An unseren Geburtstagen ist es ja inzwischen schon so eine Art Brauch, dass wir sehr gut Essen gehen. Meistens wählen wir hierzu Restaurants in der näheren Umgebung und haben ja auch in der Zwischenzeit das ein oder andere Lieblingsrestaurant gefunden, was immer geht.
Dieses Jahr war es aber so, dass wir dort zu spät versucht haben zu reservieren, was uns in ein kleines Dilemma brachte: Entweder müssen wir also wegfahren und irgendwo übernachten oder unsere Ansprüche an ein Geburtstagsessen runter schrauben. Letzteres war diesmal nicht so unser Ding und so wurden ein paar Optionen durchdacht. Fliegen wollten wir nicht und eine längere Autofahrt wollten wir uns am ersten Adventswochenende auch nicht antun. Also blieb nur noch die deutsche Bahn, die ja in der aktuellen Zeit nicht gerade durch eine pünktliche Beförderung glänzt.
Aber wohin? Von einigen Optionen hatten wieder einige keinen Platz mehr und nach ein paar Denkrunden, gelesenen Blogs, geschauten Serien wie „Am Pass“ und auch die obligatorischen Bewertungsportale sind wir auf ein etwas ungewöhnliches Ziel gekommen: Hannover!
Doch wie dort hinkommen? Mit dem ICE geht dies natürlich gut und in etwa 3 1/2 Stunden auch relativ schnell. Die dafür aufgerufenen Preise waren allerdings, selbst mit unseren BahnCards, echt nicht günstig. Genauer gesagt wären es, in der ersten Klasse wohlgemerkt, pro Person etwa 140 Euro gewesen. Was in Summe schon das Gourmet-Abendessen für eine Person bedeutete.
Flixtrain meiden wir ja aufgrund unsere eigenen Vorurteile genauso wie Ryanair und andere LCCs.
Jens folgt bei YouTube allerdings ein paar deutschen Vloggern (nennt man das so? Keine Ahnung, wir sind alt!), die in Deutschland mit den Deutschlandticket (formally known as 49 Euro Ticket) unterwegs sind. Das haben wir ja und auf bahn.de kann man das als Filter angeben. Und siehe da: Von Köln aus kann man mit zwei Regionalexpress-Zügen mit nur einmal Umsteigen nach Hannover fahren. Und das mit dem bereits bezahlten Deutschlandticket und in 4 1/2 Stunden.
Die Umsteigezeit von etwa 30 Minuten gaukelte Sicherheit vor und so standen wir am Freitag Vormittag am Gleis 9 des Kölner Hauptbahnhofes und warteten auf den RegionalExpress (RE) 6 von Köln nach Minden in Westfalen.
Die Strecke gehört zu den RRX, dem Rhein-Ruhr-Express, ein schon länger in der Umsetzung befindliches Programm, um den Regionalverkehr auf der Kernstrecke des Ruhrgebietes und des zentralen Rheinlandes von Dortmund über Essen, Duisburg und Düsseldorf nach Köln durch dichtere Taktfrequenzen und höhere Beförderungskapazitäten aufzuwerten. Der RRX soll die bisher vorhandenen Regional-Express-Linien in diesem Korridor ersetzen. Die Züge stellen dabei wie die bisherigen RE-Linien Verbindungen mit anderen Landesteilen Nordrhein-Westfalens und zu benachbarten Bundesländern her. Teil des Milliardenprogramms sind neue Züge des Typs Siemens Desiro HC, eine gesteigerte Infrastrukturleistungsfähigkeit und modernisierte Stationen. Schon die neuen Züge trügen nach Angaben der Betreiber allein durch ihre höhere Beschleunigung und größere Zahl an Sitzplätzen zu mehr Pünktlichkeit bei.
Der RRX 6 nennt sich auch „Rhein-Weser-Express“ und fährt vom Kölner Flughafen über Dormagen, Düsseldorf, das Ruhrgebiet und Bielefeld bis nach Minden (Westfalen). Unsere Strategie also: In den Doppelstock-Zügen oben einen schönen Platz finden, hoffen das der Zug nicht so voll wird und dann gemütlich aus dem Fenster schauen und was Musik hören oder was quatschen.
Immerhin die Abfahrt erfolgte schon einmal pünktlich.
Und auch das mit dem Platz war überhaupt kein Problem um diese Uhrzeit.
So sehen wir aus, wenn ein Plan funktioniert!
Gut, das mit dem „aus dem Fenster schauen“ war teilweise etwas schwierig. Glücklicherweise haben wir auch den ein oder anderen Film auf dem Tablet beziehungsweise dem Handy gespeichert und so konnte das auch verschmerzt werden.
Na ja und so fuhren wir von Station zu Station. Hier und da gab es einen längeren Aufenthalt, weil schnellere Züge vorgelassen werden mussten. Aber im Großen und Ganzen war alles kein Problem.
Nachdem das Ruhrgebiet verlassen wurde ging es nach Westfalen und somit durch die westfälische Pforte, die Porta Westfalica. Inklusive einem etwas nebeligen Blick auf das Kaiser-Wilhelm-Denkmal, einem von 1892 bis 1896 im Monumentalstil errichteten Standbild des ersten Deutschen Kaisers Wilhelm I. Das insgesamt 88 Meter hohe Monument gehört zu den Sehenswürdigkeiten Nordrhein-Westfalens und zu den Nationaldenkmälern Deutschlands.
Wir fuhren aber vorbei, sammelten komischerweise jetzt hinter dem Ruhrgebiet noch mehr Verspätung auf und kamen dann mit 15 Minuten Verspätung in einem überraschend kalten und zugigen Minden an.
Minden ist insofern ein interessanter Bahnhof als das es ein sogenannter „Inselbahnhof“ ist. Außerdem wurde er 1848 als Endbahnhof zweier Eisenbahnen eröffnet: Der Hannoverschen Staatseisenbahnen und der „Cölln-Mindener Eisenbahn-Gesellschaft“, die für den Aufbau der Eisenbahnstrecken im Rheinland gesorgt hat.
Für uns hieß es: Auf dem Bahnsteig stehen, warten und hoffen, dass der RE60 oder RE70, beide konnten wir nehmen, keine Verspätung hat. Diese beiden Strecken verbinden Bielefeld beziehungsweise Rheine über Minden mit Hannover und Braunschweig. Es gäbe auch eine S-Bahn von hier nach Hannover, aber die dauerte uns zu lange.
Man merkte aber, dass wir in der Zwischenzeit ein wenig in den Berufsverkehr geraten waren, denn die Bahn war recht voll und wir durften die 40 Minuten leider stehen. War aber auch auszuhalten, Jens hat sich irgendwann auch einfach auf die Stufen zum oberen Bereich gesetzt.
Und die Bahn war pünktlich unterwegs, daher waren wir tatsächlich auf die Minute pünktlich am Hauptbahnhof der niedersächsischen Landeshauptstadt Hannover angekommen.
Ebenfalls ein Vorteil des Deutschlandtickets, abgesehen davon, dass wir gerade über 100 Euro gespart hatten, ist, dass man auch den ÖPNV vor Ort nutzen kann. Also runter zur Stadtbahn und in wenigen Minuten waren wir dann an der Haltestelle „Lister Platz“.
Und da lag auch unser Hotel, das Novotel Hannover. Wo Meike und Jens auch schonmal waren, vor vielen Jahren und nicht im gleichen Jahr auf Veranstaltungen eines Softwareherstellers, der bei unserem gemeinsamen Arbeitgeber eingesetzt wird.
Das Zimmer war schnell bezogen und für den ersten Abend hatten wir uns ein asiatisches Fusion-Restaurant namens „TresOr“ im Vorort Isenhagen ausgesucht. Vorteil war, dass man vom Hotel stadtauswärts mit der Stadtbahn fahren konnte und so nicht noch einmal quer durch die Stadt reisen musste. Allerdings hatten wir das Abendessen mit einem enormen Puffer geplant, weil … deutsche Bahn und so. Mit einer pünktlichen Ankunft konnte ja keiner rechnen.
Aber: Der erneut erhaltene Gutschein wollte ja auch verbraucht werden und so wurde die lokale Brauerei unterstützt. Und parallel verlor Meike überraschenderweise bei Kniffel, konnte nur ein verfrühtes Geburtstagsgeschenk für Jens sein.
Mit der Linie 13 ging es dann durch die Nacht. Spannenderweise war dies wohl eine Fahrschulfahrt und der Fahrlehrer hatte einen Nothalt-Knopf in der Hand, sollte der Schüler etwas übersehen. Hat er aber nicht, es wurden alle Haltestellen vorschriftsmäßig erreicht. Und gebimmelt hat er auch oft genug, finden wir zumindest.
Das Restaurant war Jens bei einer Suche aufgefallen und soll moderne asiatische Fusion-Küche anbieten. Und das mehr als die normalerweise in solchen Restaurants angebotene frittierte Sushi-Rolle.
„TresOr“ nennt sich das Restaurant übrigens, weil das Gebäude tatsächlich mal eine Bank war. Ansonsten waren erstaunlich viele Familien in dem eher dunklen Restaurant. Der Service war ok, aber manchmal musste man schon etwas warten.
Da wir eher was ausprobieren wollten, bestellten wir erst einmal ein paar Starters und hofften hier nicht zu hungrig gewesen zu sein. Ging tatsächlich, denn die Lobster Spring Roll, die Meike natürlich haben wollte, und ein weiteres Gericht was Jens haben wollte, war leider aus. Also gab es ein echt super leckeren Entensalat mit Pomelo und Wasabinüssen. Was schon mehr oder weniger das Highlight des Abends war, super bitter, fettig, salzig – alles dabei.
Das Garnelen-Tempura war ok mit schönem Teig.
Das Thunfisch-Tartar war allerdings zu kalt und auch die Avocado passte irgendwie vom Aroma nicht so dazu.
Das Beef Tataki war leider etwas enttäuschend, sehr durch. Dafür waren die Weine aber gut und so verbrachten wir einen schöne Abend mit etwas Alkohol, guten Gesprächen und der ein oder anderen Beobachtung an den Nachbartischen.
Und lange wollten wir eh nicht machen, denn morgen stand wieder einer unserer GPS-Tracks auf dem Programm. Und Abends dann auch ein sehr, sehr leckeres Abendessen. Dazu morgen aber mehr.

















