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Restaurant Johanns Waldkirchen

Wenn ein Restaurant im aktuellen Guide Michelin unter anderem mit „sensationelles Preis-Leistungsverhältnis“ tituliert wurde, dann ist das schon von sich aus interessant. Wenn es auch trotzdem bedeutet, dass man viel Geld ausgeben wird.

Uns hat es aber bewogen, unter anderem deswegen von Köln nach Waldkirchen im bayrischen Wald zu fahren, um das mal genauer anzuschauen.

Plus: In der Nähe wollen wir in 2 Tagen eine Wanderung mit Eseln machen, waren also quasi „in der Nähe“. Noch ein Grund halt.

Also rein ins Modehaus und mit dem Aufzug in die oberste Etage, wo wir freundlich empfangen und gleich gefragt wurden „drinnen oder draußen?“. Na klar: Draußen!

Warum „Modehaus“? Weil das Restaurant „Johanns“, dessen Gäste wir heute Abend sein wollten, im obersten Geschoss eines Modehauses residiert. Mehr oder weniger über der Damen-Dessous-Abteilung.

Das mit dem „Draußen sitzen“: Gute Wahl von uns!

Die Terrasse bietet circa 10 -12 Tische und bis auf 2 größere Gruppen (für die eh wenig Platz gewesen wäre) saßen alle Gäste draußen. Bei dem Wetter und Ausblick auch kein Wunder.

Nachdem wir unsere übliche Wahl „das Menu und Weinbegleitung“, diesmal aber mit einer Änderung bei Meike (Käse durch einen weitere süßen Nachtisch ersetzen), geordert wurde, ging es mit der „bayrischen Brotzeit 2020“ als Gruß aus der Küche los.

Die bayrische Brotzeit erinnerte uns an die „kölschen Tapas“ im La Societe in Köln. Nur eben bayrisch. Wir hatten hier eine Röstzwiebeln Consomee als Weißbier.

Radi mit Kren auf einem Salzstein. Sehr filigran und super balanciert mit dem Kren und dem Salz.

Steckerlfisch mit Zitronen-Kartoffel-Käse und etwas Dill drauf.

Und zuletzt ein Kümmel Knäckebrot mit Obatzda.

Klasse, witzig, sehr lokalorientiert und filigran. Genau die Aspekte, die wir bei einigen Berichten aus diesem Restaurant gelesen hatten und die uns dazu bewogen haben, hier zu reservieren. Das macht auf jeden Fall Laune auf mehr.

Danach kam gutes Brot (4 verschiedene Sorten aus einer Bäckerei im Ort, unter anderem ein Laugenbrot und zwei schöne Körnerbrote) sowie zwei verschiedene Butter-Mischungen. Und dazu noch on-top ein Blutwurst-Brot, was uns super geschmeckt hat. So ein wenig wie ein Krapfen gebacken, nur eben mit einer sehr schmackhaften und herzhaften Füllung. Passte super zu unserem Apertif, von dem wir immer noch Reste hatten: Einer Mischung aus weißem Port und Tonic mit Zitrone.

Die Stimmung war jetzt schon sehr gut, was einerseits an dem sehr vielversprechenden Anfang des Menus lag und andererseits an der wunderschönen Aussicht von unserem Platz aus.

Und an den sehr souveränen und netten Bedienungen.

Und dann ging das Menu auch schon mit dem ersten Gang los: Klein geschnittene Ente in einem Entenfond, dazu Salzpflaume, Sauerteig und Sauerrahm sowie Salat. In dem super schmackhaften Fond waren noch Gurken drin, was noch einmal eine spannende Textur und Geschmack ergab.

Sehr starker Anfang.

Und genau so ging es weiter, wieder mit dem oft genannten und sehr interessanten lokalen Bezug: Huchen (also Donaulachs) im brauner Butter mit Zwiebelcreme und Marillen-Soße – darunter ein paar Bohnen.

Leider war die Haut etwas laff, dafür waren die beiden Soßen der Hammer. Die Bohnen haben uns wieder nicht so überzeugt, alles in allem aber auch wieder ein sehr guter Gang. Der Fisch perfekt gegart, glasig und saftig schmeckend.

Weiter im Menu: Ausgelöste Sparerips vom Schwein als Terrine mit Blumenkohl und Birne. Oben rechts in der Ecke eine Blumenkohlcreme mit crossen Quinoa. Und die Speck-Soße war wieder einwandfrei und super lecker.

Hier haben wir dann wieder alle Hemmungen verloren und mit dem Rest des Brotes die Soße aufgesaugt.

Die Aussicht und die Weine taten ihr übriges: Unser Urlaub hatte in der Tat begonnen!

Im Speiseraum waren, außer den Kellnern und Kellnerinnen sowie den zwei größeren Gruppen niemand. Interessant übrigens, dass nur 4 Bedienungen alles einwandfrei abwickelten und dabei noch Zeit für ein Gespräche und den einen oder anderen Spruch hatten. Service einwandfrei können wir da nur sagen.

Dann der Hauptgang: Lamm, einmal gebraten und einmal geschmort, mit Paprika, Aubergine und einem Brioche.

Sehr gutes Lamm, gute Röstaromen am gebratenen Lamm und eine wunderbare Soße dabei. So muss das sein.

Danach trennten sich dann kulinarisch die Wege von Meike und Jens. Jens hatte dann nämlich eine Käseplatte mit einer schönen Bandbreite von Camenbert über Ziegenkäse, Blauschimmel mit Wein bis zu Manchego. Und dazu ein unglaublich passenden Trüffel-Honig.

Meike hatte dagegen als Nachtisch mit weißer Schokolade mit Mango-Salsa und Lhassi-Eis.

Zum Abschluss ging es dann wieder gemeinsam weiter: „Don´t call it Snickers“: Edelbitter-Schokolade mit grösteten Erdnüssen, sehr intensives Malzbrot und Salzkaramell.

Ein würdiger Abschluss eines wirklich sehr beeindruckenden Menus. Was wir dann noch mit einem Digestiv gekrönt haben.

Nicht zuletzt, damit der opulente Schnapps-Wagen rausfahren musste.

Ein wunderbarer Abend und mit 82 Euro für das gesamte Menu auch wahrhaft ein gutes Preis-Leistungsverhältnis. 4 Stunden Unterhaltung, super freundliche Bedienung, super Essen. Sehr zu empfehlen!

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