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Zu Fuß durch Stockholm

Der heutige Tag war für ein „wir schauen uns Stockholm mal an“-Spaziergang vorgesehen. Und wie das bei Plänen so ist: Manchmal funktionieren sie auch!

Das Wetter war auf jeden Fall schon einmal so, dass man richtig Lust auf einen ausgiebigen Spaziergang hatte.

Das Frühstück im Hotel wurde im Erdgeschoss in einem sehr großen Speisesaal serviert. Schon etwas merkwürdig in diesen Zeiten in einem doch recht vollen Raum zu sein. Und die teilweise doch oft recht drängelnden Touristen machten es auch nicht angenehmer.

Aber für ein paar Kaffee und Tee sowie ein Brötchen reichte die Geduld dann doch und so ging es auf die Erkundung von Stockholm.

Für den heutigen Tag hatten wir uns im Vorfeld eine Tour rausgesucht, welche man sich auf das Handy runterladen und dann einfach die 24 Sightseeing-Spots nacheinander „abarbeiten“ konnte.

Erster Halt war das Rathaus Stockholms, das Stockholm Stadshus, gleich neben unserem Hotel gelegen.

Das Rathaus wurde 1923 eingeweiht und wurde im Stil der Nationalromatik erbaut und beherbergt den Sitz der Stadtregierung und des Stadtparlaments.

Da zu dem Zeitpunkt die Vorbereitungen für die Verleihung der Nobelpreise in vollem Gange waren, konnte man die Räume im Inneren leider nicht besichtigen.

Wir fanden das nicht so schlimm, denn uns war eh mehr nach Spazieren und das überraschend trockene Wetter lud uns dazu ein.

Über zwei Brücken ging es dann weiter in Richtung des alten Stockholms, Gamla Stan genannt.

Wobei kurz vor der Altstadt noch die kleine Insel Riddarholmen überquert wurde, auf der sich neben einigen Kirchen auch der Birger Jarl Turm zu finden ist.

Dieser wird oft (und fälschlicherweise) als das älteste Gebäude der Stadt bezeichnet, wurde aber 1530 von König Gustav I. erbaut und diente zur Befestigung beziehungsweise der Verteidigung Stockholms.

Riddarholmen gilt als kleine, stille Ecke mitten in der Stadt und genau so stellte es sich auch für uns dar.

Und bei leichtem Sonnenschein und angenehm kühlen Temperaturen machte das echt Spass.

Weiter ging es in die Mitte der kleinen Insel zu einem Platz, an dem man Gebäude aus einer weiteren Epoche anschauen konnte. Hier das Stenbocksche Palais, 1640 im römischen Barock errichtet.

Und auf der anderen Seite des Platzes die zwischen 1280 und 1300 erbaute Riddarholmskyrkan, welche die Gräber des schwedischen Königshauses beheimatet.

Leider konnten wir nicht in die Kirche, trotzdem wir in dem auf dem Platz sehr frisch wehenden Wind bis zur offiziellen Öffnungszeit gewartet haben. Der entsprechende Mensch, der uns die Tür öffnen sollte, kam einfach nicht.

Also machten wir uns weiter in Richtung der eigentlichen Altstadt Stockholms.

Uns gefiel die Stadt hier schon sehr, denn überall waren sehr gut restaurierte Gebäude aus der langen Geschichte der Stadt seit ihrer Gründung in 1252 zu finden. Die Straßen waren aufgeräumt und alles war gut zu finden und nah beieinander. Und Städte mit viel Wasser gefallen uns ja eh in der Regel, Stockholm war mit seinen durch 57 Brücken verbundenen 14 Inseln da natürlich auch gut dabei.

So war es nicht verwunderlich, dass man überall auf fotogene Gebäude stieß, so wie hier das Riddarhuset, welches zwischen 1641 und 1674 der Versammlungssitz des schwedischen Adels war sowie der Sitz des schwedischen Ritterhauses.

Quasi schräg gegenüber ging es dann in die Storkyrkobrinken, eine der Einkaufsstraßen der Altstadt. Auch hier wieder wunderbar erhaltene Gebäude links und rechts. Auch wenn es meistens nur die üblichen Touristenfallen und Kioske waren.

Da wir früh unterwegs waren, hatten wir noch relative Ruhe. Wenn nicht gerade die Müllabfuhr hinter uns herfuhr und hupend an den ganzen Lieferanten für die Shops vorbeifahren wollte.

Aber sehr schön hier. Erinnerte uns etwas an Tallinn, nur irgendwie größer. Man merkt halt, dass in Stockholm 1 Million Einwohner in der Stadt und insgesamt 2 Millionen im Großraum Stockholm leben.

Pluspunkte gab es für die Stadt noch durch diesen Monty Python Laden!

Die Rundtour, der wir folgten, hatte übrigens zu jedem Halt einige Informationen und war sehr angenehm zu folgen. Und neben den Hauptattraktionen fanden sich auch ein paar skurrile Dinge auf dem Programm, so zum Beispiel „Mårten Trotzigs gränd„: Die an der engsten Stelle nur 90 Zentimeter messende, schmalste Straße in Stockholm.

Sagen wir mal so: Gegenverkehr darf es hier nicht geben.

Durch die immer noch angenehm leeren Straßen ging es dann kreuz und quer durch die Altstadt. Vorbei an Shops, Restaurants und Wohnhäusern (an die Miete hier wollten wir nicht mal denken). Aber auch eine Schule gab es hier, wo die Kinder gerade Pause hatten und lauthals diese auch auslebten.

Und überall doch recht alte Gebäude, die aber sehr schön hergerichtet waren. Auch die Kirchen waren …. moment, warum können wir das da lesen?

Oh, die „Tyska kyrkan“, die deutsche Kirche Stockholms. An dieser Stelle stand zuerst das Gildenhaus der deutschen Kaufmannsgilde, diese wurde aber, weil sie zu viel Einfluss bekam, 1544 aufgelöst und aller Besitz gepfändet. An der Stelle wurde dann 1571 erlaubt eine Kirche zu errichten. Die heutige Kirche, auch St. Gertrud genannt, wurde 1643 eröffnet.

Die Namensgeberin, Gertrud von Nivelles, ist übrigens auch die Schutzpatronin der Reisenden. Also sehr passend für uns.

Weiter ging es zum zentral gelegenen Stortorget, einem der am häufigsten fotografierten Plätze der Altstadt. Hier befindet sich auch das Nobelmuseum, wo ebenfalls Vorbereitungen für die Verkündung und Verleihung der verschiedenen Nobelpreise getroffen wurden.

Recht bekannt sind diese Häuser an der Stirnseite des Platzes.

Wobei es auf diesem Platz nicht immer so fröhlich war. 1520 fand hier das Stockholmer Blutbad statt, eine Serie von Hinrichtungen, die König Christian II. bei seiner Krönung durchführen lies. Vor seiner Krönung gab es eine starke Unabhängigkeitsbewegung. In einer Schlacht 1520 besiegte Christian II. die Männer des Anführers dieser Bewegung, Sten Sture. Daraufhin ergaben sich seine restlichen Anhänger und Christian II. versprach allen eine Amnestie und das sie ihren Besitz behalten dürfen.

Als Zeichen dafür organisierte er eine sogenannte „Versöhnungsfeier“ auf genau diesem Platz, was aber in Wahrheit eine Falle war. 55 Personen wurden während der Feierlichkeiten der Ketzerei angeklagt, verurteilt und gleich an Ort und Stelle enthauptet. Auch wurden noch weitere getötet, insgesamt haben wohl 82 Personen den Tod gefunden.

Nach diesem doch eher schaurigen Kapitel der schwedischen Geschichte ging es weiter in die modernere Zeit. Wobei die nicht unbedingt so viel besser ist, was diese Betonsperren mitten in der Fußgängerzone zeigten, welche Attentäter oder andere Verwirrte davon abhalten soll, mit dem Auto Schaden zu verursachen.

Es ging dann weiter zum Schloss von Stockholm. Wobei wir uns zuerst vom gegenüberliegenden Tessinischen Palais angezogen gefühlt haben. Es soll sich hier um eines der prunkvollsten Gebäude des Landes halten – leider konnten wir uns nicht davon überzeugen.

Die am Kopfende des Platzes vor dem Schloss gelegene Storkyrkan konnte eher nicht so überzeugen.

Also gingen wir etwas um die Ecke herum (bewunderten dabei weiterhin die Gebäude) und …

… konnten so das Schloss in seiner vollen Pracht bewundern.

Das Schloss wurde zwischen 1690 und 1750 im Barockstil errichtet. Aktuell kann man nicht so viel davon sehen, da die Fassade erneuert wird. Unter anderem deswegen gab es auch keinen Wachwechsel, den man ansonsten ähnlich wie in anderen Monarchien als touristische Attraktion verkauft.

Aber schön sieht es schon aus und in 2036 sollen auch die Arbeiten an der Fassade fertig sein …

Mal schauen, wie es dann aussieht. Oder ob wir das überhaupt noch erleben.

Wir machten uns weiter in Richtung des Reichstagsgebäude. Ja, auch Stockholm hat eines – nicht nur Berlin …

Das Riksdagshuset wurde zwischen 1897 und 1905 erbaut und liegt auf der Insel Helgeandsholmen, Heiligengeist-Insel. Bei Arbeiten für eine unter dem Gebäude liegende Tiefgarage wurden übrigens sehr viele archäologische Funde entdeckt, die zu einer Verzögerung im Bau führten. Unter anderem mussten dann einige große Gruben gebuddelt werden, die im Volksmund „Reichsgruben“ genannt wurden.

Weiter ging es über den Lilla Värtan in den Stadtteil Normalm, wo wir auf die Jakobskirche stießen.

Hier konnten wir sogar rein, wunderten uns aber direkt mal darüber, dass in der Kirche Tische mit Essen und Kleidung aufgebaut waren. Der Grund dafür: So eine Art „Tafel“, um Menschen in Not, Obdachlose oder einfach arme Menschen zu unterstützen. Wir entschuldigten uns gleich dafür und gingen wieder raus, denn für Touristen war das wahrlich kein passender Ort.

Lieber in den gleich nebenan liegenden Kungsträdgården, den Königsgarten.

Das war eigentlich mal der Schlossgarten, ist aber heute ein sehr stark frequentierter Garten im Besitz der Stadt Stockholm, der zu Erholung und für Veranstaltungen genutzt wird.

Haben wir schon erwähnt, dass wir Städte am Wasser mögen? Nein? Ist aber so!

Was man überall findet: Auto-Prolls.

Warum man sein Auto so wie ein Kupferkessel anmalen muss, keine Ahnung. Immerhin fuhr der Fahrer gesittet und hielt auch fast noch vor dem Haltestrich an der Ampel an …

Warum waren wir an der Ampel? Weil genau hinter uns noch mehr „Bling“ zu findet ist.

Das „Königliche Dramatische Theater“, auch Dramaten genannt, wurde 1788 gegründet und residiert seit 1907 in diesem Gebäude. Hier befinden sich insgesamt 8 Bühnen und viele schwedische Regisseure haben hier gearbeitet. Der Stil der Fassade orientierte sich an der Wiener Sezession und wurde, was ungewöhnlich in Nordeuropa ist, aus Marmor erstellt.

Nächster Halt war der Norrmalmstorg, ein Platz im Stadtteil Norrmalm. Erst einmal unscheinbar, allerdings fand hier zwischen dem 23. bis 28. August 1973 etwas statt, dessen Folgen heute noch im allgemeinen Sprachgebrauch zu finden ist: Das Stockholm-Syndrom.

Der auf Freigang befindliche Jan Erik Olsson wollte hier die Kreditbanken ausrauben, musste aber 4 Geiseln nehmen und verschanzte sich mit ihnen in der Bank. Nach mehreren Tagen sympathisierten die Geisen mit ihren Geiselnehmern und kooperierten sogar bis zu einem gewissen Grad mit ihnen. Die Geiselnahme endete unblutig, der dann verurteilte Olsson kam nach 8 Jahren wieder frei und lebt heute wieder in Schweden.

Unsere Tour neigte sich jetzt langsam ihrem Ende entgegen. Nachdem wir ein paar kleinere Umwege gegangen waren, kamen wir am Heumarkt, Hötorget genannt, raus. Hier gibt es seit dem 17. Jahrhundert Märkte, wobei es heute eher Gemüse, Blumen und Kleidung ist.

Am Kopfende sieht man das blaue Konzerthaus Stockholms, ein 1926 erbautes Gebäude mit knapp 1800 Plätzen.

Unser Weg führte dann aber zum Abschluss, passend ein eher ruhiger Ort: Der Adolf-Friedrich-Kirche.

Alles in allem waren wir knapp 20 Kilometer unterwegs und haben noch viel, viel mehr gesehen als wir hier beschrieben. Die Synagoge, viele kleine Läden, kleine Palais, große Plätze, viele Menschen, einige Brücken und noch vieles mehr.

Stockholm gefällt doch sehr und ist sehr gut zu Fuß erkundbar. Und das war jetzt tatsächlich nur die Innenstadt, was der Rest für uns bereit hält, wird sich noch zeigen.

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