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Die Stadt ist ziemlich groß, aber etwas finster, die Straßen derselben sind irgendwie irregulär

Dies sagte K.A. Baader in seinem 1797 erschienenen Sammlung von Briefen in „Reisen durch die verschiedenen Gegenden Deutschlands“. Vorab: Er hat Recht und das zeigen wir jetzt in vielen Bildern.

Regensburg hat knapp 150.000 Einwohnern, wurde aufgrund seiner guten Lage an einem Bogen der Donau schon 5000 vor Christus besiedelt. Die Römer gründeten hier im Jahr 179 ein Lager für die römische Armee und damit begann die wechselhafte und spannende Geschichte der Stadt, welche im Jahr 2006 dazu führte, dass die Altstadt zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärt wurde.

Nach einem reichhaltigen (und übrigens vorab aus 3 Optionen ausgewählten, denn es gab kein Buffet) gingen wir erst einmal zur Touristeninformation. Durch überraschend leere Gassen und Straßen der Altstadt von Regensburg. Viel weniger los als gestern.

Schön, dass auch die einzelnen Völker Deutschlands und ihre Dialekte hier berücksichtigt werden …

Mehr Informationen als wie eh schon hatten, gab es aber leider nicht. Also machten wir uns daran einige der bekannten Sehenswürdigkeiten Regensburgs abzuspazieren.

Erster Punkt war die nahe Steinerne Brücke an deren südlichen Portal ein kleines Museum über das UNESCO Weltkulturerbe „Regensburger Altstadt“ zu finden ist. Da sind wir dann auch kurz hinein und haben uns interessante Fakten über Regensburg und seine Geschichte angeschaut.

Gerade der Teil der Stadtgeschichte, der sich mit den Reichstagen beschäftigte, war sehr interessant. Denn durch diese begründete sich ja quasi die Wichtigkeit der Stadt auf Nationaler Ebene.

Dann ging es über die gleich dort beginnende Steinerne Brücke, die neben dem Dom als das Wahrzeichen Regensburgs gilt. Sie wurde 1135 gebaut und ist mutmaßlich die älteste erhaltene Brücke Deutschlands.

Uns hat sie sehr an die Karlsbrücke in Prag erinnert, wenn auch etwas heller und etwas .. weniger los.

Vorteil von der Brücke: Die Sicht auf die Donau bzw. die Altstadt von Regensburg.

Über die Brücke gelangt man in den Stadtteil Stadtamhof, der ebenfalls zum Weltkulturerbe gehört. Früher war dies eine eigene Stadt, heute ein weiterer Stadtteil von Regensburg.

Über eine weitere Brücke gelangten wir dann wieder zurück an den Rand der Altstadt und erblickten dort zuerst ein … Kunstwerk …

… (wer es nicht erkennt: Das ist ein Waller!) und dann einen Biergarten.

Und während der Radtour haben wir ja gelernt: Wenn ein Biergarten auf hat, dann ausnutzen.

In diesem Fall war das aber … nicht so einfach. Denn das Brauhaus gehört zum Haus der Bayrischen Geschichte. Das Museum wurde 2019 eröffnet, ist also sehr, sehr neu. Und fokussiert sich auf die neuere Geschichte des Freistaates Bayern seit Anfang 1800. Für den Teil davor kann man, übrigens kostenlos, einen Film in einem 360° Kino anschauen. Darin wird sehr amüsant die Geschichte der Stadt Regensburg und Bayerns dargestellt – sehr empfehlenswert! Hier ein kleines Video, was zur Eröffnung gezeigt wurde.

Nachdem wir das Video angeschaut hatten (Zitat aus der Szene in der Römerzeit: „Haben wir hier Christen zum Verbrennen?“ – „Bin nicht sicher, muss mal nachschauen …“) ging es erwartungsfroh in die Ausstellung.

Da eben erst letztes Jahr eröffnet, hat man hier ein sehr modernes, sehr interaktives und gutes Museum, was in vielen kleinen Räumen und Schaukästen, chronologisch die Geschichte des Freistaates seit 1800 bis zur Gegenwart. Immer ergänzt durch Zitate, Ausstellungsstücke und kleine amüsante Anekdoten wie die Gegenüberstellung der Ansichten zum Militär von König Ludwig und Otto von Bismarck.

Ergänzt wird die Dauerausstelung durch 8 thematisch gegliederte sogenannte Kulturkabinette ergänzt, beispielsweise zu den bairischen Dialekten oder einer Übersicht zu Festen und Brauchtum in Bayern (die haben viele Feste!).

Oder den berühmten Gebäuden des Freistaates.

Die landestypischen Musik ist natürlich auch Thema hier.

Wie gesagt: Oft wurden Themen mit einer gehörigen Portion Humor gesehen, beispielsweise beim Thema „Eine Corporate Identity auf Bayrisch“.

Und hier und da Bekanntes. Wobei die Augsburger Puppenkiste neben einem Karnevalsanzug von Markus Söder … eher weniger zusammenpasst.

Ein gut aufgebauter Teil beschäftigt sich auch mit der Nazi-Zeit – hier wurden unter anderen die Geschwister Scholl oder der Attentat auf Hitler im Bürgerbräukeller thematisiert aber auch die Mitäufer und die Mentalität aller, die zur Machtergreifung der Nationalsozialisten geführt hat. Hier wird darum gebeten keine Fotos zu machen und daran halten wir uns ja.

Auch die nähere Gegenwart war Thema und so lief man quasi kreuz und quer in die Neuzeit. Über die olympischen Spiele in München mit ausgestellten Originalsitzen.

Auch wird die Frage gestellt „Sind wir immer noch wir?“ – bleibt Bayern bei seiner Identität oder kann man den ganzen Brauchtum in die Moderne bringen.

Eine spannende Frage, die nicht geklärt werden kann – das wird die Zeit zeigen. Am Ausgang war dann noch, quasi als Abschluss, ein Video in Endlosschleife, wo bayrische Prominente über ihr Bundesland sprechen. Zitat von Django Asül beim Thema „Bayrische Küche“: „Also … Ein Bayer wird einem Vegetarier nix tun. Er versteht ihn aber auch nicht.“ 😉

Wir haben das Museum sehr genossen. Und sind dann doch in den oben erwähnte Biergarten/Brauhaus im Museum gegangen. Wir kommen halt nicht aus unserer Haut …

Eine Kleinigkeit zu Essen gab es dann auch: Regensburger Knacker!

Sehr lecker!

So gestärkt ging es dann zum Wahrzeichen Regensburgs: Dem Dom!

Der Regensburger Dom gehört neben dem Kölner Dom zu den bedeutendsten gotischen Kathedralen in Deutschland. Begonnen wurde mit dem Bau 1275 und ab 1450 war der Dom überdacht. Das ging damit etwas schneller als in Köln. Die beiden Domtürme und der Turmhelme wurden aber erst von 1859 bis 1869 gebaut – ein weiterer Turm wurde nicht einmal angefangen.

Fotografieren ist hier ausdrücklich erlaubt, also taten wir das dann auch, während wir herum spazierten und versuchten mit unserem Rest-Latein die Inschriften zu lesen.

Auch vor dem Dom gab es schöne Dinge zu bewundern.

OK, uns stand jetzt der Sinn eher nach einem Sitzplatz – unsere 10 Kilometer hatten wir jetzt schon auf dem Konto. Also suchten wir einen der vielen Biergärten der Stadt auf, die wir uns vorher online gesucht hatten. Dieser spezielle gehört nämlich der Familie Thurn und Taxis und liegt im ehemaligen Schloss der Adelsfamilie.

Schon der Weg dahin zeigte noch das eine oder andere architektonische Schmuckstück der Stadt.

Und dann fanden wir auch den Eingang zum Brauhaus und dem dahinter liegenden Biergarten.

Die Brauerei wurde an die Paulaner Gruppe verkauft, das Bier wird aber immer noch hier gebraut und ausgeschenkt.

War ganz ok das Weißbier. Was nicht ok war, war die Bedienung (langsam, unaufmerksam) – das gibt Abzug in der Bewertung. Und die Biergarten-Musik war auch zu Ende, was … eigentlich gut war. Aber die Stimmung trotzdem nicht so wirklich hob.

Der Gesichtsausdruck kann auch daran liegen, dass die bestellten „Dreierlei Kleinigkeiten“ vom Kellner zu einer veganen umfirmiert wurden. Wollten wir aber nicht – also nochmal bestellen. Und das was dann kam, war zumindest schonmal was besser.

OK, hier wollten wir nicht länger bleiben. Also suchten wir noch nach einem Ziel, bevor unsere Reservierung für das Abendessen ansteht.

Und was interessantes haben wir in der Tat gefunden: Das Kloster St. Jakob.

Diese wird nämlich auch „Schottenkirche“ genannt, denn das Benediktinerkloster wurde ursprünglich von irischen Mönchen gegründet und ab 1800 etwa von schottische Mönchen übernommen. Die Kirche gilt als Highlight der hochromanischer Kirchenarchitektur in Süddeutschland und ist vor allem für ihr Nordportal bekannt, das mit seinem rätselhaften Bildwerk viel Raum für verschiedenen Interpretationen bietet.

Das sogenannte Schottenportal vor dem Meike hier steht zählt zu den bedeutendsten romanischen Baudenkmälern Deutschlands. Über die Bedeutung der rätselhaften Bilderzyklen am Portal gibt es viele Deutungen, von denen jedoch keine als gesichert angesehen werden kann. Sicher kann nur gesagt werden, dass der Zyklus Weltgericht, Himmel und Hölle thematisiert.

Die zwölf Figuren stellen die Ausgestoßenen dar, denen die Aufnahme ins Himmelreich verwehrt bleibt. Die Figuren stehen für von der mittelalterlichen Gesellschaft verachtete und stigmatisierte Personen und Gewerbe wie Kuppler, Verbrecher, Prostituierte, Gaukler, Tänzerinnen, Prasser und Faule.

Apropos „Faule“: Wir machten uns dann auf den Weg zum Abendessen. Und hier zeigte sich leider, dass das Internet auch falsch liegen kann. Wir hatten uns im Vorfeld für das Regensburger Weissbräuhaus entschieden, dessen Bewertungen uns eigentlich sehr hoffnungsfroh stimmten. Die Biere waren ja noch ok, aber das Essen war bestenfalls Standard-Restaurant Essen. Die Vorspeise (Weißwurst Cappachio) war noch spannend, aber über den Rest hüllen wir mal den Mantel des Schweigens.

Und dabei gibt es viele bessere Restaurants in Regensburg. Sowohl von Einstellung …

… als auch Namensgebung her.

Leider der erste kulinarische Fehlgriff in diesem Urlaub. Aber Regensburg ist eine interessante Mischung aus Alt und Neu. Und wenn nicht viele Menschen unterwegs sind, dann macht die Stadt wirklich Spaß!

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