Zum Inhalt springen

Et jeht zoröck noh Hus

Abreisetage haben ja so ihre verschiedenen Seiten. Einerseits ist man ja fast immer traurig, dass der Urlaub schon vorbei ist. Andererseits freut man sich ja auch auf so einfache Dinge wie die Jogginghose und die heimische Couch. Im Gegensatz zum Hinweg ist man aber in der Regel nicht so aufgekratzt und wir sind auf dem Rückweg meistens auch eher froh, wenn wir dann auch zu Hause sind.

Insofern sind die Rückwege ja oft auch nicht so ereignisreich oder reich bebildert. Was anders ist, wenn man nochmal Eisenbahn fahren kann. Also .. wenn man Jens heißt.

Denn zwischen dem Bahnhof Warszawa Centralna und unserem Hotel, die beide ehrlich gesagt nur 700 Meter entfernt liegen, liegt ein weiterer Bahnhof: Warschau Innenstadt, Warszawa Srodmiescie.


Der Bahnhof ist insofern spannend, als das dies tatsächlich ein für die 2 Gleise der Station sehr gut genutzte Station ist, denn hier steigen am Tag im Schnitt knappe 50.000 Menschen ein oder aus.

Um das Ein- und Aussteigen mehr oder weniger kollisionsfrei abwickeln zu können, wird hier die sogenannte „Spanische Lösung“ umgesetzt, nämlich ein Mittelbahnsteig zum Aussteigen und die Außenbahnsteige zum Einsteigen. Türen werden zuerst zur Mitte hin geöffnet und erst ein paar Sekunden später zu den Außenseiten hin.

Die Züge fahren hier selbst am Sonntagmorgen in einer ordentlichen Frequenz, zwei Eisenbahnbetreiber (Koleje Mazowieckie und Szybka Kolej Miejska) fahren hier mit ihren Fahrzeugen durch. Beide fahren auch die Strecke bis zum Flughafen und insofern konnten wir in die nächste Bahn einsteigen und uns einen Sitzplatz frei aussuchen.

Nach etwa 25 Minuten waren wir dann am Endbahnhof, dem Flughafen angekommen.

Den Flughafen Warschau Chopin hatten wir ja schon öfters besucht, nun wollten wir zum ersten Mal auch einchecken. Was, wenn man erst einmal vor den ganzen LOT-Schaltern den Lufthansa-Schalter gefunden hatte, auch recht schnell ging.

Durch Fast Track waren wir auch schnell bei den Gates und konnten uns noch etwas in der Lounge ausruhen bevor unser Flug nach Frankfurt bereit zum Boarden war.

Genauer gesagt war das Boarding schon im Gange, als wir am Gate ankamen und so konnten wir auch direkt durchgehen und den A320 besteigen, der uns in knapp unter 2 Stunden nach Frankfurt bringen sollte.

An Bord, wir hatten ja Business Class gebucht, hatten wir mehr Beinfreiheit als im Reisebus nach Zakopane. Aber nicht viel. Dafür aber wieder den Mittelplatz frei und somit ein schönen Platz für Jens Rucksack. Der kommt nämlich fast immer unter den Sitz, denn auf das „ich stopfe meinen Rucksack bei den ganzen Koffern ins Gepäckfach“ hat Jens meistens keine Lust. Spannend, wie viele Menschen mit den maximal erlaubten Koffern fliegen und immer wieder ärgerlich, wenn diese Menschen die auch in das erste freie Gepäckfach legen, selbst wenn sie dort gar nicht sitzen. Wie diese Mal wieder geschehen, denn über uns war kein Platz und kein einziges Gepäckstück von uns, bis auf unsere zwei Jacken und Meikes Handtasche.

Na gut, kurz über die Dummheit der anderen geärgert und dann Kopfhörer auf, gute Musik beziehungsweise einen Podcast (Layover, der Podcast zu Jet Lag: The Game) auf die Ohren und dem Treiben vor dem Fenster zugeschaut.

Dank unsere Samsung BagTags war auch klar, dass unsere Koffer mindestens mal mit nach Frankfurt kommen würden.

Ein kurzer Weg zur Startbahn, Triebwerke auf Vollschub und ab ging es zurück nach Deutschland. Nachdem die Reiseflughöhe erreicht war, gab es auch ein kleines Frühstück. War ok, auch wenn Jens zuerst, obwohl die Business Class nicht voll belegt war, kein Brötchen bekam und das sehr schade fand. Croissants passen auch nicht so richtig zu Hummus, Oliven und Käse.

Die sehr aufmerksame Stewardess kam aber kurz danach und hatte noch ein neues Brötchen aufgetaut und aufgewärmt. Sehr nett!

Der Rest des Fluges verging wie im selbigen und schon setzten wir zur Landung in Frankfurt an.

Lufthansa-Country!

Den Weg vom Terminal zum Bahnhof kennen wir fast schon im Dunklen. Und er ist immer noch echt nervig, denn man muss vom Baggage Claim, wo unsere Koffer ja nicht sind, da sie zum AirRail-Terminal weitertransportiert werden, erst einmal durch die Fressmeile mit Burger King, McD und anderen Fast-Food Ketten, am S-Bahnhof mit seinen teilweise doch eher zwielichtigen Menschen zu diesen beiden Rolltreppen, um dann durch einen Schlauch aus Metall zum Bahnhof und dem „Hier sollte ihr Koffer stehen … irgendwann“-Bereich zu gelangen.

Da stehen irgendwie auch immer Leute, die das Konzept nicht verstehen oder erwarten, dass ihr Koffer die Strecke vom Flugzeug hierhin schneller als sie selber zurücklegen müsste. Wir sind da ja inzwischen geübt drin, setzen uns auf eine der zwei (!) Wartebänke und beobachten gespannt unsere Tags, wo sie gerade behaupten zu sein.

Bislang sind die Koffer ja immer gekommen, nur eben nach einer langweiligen Wartephase. Aber deswegen buchen wir ja auch in der Regel eine Umsteigezeit von mindestens einer Stunde, obwohl Lufthansa die Verbindungen auch knapper anbietet.

So suchen wir uns dann auf dem Bahnsteig einen schönen Platz, es hat hier ja auch mehr Sitzbänke als bei den Koffern, und schauen ein wenig den Zügen zu. Oder auch den Menschen, die es hierhin verschlägt.

Unser Zug kam tatsächlich sehr pünktlich und da wir ja weiterhin quasi Business Class unterwegs waren, saßen wir dann auch eben in der ersten Klasse im ICE.

Schön, aber für die 55 Minuten auch nicht wirklich lohnenswert. Aber es gab dafür wenigstens ein paar Meilen auf unser Meilenkonto.

Der Kölner Hauptbahnhof wurde nach einer kleinen Wartepause auf der Hohenzollernbrücke quasi pünktlich erreicht (5 Minuten ist ja nix). Auf die Straßenbahn hatten wir aber dann wirklich keine Lust mehr und so gönnten wir uns noch ein letztes Mal Luxus in Form eines Taxis nach Hause. Was uns dann über die Zoobrücke schnell und dabei, für Kölner Taxifahrer-Verhältnisse überraschend, die meisten Verkehrsregeln einhaltend dorthin brachte.

Und damit endet unsere Polen-Reise! Was haben wir behalten? Polen war ein bisschen so, wie wir es erwartet haben. Und dann doch wieder nicht. Man merkt schon deutlich, dass das hier Ostblock war und eben nicht, wie in Ostdeutschland, schon vieles investiert und renoviert wurde. Was aber auch seinen eigenen Charme hat.

Die Menschen waren fast immer sehr freundlich, wie hatten keine Probleme als Ausländer und bis auf ein paar Idioten war das alles super.

Kulturell und historisch ist Polen natürlich ein Schwergewicht, was das Land erlebt hat ist so viel, dass es ein Leben dauern dürfte das alles zu lesen, zu verstehen und sich zu merken. Aber das, was wir gesehen und gehört haben, hat uns schon viel vermittelt.

Kulinarisch haben wir uns sehr an die Küche unserer Großeltern erinnert gefühlt, man merkt halt, dass viele im Rheinland ihre Wurzeln in Schlesien oder Pommern haben. Gleichzeitig haben wir auch, nicht nur im Fine Dining Bereich, viel modernes gegessen. Und das ist genau das, was wir aus Polen mitnehmen: Ein Land mit viel Geschichte, das aber offen für Veränderung ist. Oder gerade auch wieder viel Veränderung erlebt beziehungsweise aufgedrückt bekommt. Ein spannendes Nachbarland, was wir sicherlich nicht zum letzten Mal besucht haben.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.