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Restaurant Sahila, Köln

Dienstag, Köln, 37 Grad Celsius! Eine Hitzewelle hatte Köln im Griff, als wir zur Feier des Tages ein Taxi in die Innenstadt bestiegen, um nicht auf die Klimaanlagen der KVB angewiesen zu sein.

Den bisherigen Tag hatten wir in der schönen Sauna-Landschaft des H20 in Remscheid verbracht, wobei ehrlicherweise die dort vorhandenen Wasserbecken frequentiert wurde. Und die Massagebank im Spa der Anlage.

Wir waren also relativ entspannt, wenn auch immer noch sehr, sehr schwitzig, als wir in der Nähe des Agrippabades aus dem (ebenfalls schön klimatisierten) Taxi stiegen. Am Eingang zum Bad standen noch eine ganze Menge Menschen an, in der Hoffnung auf etwas Abkühlung und das um 18:30 Uhr.

Unser Weg führte uns aber nicht erneut ins kühle Nass, sondern gegenüber in die Hausnummer 18 der Kämmergasse. Dort befindet sich eines der sicherlich bekanntesten Restaurants in unserer Heimatstadt: Das Sahila Restaurant in dem Julia Komp den Kochlöffel beziehungsweise das Zepter in der Hand hält.

Julia Komp wurde 1989 in Engelskirchen geboren (wie Jens) und wuchs in Overath auf. Sie absolvierte als Schülerin ein Praktikum auf Schloss Lerbach in dem mit drei Michelin-Sternen ausgezeichneten Restaurant von Dieter Müller. Ihre Ausbildung zur Köchin machte sie ab 2008 in Köln-Porz im Restaurant Zur Tant und nahm danach eine Stelle in der Vorstandskantine des TÜV Rheinlands an. Anschließend war sie Souschefin im Restaurant La Poêle d’Or in Köln.

Im Restaurant Schloss Loersfeld erhielt sie als zweit-jüngste Köchin Deutschlands einen Michelin-Stern.

2019 machte sie ein Sabbatical mit Reisen nach Asien, Nordafrika und in den mittleren Osten. Und diese Reise ist die Basis ihres Menüs in ihrem 2022 eröffneten Restaurant. 2023 wurde es dann vom Guide mit einem Stern ausgezeichnet und dieser wurde dann verteidigt, zuletzt am 17. Juni 2025 bei der Michelin Guide Zeremonie in Frankfurt.

Das Restaurant, auch wegen ihrer Chefin, hat sich seit der Eröffnung eine große Fangemeinde in Köln erarbeitet. Man hörte aber auch immer wieder Kritik ob des Services, über das eher komplizierte Menü oder auch an der Tatsache, dass die Geschichte mit der Weltreise nun auch etwas zu oft verwendet wurde.

Unbestritten sind die handwerklichen Fähigkeiten der Küche, also wollten wir uns mal unser eigenes Bild bilden. Ein Tisch war schnell online reserviert, wie fuhren, wie gesagt, mit dem Taxi hin und nahmen bei äußerst unangenehmen Temperaturen um die 36, 37 Grad Celsius im Innenhof Platz.

Der Innenhof ist eine taktisch gute Entscheidung, auch wenn es ohne ein bisschen Wind in unserer Ecke doch etwas schwül war. Ein Aperetif war schnell geordert, Wasser gab es auch direkt, bei dem Wetter auch dringend nötig.

Bei dem Menü kann man zwischen einem 6-Gang Menü oder einem 6-Gang Menü mit Käsegang wählen. Die Weinkarte haben wir auch mal angeschaut, uns dann aber aufgrund der Empfehlung des Sommelier für die Weinbegleitung entschieden.

Zum Einstieg ein Gruß aus Zypern, wo thematisch das Zusammentreffen von griechischer und türkischer Kultur verarbeitet wurde: Ein mit Aubergine gefüllte Praline, ein Gebäck mit Bohne oder eine kalte Olive waren sehr gut gemacht, blieben aber auch etwas einfach im Geschmack.

Wir wissen aber auch nicht, ob das unüblich warme Wetter hier auch Auswirkungen hatte.

Der erste Gang im Menü kam mit der Geschichte der Tomatina, einem spanischen Fest in der Nähe von Valencia, welches jährlich im Rahmen der Stadtfeier veranstaltet wird. Bei dem Fest bewerfen sich die Teilnehmer mit überreifen Tomaten, was auf dem Teller über eine „Fake“-Tomate aus Gel mit einem Kern aus Tomatenpüree sowie Schaum aus Tomatenessenz, kleinen Perlen aus Olivenöl und einem hervorragenden Brot, auf das man eine offene Cherrytomate streichen sollte.

Interessante Präsentation aber hier wurde schon sehr viel Wert auf die Geschichte gelegt. Nicht freisprechen kann sich gerade Jens davon, dass ihn auch die übrigen Gäste ablenkten, die unüberhörbar laut die Kreativität lobten, irgendwelche A4-Zettel mit Notizen zum Menü lasen und ergänzten oder andere Dinge taten. Highlight war die Gruppe, wo unnatürlich laut gesagt wurde, dass „man ja heute morgen noch in Nizza“ gewesen sei. Und ein Gast sagte, dass seine Frau ja letzten Sonntag Geburtstag gehabt hätte, ob man da nicht was machen könne.

Meikes Geburtstag an dem Tag, was Jens natürlich in die Reservierung eingetragen hatte, wurde übrigens ignoriert. Und auch ein, zwei laute Bemerkungen diesbezüglich wurden auch nicht aufgenommen. Im Gegensatz beispielsweise zum Taku in Köln oder dem Restaurant Steinheuer im Ahrtal, wo eine kleine Andeutung bereits ausgereicht hatte, dass zumindest gratuliert wurde.

Die Weinbegleitung startete mit einem recht spannenden Wein aus Portugal zum zweiten Gang. Interessante Wahl, wie einige der Weine.

Eingeschenkt wurde allerdings recht konservativ. Und zu dem Preis von 115 Euro am Ende war das nicht angemessen, fanden wir zumindest.

Dem Wetter sehr angemessen war der erste Gang: Fattusch, also ein aus der levantinischen Küche stammender Salat mit einem dünnem Fladenbrot.

Der Salat war etwas gröber geschnitten, die Komponenten waren aber sehr lecker. Wenn auch die Aromenwelt mit dem Portulak, weiteren Kräutern, Zwiebeln, Hummus, Radieschen und Blüten wieder eine etwas leichtere, subtilere war, was wir auch anmerkten. Und daraufhin auf die nächsten zwei Gänge verwiesen wurden.

Und das war ein Versprechen, keine Vermutung. Denn die Ceviche, welche als nächstes gebracht wurde, war kräftig, stark und überaus lecker.

2023 wurde der Titel „Praktiken und Bedeutungen im Zusammenhang mit der Zubereitung und dem Verzehr von Ceviche, ein Ausdruck der traditionellen peruanischen Küche“ in die UNESCO-Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit aufgenommen. Wobei wir hier eine eher mittelamerikanische Variante zubereitet bekamen, bei der anstelle der Tigermilch Kokosmilch genommen wird. Dazu gab es noch ein Granite aus Jalapeño dazu, wobei schon im Sud selber ein sehr scharfes Öl die Geschmacksaromen auf eine angenehme Probe stellten. Sterne aus Maiscreme wurden unter dem Hiramasa zu einer leichten, süßen Ablenkung vom festen und sehr gut marinierten Fisch. Und alles zusammen war einfach nur eines der besten Ceviche-Gerichte seit langem!

Am Ende meinte einer der Kellner nur, dass der nächste Gang noch kräftiger sein würde. Und auch das war ein Versprechen, denn aus Sri Lanka kam die Interpretation vom „Bathala thel Dala“ an unseren Tisch: Ein klassisches sri-lankisches Kartoffelgericht, hier aus Süßkartooffeln, Kokossambal und einem schönen, leichten grünen Curry.

Das war ebenfalls sehr kräftige von den Gewürzen, vegetarisch und ein schönes Spiel mit dem Thema „Süßkartoffel“. Für unseren Geschmack war es wieder etwas zu einfach, aber alleine das super glatte Curry war es wert, dass wir zum ersten Mal unsere Finger einsetzen mussten. Nichts dem Wirt überlassen, jeder Tropfen davon muss gesichert werden!

Das Essen war bis hierhin mindestens gut, im Falle der Ceviche sogar herausragend. Der Service machte dagegen keinen guten Eindruck an diesem Abend. Alle waren sehr freundlich, Wasser wurde ständig nachgeschenkt aber irgendwie war kein Rhythmus vorhanden. Im Hintergrund unseres Sitzplatzes hörten wir auch die ein oder andere Fehlkommunikation. Nicht hilfreich waren die verschieden Unterbrechungen durch die Gäste (wir haben selten so viele so oft zum Rauchen aufspringen sehen). Anfangs wurde noch versucht einen 8er Tisch mit einem spät besetzten 2er Tisch in einem Takt zu halten und alle anderen Tische ebenfalls in einem Takt zu halten. Ein großer Vorsatz, der bereits nach ein, zwei Gängen scheiterte.

Schade, denn nachdem einmal alle Bestellungen aufgenommen waren, war ja eigentlich recht wenig Variationen mehr offen. Aber vielleicht haben wir ja auch nicht alles mitbekommen. Und von einem Besuch sollte man ja eh nie verallgemeinern!

Der nächste Gang führte uns thematisch nach Hong Kong. Und passend wurde aus der Weinbegleitung eine Getränkebegleitung, denn hierzu wurde ein halbtrockener und recht fruchtiger Junmai Daiginjo Sake von Asahi mit einem Poliergrad von 45%, wie der Name „Dassai 45“ schon sagt.

Unser Sommelier entpuppte sich als Sake-Fan und wir konnten uns hier ein wenig austauschen, gerade wo wir schon den ein oder anderen Sake konsumiert haben. Den Sake gab es zu einem Gericht, dass aus den Teehäusern Hong Kongs inspiriert wurde: Har Gow, also eine aus Reismehl hergestellte Teigtasche mit Garnele gefüllt. Dazu eine ganze Garnele aus Bayern, hervorragend in Qualität und Zubereitung. Und abgeschlossen wurde das Ganze durch Chinakohl und wildem Brokkoli.

Wir fühlten uns an unseren Besuch in einem Teehaus 2012 zurück versetzt nur ohne das ganze Geschrei, die ganze Hektik und mit etwas mehr … Qualität. Die Garnele kam schon sehr an die aus dem KOKS heran und das Gericht selber hatte für uns genau die richtige Balance zwischen Schärfe, Säure, Süße und Umami. Gerne mehr davon!

Zeit für den Hauptgang, was durch das Fehlen eines Löffels angekündigt wurde. Oder im Falle von Jens durch das Fehlen eines zweiten Messers – ein kleiner Insider zwischen uns und einem Kellner, der zwei Mal anstelle eines Löffels ein zweites Messer hingelegt hat. Was übrigens auch zeigen soll, dass der Service auch oft seine schönen Seiten heute Abend hatte. Und für die Gäste kann kein Restaurant der Welt etwas.

Hauptgang also: Ein Perlhuhn mit Salzzitrone, ergänzt durch Ras-el-hanout, Möhre und eine kleine Teigtasche. Letztere soll an Pastillas erinnern, eine marokkanische Spezialität aus knusprig gebackene Filtoteigtaschen, die mit drei Schichten bestehend aus Hähnchenfleisch, einer Zwiebel-Ei Masse und süßen gerösteten Mandeln gefüllt werden.

Kunstvoll angerichtet, das Perlhuhn saftig gebraten und durch eine gute Menge der Salzzitrone auch angenehm in der Säure. Gewürztechnisch fühlten wir uns hier eher nach Island versetzt, was aber eben daran liegt, dass unsere Referenz-Tajine durch Jaouad Hbib in Siglufjördur zubereitet wurde. Daran kam es hier nicht, muss es aber auch gar nicht. Denn die Fine Dining Variante wusste sehr zu gefallen.

Dann ein kontroverser Gang, zumindest für uns. Denn es gab eine Pavlova, also eine mit Sahne und Früchten gefüllte Torte aus einer Baisermasse. Sie gilt sowohl in Australien als auch in Neuseeland als eines der Nationalgerichte, beide Länder beanspruchen die Erfindung der Süßspeise für sich. Und hier stand „Australien“ als Herkunftsland auf dem Menü, wo wir als Neuseeland-Fans natürlich energisch widersprechen mussten.

Fest steht, dass die Torte nach der russischen Ballerina Anna Pawlowa benannt wurde, die Ende der 1920er Jahre in beiden Ländern Gastauftritte hatte. Das Oxford English Dictionary nennt allerdings Neuseeland als Ursprungsort, weil das älteste bekannte Rezept dieses Namens im Jahr 1927 dort erschien. Case closed!

Oh – geschmeckt hat das Pre Dessert, ergänzt durch Kiwi, Kaviarlimetten und Hafer, dann auch. Das eigentliche Dessert kam dann japanisch kunstvoll daher, wobei wir dann erfahren haben, dass die verantwortliche Patissier das Restaurant vor 3 Tagen verlassen hat, um im elterlichen Hof ein eigenes Geschäft zu eröffnen. Schade, denn das sah sehr cool aus!

Auf dem Teller fand sich eine eher klassische Kombination aus Aprikose und Yuzu in verschiedenen Texturen und Zuständen, ergänzt durch Sesam, was dem Ganzen ein spannenden Touch gab.

Jens hatte im Vorfeld dann noch den Käsegang als Abschluss bestellt und war dann vor allem vom deutschen Blauschimmel mit Kakao angenehm überrascht. Ansonsten war das eher Standard, aber alles lecker.

Zum Abschluss ein paar Pralinen und gleich die Rechnung. Was wieder eine Fehlkommunikation im Service war, für den sich auch gleich entschuldigt wurde. Aber nochmal irgendwie ein Beweis dafür, dass der Abend im Service nicht so rund gelaufen ist, wie wir es von einem solchen Restaurant erwarten.

Chef Julia Komp ging auch danach an die Tische, blieb dann aber zuerst bei zwei recht jungen Damen (die mit dem A4-Notizzette), dann bei dem „Meine Frau hatte aber Geburtstag“ und zuletzt am Tisch nebenan bei ihrer ehemaligen Informatik-Lehrerin hängen. Und sprang noch kurz zu uns an den Tisch, als wir aufstanden, um zu unserem draußen wartenden Taxi zu gehen. Haben dann zwei, drei sehr nette Sätze gewechselt, aber viel mehr war nicht drin. Schade, denn die ein oder andere Sache hätten wir schon gerne gefragt.

Schieben wir es mal dem äußerst warmen Wetter zu, dass auch das nicht optimal geklappt hat.

Fazit: Hohe Erwartungen, kulinarisch wurde alles bis auf ein paar Ausnahmen (Apero, Käsegang, Tomatina, Pavlova) mehr als erfüllt. Beim Service haben wir eine etwas andere Erwartungshaltung. Uns war der Service teilweise zu konfus, teilweise zu sehr auf Stammkunden oder offensichtlich etwas „schickere“ Gäste fokussiert. Wir zwei Dicken saßen an der Seite und fühlten uns hier und da übersehen. Die Wartezeiten im Menü waren teilweise recht lange, das gesamte Essen ging von 18:30 Uhr bis 23:30 Uhr. 5 Stunden für 7 Gänge (11 inklusive Apero, Petit Fours, etc.) war zu lange. Gemischte Gefühle, denn am Ende ist es ja unser Geschmack, unsere Erwartung und auch unsere Einstellung, die auch stark hier reinspielt.

Mit einem schön klimatisierten Taxi ging es dann zurück in die warme Wohnung. Auf unsere Liste der „Machen wir nochmal“-Restaurants, so deutlich müssen wir sein, liegt das Sahila aber eher im unteren Drittel.

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