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Traumpfad Nette-Schieferpfad

Mittwoch Nachmittag und wo sind wir? Auf der A3 im Stau – mal wieder.

Die grundsätzliche Idee war, analog dem letzten Wochenende, eine Wanderung. Der Grund warum wir diesmal an einem Mittwoch Nachmittag unterwegs sind ist diesmal ein etwas skurriler: Wir mussten Benzin verfahren! Das Auto musste nämlich Tags darauf in die Werkstatt für eine Rückholaktion und dabei muss der Tank ausgebaut werden. Und dafür sollte so wenig Benzin wie möglich darin enthalten sein. Diese Tatsache, gepaart mit unserer derzeitigen Freude am Wandern, bedeutete: Wir machten uns auf in Richtung Mayen in der Eifel, um dort einen der Traumpfade zu wandern. Und es bedeutete leider auch: 2 Unfälle am Kreuz Heumar und Kreuz Köln-Ost stellten sich in unseren Weg.

Das Radio kündigte schon eine Stunde Verzögerung an, was sich glücklicherweise nicht bewahrheitet hat. Mit ein paar Umwegen durch Deutz kamen wir dann hinter dem Stau wieder auf die A4 und konnten, mehr oder weniger ohne Probleme, in die Eifel gelangen.

Genauer gesagt beginnt der Traumpfad „Nette-Schieferpfad“ den wir heute gehen wollten, in der kleinen Gemeinde Trimbs im Landkreis Mayen-Koblenz. Die Traumpfade sind mehrere Rundwanderwege in diesem Landkreis, welche sich an Rhein, Mosel und Eifel befinden. Vor vielen, vielen Jahren hatten wir unsere erste Wanderung auf einem solchen Traumpfad gemacht und dieser hatte uns gut gefallen, was die Streckenführung und Beschilderung angeht. Und heute sollte es also einer in der Eifel werden.

Der Startpunkt war irgendwo im Ort selber, auf der Internetseite wurde als Parkmöglichkeit der Sportplatz des Dorfes angegeben. Wie wir nachher gesehen haben, als „Ausweich“-Parkplatz.

Das mit dem Sportplatz war wortwörtlich zu verstehen, denn man parkt in der Tat auf dem Sportplatz direkt an der Eckfahne.

Der eigentliche Startpunkt war von hier aus knappe 700 Meter bergab im Tal des Dorfes, wo der kleine Fluss Nette, der Namensgeber des Nettetals, gemütlich plätschert. Und da gingen wir dann, an einem vollen und sehr aktiven Kindergarten vorbei, dann auch hin, nachdem wir unser Wander-Schuhwerk angezogen hatten.

OK, 9,2 Kilometer sollen es heute werden. Spoiler: Es wurden anstrengende Kilometer.

In Corona-Zeiten ist dieser Wanderweg quasi als Einbahnstraße vorgesehen – daran haben wir uns natürlich gehalten. Im Gegensatz zu ein paar anderen.

Der erste Streckenabschnitt führt parallel zur Landstraße, die den kleinen Ort mit einer Brücke überquert und dann weiter zu Autobahn führt.

Nach kurzer Zeit verließen wir aber die doch recht laute Straße und tauchten in den Wald ein. Wo schon bald die ersten Zeugen der bergbaulichen Vergangenheit der Region auftauchten: Hier zum Beispiel der Wasserstollen eines Schiefer-Bergwerks, der 1925 in den Berg getrieben wurde. 2011 wurde der verschüttete Stolleneingang wieder freigelegt und uns beeindruckte der kalte Wind, der aus dem Stollen kam. Es war nämlich doch recht schwül-warm und daher war jede kühlende Abwechslung willkommen.

Nach dem kleinen Intermezzo im Wald ging es stur bergauf, wobei man zur rechten Seite hin immer wieder kleine und schöne Ausblicke ins Nettetal hatte.

In der Mitte des Bildes übrigens der Sportplatz mit unserem Auto.

So etwa 2 Kilometer nach Beginn der Tour kamen auch schon der höchste Punkt der Tour mit 334 Meter über dem Meeresspiegel – auch von hier ein schöner Ausblick in de Eifel. Und ein ordentlicher Weitblick, trotz des etwas diesigen und drückenden Wetters.

Von diesem Punkt aus geht der Weg kurz durch einen kleinen Wald hinab zu einer breiten, geteerten Straße: Der ehemaligen Bahnstrecke Koblenz Lützel nach Mayen Ost. Hier führt heute der Maifeld Radweg entlang, der angesichts der recht ebenen ehemaligen Bahntrasse gut für Familien geeignet ist.

Und für ein kurzes Stück teilt sich der Radweg die Strecke mit dem Traumpfad. Und technisch gesehen ist das ja Eisenbahn-Thema, also: Kein Blog ohne Eisenbahn! 🙂

Als erstes ging der Weg über das 8 Meter hohe und 82 Meter lange Lehnen Viadukt.

Um kurz danach durch den 252 Meter langen Tunnel Hausen 2 zu führen.

Beide Bauwerke wurden 1904 erbaut und waren bis 1983 mit Personenverkehr in Betrieb. Der Güterverkehr war zu dem Zeitpunkt schon lange eingestellt, da der Oberbau der Bahnstrecke den schweren Zügen nicht mehr stand halten konnte. Offiziell wurde die Strecke 2003 stillgelegt und zurück gebaut.

Hinter dem Tunnel Hausen 2 bog die Wanderstrecke dann rechts ab und führte am Hang des gerade durchquerten Hügels entlang hinab zur Nette.

Bei schwülem Wetter nicht der ideale Ort um zu sein, denn hier flogen viele Insekten durch die Luft. Und die Brennnesseln (ja, das schreibt man mit 3 „n“!) waren auch nicht angenehm.

Nachdem wir uns so durch die Büsche geschlagen haben, hörten wir so langsam ein Plätschern. Und trafen dann auf den (etwas übertrieben benannten) Nette Wasserfall.

Nach einer gebührenden Bewunderung ging es weiter durch etwas offeneres Gelände. Was für den Pollen-Allergiker ein ganz anderes Problem mit sich brachte …

Allgemein gibt es auch wieder die Warnung vor dem Eichen-Prozessionsspinner – hier haben wir aber keine größeren Nester gesehen. Zum Glück, denn dem Vieh wollten wir eher nicht begegnen, angesichts der Reaktionen darauf.

Lieber dann doch diesen Gesellen hier:

Leider waren die schottischen Tiere nicht zu sehen, schade. Hier kam aber ein sehr starkes Urlaubsgefühl auf … naja, vielleicht wird es ja mal wieder was dieses Jahr.

Der Pfad führte hier dann durch das Tal und kreuzte dabei den einen oder anderen Wanderweg, der ebenfalls hier durch führt.

Unser Weg ging dann allerdings wieder etwas bergan, immer wieder unterbrochen von alten Schiefergruben.

Und auch der Weg zeigte, warum er den Namen „Schiefer“ beinhaltet.

Ach so: An Schieferhängen kann man ja auch gut Wein pflanzen – dies wurde in Trimbs schon seit vielen Jahren auch getan. Der letzte Weinanbau endete allerdings 1963, was angesichts dieses Spruches über den Wein aus den Lagen hier vielleicht auch gut war: „Wer den Trimbser Wein trinkt, sollte vorher lachen, nach dem Genuss desselben kann er es nicht mehr!“

Ein letztes Stück hinauf und die Landschaft änderte sich wieder zu diesem breiten Blick über die Eifel.

Wirklich ein sehr abwechslungsreicher Wanderweg, der auf seinen 10 Kilometern sehr viel zu bieten hat. Nicht nur diese schönen (fast schon kitschigen) Kornblumen …

Auf den Feldwegen kamen wir dann sehr schnell voran und schon sah man ein kleines Neubaugebiet am Rande des Ortes Trimbs.

Wir hatten dann schon eigentlich das Gefühl, dass wir gleich am Auto wären, denn kurz darauf waren wir am Ortseingang, den wir auch mit dem Auto passiert hatten. Wo an dem Bushäuschen diese kleine Wetterstation uns sagte, dass es nicht regnet. Danke Wetterstation!

Tja, das mit dem „bald am Auto sein“ war allerdings ein Trugschluss, denn der Weg führte direkt nach dem Ortseingang wieder vom Ort weg und bergauf auf die andere Seite des Tals.

Wir hatten schon befürchtet, dass wir den falschen Weg gewählt haben, denn der Nachbarort Welling kam schon in Sicht. Unser, eigentlich idiotensicher beschilderter, Weg ging dann aber rechts ab.

Um dann in die, ebenfalls etwas übertrieben bezeichnete, „Trimbser Schweiz“ zu führen. Diese besteht aus einigen Schieferklippen süd-östlich des Ortes, über die man sogar ein wenig klettern musste.

Da wir doch etwas verschwitzt waren, sind wir diesen Teil dann etwas vorsichtiger gegangen. Aber ein bisschen Spaß hat es dann auch gemacht hier runterzukraxeln.

Nach etwa einem Kilometer kamen wir dann wieder zur Nette, welche wir dann auch bis zum Ziel-/Startpunkt nicht mehr verlassen sollten.

Am Startpunkt dann noch Informationen und Statuen zum Gedenken an den auf diesem Pfad oft thematisierten Schieferbergbau hier im Nettetal.

Wir hatten ja nicht direkt auf dem Parkplatz beim Startpunkt der Tour geparkt (wo übrigens noch mehr als genug Platz gewesen wäre), sondern auf dem (völlig leeren) Ausweichparkplatz. Also ging es für uns noch einmal quer durch den Ort zum ehemaligen Sportplatz.

Ein alter und etwas heruntergekommener Ort, der allerdings hier und da doch schöne Häuser zu bieten hat.

Aber uns lockte die Flasche Wasser im Auto zu sehr und daher machten wir uns auf direktem Wege zum Parkplatz. Und dann auch nach Hause. Sprit war genug verfahren und wir merkten das ständige Auf und Ab dann auch langsam in den Knochen.

Ach so: Auf dem Rückweg war tatsächlich keine Vollsperrung. Voll ungewohnt … 😉

Statistik:

  • Gelaufen am 02.04.2020
  • Dauer 1:44 Stunden
  • 7,5 Kilometer mit 122 hm.

(Karte von outdooractive.com/de/ / openstreetmap.org)


Nachtrag: In Zeiten von Corona haben wir, damit uns nicht die sprichwörtliche Decke auf den Kopf fällt, Ende März 2020 dazu entschlossen, das Beste aus der Situation zu machen. Dies bedeutete auch, dass wir uns für eine Abwechslung entschieden haben, die 1. spontan möglich ist und 2. uns nicht in die Nähe von Menschen bringt bzw. die Möglichkeit bietet, den gebührenden Abstand zu halten.

Beides haben wir durch spontane (beruflich wie wettertechnisch) Wanderungen gefunden, die wir hier bloggen wollen.

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