrsmuseum Nürnberg. Kein Urlaub ohne eine satte Portion Eisenbahn. Plus bei dem wankelmütigen Wetter war eine Innenausstellung schon nicht so verkehrt.

Das Verkehrsmuseum beherbergt das Museum der deutschen Bahn, welches auch zwei Außenstellen hat: In Koblenz und Halle (Saale). Hier in Nürnberg liegt allerdings die Zentrale und dies an einer Stelle, wo bereits 1899 das königlich Bayrische Eisenbahnmuseum eröffnet wurde. Das Museum ist somit eines der ältesten technikgeschichtlichen Museen Europas.

Das Museum hatte der aktuellen Situation mit Covid angemessen einige Einschränkungen, gerade was das Anfassen von Gegenständen angeht. Dennoch, soviel vorweg, ein sehr spannendes Museum. Nicht nur für Eisenbahn-Nerds.

Die ständige Ausstellung beginnt mit den Beginnen der Eisenbahn in England und Deutschland mit dem Adler, der Lokomotive der ersten Eisenbahn in Deutschland, welche am 7. Dezember 1835 zwischen Nürnberg und Fürth fuhr.

Neben vielen Dokumenten aus der damaligen Zeit hat die Ausstellung auch das älteste erhaltene deutsche Eisenbahnfahrzeit mti dem Wagen Nummer 8 der Bayrischen Ludwigsbahn von 1835.

Der Adler, der in einer großen Wagenhalle steht, wurde 2007 nachgebaut, ist allerdings betriebsfähig. Daneben ein MockUp eines ICE 3.

Hier konnte man im Einbahnstraßen-System (wegen Covid-19) noch weitere alte Waggons und Lokomotiven sehen, so zum Beispiel den ältesten erhaltenen Güterwaggon von 1870. Daneben auch einige Dampflokomotiven.

Ebenfalls prächtig anzuschauen: Der Hofzug des Märchenkönigs Ludwig II. von 1860 bzw. 1865.

Inklusive dem Thron seiner Majestät.

Im unteren Geschoss ging es dann weiter über die Zeit der großen Eisenbahnreisen mit ihren legendären Zügen wie dem Rheingold

… bis in die unsägliche Zeit des Nationalsozialismus. Welcher am Anfang vor allem mit pompösen beziehungsweise größenwahnsinnigen Projekten wie dem Breitspurbahnnetz, welches nach Wünschen von Adolf H aus Braunau nach dem 2. Weltkrieg das großdeutsche Reich verbinden sollte. Mit Strecken von Persien und Indien bis Paris, viergleisig mit der Spurweite 3 Meter (aktuell fahren wir in Deutschland auf 1435mm, wie 87% aller Strecken in Europa) und zweistöckigen Wagons, welche unter anderem mit einem Kinowagen mit 196 Plätzen.

Der Mitschuld bzw. der Mithilfe der militärisch organisierten Reichsbahn am Holocaust wurde ebenfalls eine angenehm dezent ausgestattete aber um so eindrucksvoller wirkende Ecke gewidmet.

Mit der Trennung in Bundesrepublik und DDR geht es in die 2 Etage des Museums. Dieser Teil wurde die letzten Jahre neu gestaltet.

Dabei wurden die verschiedenen Staaten miteinander verglichen. An vielen Stellen war es schon spannend zu sehen, wie zu beiden Seiten der Mauer ähnliche Techniken, Verfahren oder Ansätze mehr oder weniger gleichzeitig entwickelt wurden. Als Beispiel hier der die DB Baureihe VT 11.5 (Baureihe 601), welche im TransEuropaExpress (TEE) eingesetzt wurde und so klingende Namen wie Parsifal, Diamant oder auch Rheingold trugen. Auf der anderen Seite die DR Baureihe VT 18.16 (Baureihe 175), welche auf Seiten der Reichsbahn im internationalen Verkehr nach Skandinavien, Österreich oder die CSSR eingesetzt wurden.

Aber auch skurill anmutende Dinge konnte man bewundern, wie dieses Modell eines ganz besonderen Speisewagens: Einem „Quick-Pick“-Waggon aus dem InterCity-Verkehr.

In diesen Prototypen wollte die Bundesbahn zwischen 1979 und 1987 dem „Fast Food“ Trend Tribut zollen, denn hier konnte man Fertiggerichte kaufen und in den bereitstehenden Mikrowellen selber erwärmen. Nach Protesten und generell geringem Erfolg wurden die drei beschafften Waggons zu „normalen“ Speisewagen umgebaut.

Neben der Standard-Ausstellung gab es auch 3 (Sonder-)ausstellungen, die wir natürlich auch besucht haben. Die erste beschäftigt sich mit „Bahnhofszeiten“ und zeigt, wie Bahnhöfe Teil des öffentlichen Lebens waren und immer noch sind.

Von Wartesälen und Bahnhofsrestaurants bis zu den heutigen Einkaufszentren gab es hier viele Geschichten zum Wandel des Bahnhofs in der Gesellschaft.

Aber auch alte Ausstellungsstücke hatten ihren Reiz, so zum Beispiel dieser Fahrkartenschrank für die in den 80er Jahren immer noch verbreiteten Edmondsonschen Fahrkarten.

So ein Ding kannte Jens noch aus Dieringhausen. Vorteil dieser kleinen Kartonstreifen zu den handgeschriebenen Fahrkarten, die es davor gab, waren praktischer, denn man konnte an der Karte selber gleich erkennen, was für ein Ticket der Fahrgast hatte (Sonntags-Rückfahrtkarten hatten einen blauen Streifen in der Mitte, Kinderfahrkarten einen weißen Strefen oben, und so weiter).

Auch Kursbücher und Blöcke für handgeschriebene Reiseverbindungsauskünfte kannte Jens noch sehr. So mancher Block hatte er mit nach Hause genommen (bzw. wurde für ihn mit nach Hause gebracht), damit der kleine Eisenbahn-Fan sich zu einem großen entwickeln konnte.

Die vergleichende Ausstellung endete mit der deutschen Einheit und ab nun waren die verschiedenen Projekte zur Vereinigung der beiden deutschen Streckennetze sowie die Modernisierung das Thema der Ausstellung.

Zwischendurch die zweite Sonderausstellung: „Geheimsache Bahn“. Gerade im Grenzverkehr als es noch kein geeintes Europa gab (unvorstellbar heutzutage das man mal zwischen Deutschland und den Niederlanden kontrolliert wurde), waren Verstecke zum Schmuggeln begeht. Der BND, so stand es an diesem Seifenspender, bevorzugte genau diesen, da man ihn gut öffnen und verschließen konnte. Und die bröckelige Seife da drin hielt jahrelang, also gab es in der Regel keinen Grund für jemand anderes das Ding zu öffnen.

Als wir in der Neuzeit angekommen waren, ging das Thema der Ausstellung zu den Modelleisenbahnen über. Hier eine Darstellung der verschiedenne Modellbahnen, von Z (1:220) über H0 (1:87) bis hin zur Spurweite II (1:22,5) für Gartenbahnen.

Beeindruckend diese Sammlung von Spur N Waggons und Lokomotiven, die der Würzburger Professor Siegfried Ebel 2003 dem Museum vermacht hat: 1.900 Fahrzeuge!

Auch eine Modellbahn gibt es hier, deren Unterhaltungswert allerdings etwas daran gelitten hat, dass ein Zug immer wieder entgleiste und so die ganze Bahn zum Erliegen brachte. Der Angestellte hinten sah auf jeden Fall nicht fröhlich hinter seiner Maske aus.

Etwas, worauf wir am Anfang nicht so schnell gekommen waren: Das Außengelände des Museums liegt auf der anderen Straßenseite. Und man muss dazu das Museum verlassen und die Straße überqueren. Auf der anderen Seite wird man dann wieder kontrolliert und kann die Fahrzeugsammlung anschauen.

Unter anderem diese sehr schöne Stromlinien-Dampflok 05 001, deren Schwesterlock 05 002 mit 200,4 km/h immer noch die schnellste deutsche Dampflokomotive ist.

Ebenfalls Teil der Ausstellung ist die Baureihe E 19, eine der schnellsten Lokomotiven der Reichsbahn. Um ungewünschte Menschen nicht anzulocken wurden die Hakenkreuze im Emblem entfernt – diese Lok wurde nämlich während der Herrschaft der Nationalsozialisten gebaut.

Auf dem offenen Gelände, gut, dass es nicht regnete, standen noch weitere Ausstellungsstücke herum. Zum Beispiel diese Baureihe E 44.

Das ganze Gelände konnte man gut von einem hölzernen Aussichtspunkt überblicken.

Die noch vorhandenen Waggons und Loks sind allerdings arg dezimiert worden, dann 2005 brannte der Ringlokschuppen des Museum ab. Dabei wurden 19 historische Lokomotiven und Triebwagen zerstört und viele andere beschädigt.

Andere, früher völlig alltägliche, Triebwagen konnte man aber noch anschauen, so diese Baureihe 614, welche in Franken und Niedersachsen zum Einsatz kamen.

Oder diese Baureihe 420, als S-Bahn zu den olympischen Spielen 1972 in München gebaut und daher auch „Olympiatriebwagen“ genannt.

Dieser Waggon wurde vor einiger Zeit von Vandalen besprüht und aus Kostengründen bislang noch nicht gereinigt.

Neben den Zügen konnte man im Außengelände auch zum Beispiel die Entwicklung der Bahnsignale über die letzten 150 Jahre anschauen. In unserem Fall, weil wir nicht aufgepasst haben, rückwärts, denn wir haben beim neuesten Typen angefangen.

So langsam war aber die Luft raus, denn die vielen Eindrücke strengten dann doch an. Außerdem wollten wir das schöne Wetter nutzen und trockenen Fußes noch was Essen gehen. Also sagten wir den Eisenbahnen „Auf Wiedersehen“ und machten uns auf in die Nürnberger Innenstadt.

Danke dem Handy und einigen Apps fanden wir 10 Minuten entfernt ein offenes Restaurant, nämlich die „Historische Brautwurst Küche – Zum Gulden Stern“. Was zufälligerweise, das hatten wir nämlich wirklich vorher nicht gewusst, das älteste Bratwurst-Restaurant der Welt ist – erstmalig 1419 erwähnt.

Und innen sah es wirklich sehr urig aus – auch wenn wir mit einem amerikanischen Touristen-Paar die einzigen Gäste waren. War aber auch etwa 14 Uhr also nicht wirklich Essenszeit.

Meike gönnt sich daher ein paar Nürnberger Rostbratwürstchen mit Kartoffelsalat.

Jens nahm dagegen nur zwei Vorspeisen: Obatzder mit Brot und Stadtwurst mit Musik und Brot. Viel Brot. Und viel Essen.

Die Wurst wird übrigens im Gastraum auf einem Holzkohlegrill gebraten – kommt also frisch und sehr heiß auf den Tisch.

Für uns war das dann aber der letzte Programmpunkt in Nürnberg. Also ging es wieder zurück zum Hotel und dort zum Auto. Und dann ab nach Bamberg.

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