Ein neuer Tag, eine neue Fahrt mit der Straßenbahn. Dieses Mal allerdings etwas länger, denn im Gegensatz zu den anderen Fahrten endeten wir nicht am Haymarket oder in der Innenstadt, sondern es ging weiter über die 2023 eröffnete Verlängerung nach Leith. Und das letztendliche Ziel konnten wir aus dem Fenster erblicken, während sich die Tram durch den ehemaligen Vorort von Edinburgh, der seit den 1990er Jahre städtebaulich und touristisch entwickelt wurde.
Beispiele hierfür sind das Einkaufs- und Vergnügungszentrum Ocean Terminal, wo auch die ehemalige königliche Yacht Royal Britannia vor Anker liegt, oder die kernsanierten Gebäude rund um die Commercial Street, wo wir beim letzten Besuch auch bei Tom Kitchin waren.
Neu hinzugekommen ist die Port of Leith Distillery, eine der jüngsten Whiskydestillen in Schottland und definitiv die jüngste in Edinburgh.
Sie ist die erste vertikale Brennerei, die im Vereinigten Königreich gebaut wurde, das dazu 2019 erbaute und 2023 eröffnete Gebäude ist 9 Stockwerke hoch und ist nicht nur eine aktive Brennerei, sondern eben auch (und das zeigt den Geist dieses Unternehmens) eine Besucherattraktion sowie aufgrund der Bar im obersten Stockwerk eine sehr beeindruckende Location. Die vertikale Anordnung ist eine Notwendigkeit, denn das Grundstück, auf dem sie errichtet wurde, war gezwungenermaßen sehr klein, denn Platz ist hier knapp. Doch trotz diverser Probleme wie die schwierige Architektur, die Corona-Pandemie während des Baus, die Kosten von 12 Millionen Pfund und diverse weitere Herausforderungen wurde das Projekt fertig gestellt.
Um die ersten Jahre zu überbrücken bevor der erste Whiisky verkauft werden kann, wurde zuerst Gin produziert (Lind & Lime), die Port of Leith Distillery selber wurde 2023 von Paddy Fletcher und Ian Stirling gegründet, zwei Schulfreunde aus Edinburgh, die in ihrem jeweiligen Studium in London zuerst Craftbeer und später Destillate gebraut haben. Latent legal, wie wir auf der Tour, die wir gebucht hatten, später erfahren sollten.
Rund um die Destille viel Hafen und ein beeindruckendes Schiff aus Tasmanien – hat was für sich, so ein Hafen..
Da es windig war ging es auch bald in das Gebäude rein. Gut, dass wir da sind.
Mit dem Aufzug ging es in die 7. Etage, von wo aus man die Royal Britannia sehen konnte.
Und den Giftshop. Und unsere Guide, die uns kurzweilig mit schottischem Humor und sehr unterhaltsam durch die Destille führte. Begonnen wurde die Tour natürlich mit der Geschichte der Freunde aus Edinburgh, die jetzt ihr Glück zu Hause gefunden haben. Mag auch zum Teil stimmen, verkauft sich sicherlich auch gut.
Ach ja, das Homebrew-Set haben wir schonmal vor vielen, vielen Jahren im Brewshop in Newington gegenüber der Clerk´s Bar gesehen. 😉
Ein paar Destillen haben wir ja schon gesehen und insofern war der Prozess uns nicht fremd. Hier war aber alles nagelneu, was dem ganzen doch schon einen anderen Glanz verlieh. Daneben waren die Herausforderungen, die sich einfach aus der vertikalen Anordnung der einzelnen Produktionsschritte ergeben spannend zu hören.
Stolz ist man darauf, dass alles aus der näheren Umgebung kommt: Der Malz von einer Farm in den Borders wird in Fife verarbeitet und mit dem Wasser der Pentlands zu Schnapps umgewandelt.
Mit einer Schraube werden die Mälze nach oben gebracht, den Rest vollbringt die Schwerkraft.
Hauptdarsteller waren diese beiden Stills, welche fast vom beeindruckenden Ausblick ablenkten.
Aber nur ein bisschen – war schon cool zu sehen und zu erleben und eben ganz was anderes als die traditionellen Destillen, die man so kennt.
Sogar der Spirit Safe sieht hier … neuer aus. Die Funktion bleibt die Gleiche: Nix in den Whisky kommen zu lassen, was blind macht. Oder zu dünn ist …
Zweites Highlight: Wir durften uns alle ein Sample des aktullen New Make abfüllen.
Naja … und natürlich gab es auch was zu kosten.
Um nicht Pleite zu gehen bevor man den ersten Whisky verkaufen kann, haben sich die Inhaber eine recht naheliegende Einnahmequelle überlegt, die so simpel wie genial ist: Da man ja Fässer zum Reifen des Whiskies braucht, kauften sie Port- und Sherry-Fässer in Spanien auf. Allerdings volle und dadurch können sie den Inhalt abfüllen und immer wieder verkaufen. Gleichzeitig haben sie so Fässer, um den Whisky zu finishen.
Coole Idee und man spürte irgendwie den Entrepreneur-Spirit, der hier herrscht. Hier wird mit einem Plan agiert, der nicht nur auf eine Karte setzt. Ein weiteres Standbein ist die Bar und die suchten wir im Anschluss auf, nachdem wir uns von unserer Guide verabschiedet hatten.
Natürlich gibt es hier auch Bier aus Leith.
Ein sich durch alles hindurchziehender Slogan ist der „Property of Port of Leith … Division“. Die T-Shirts gehörten beispielsweise der Propaganda Division, das Tasting fand in der Distillery Division statt und so weiter …
Die „Hospitality Division“ war auf jeden Fall sehr sympathisch, denn wir bestellten ein paar Kleinigkeiten und waren nicht enttäuscht. Weder vom Sauerteigbrot noch von der Hirsch-Salami.
Und auch nicht von der Jakobsmuschel, auch wenn wir der aus dem Maaemo in Oslo immer noch nachtrauern.
Der immer wieder drohenden „Unter-Austerung“ konnte hier Einhalt geboten werden. Die Austern (Loch Fyne) waren zwar teilweise recht klein aber super schmackhaft und sehr intensiv. Außer Zitrone brauchte man hier nix.
Weil wir so in guter Stimmung waren gab es sogar Nachschlag. Also bei den Austern, denn so viel wollten wir wiederum nicht essen, weil es heute Abend ja noch einmal in die Fine Dining-Ecke gehen sollte.
Ursprünglich wollten wir was durch Leith spazieren, aufgrund des Wetters zogen wir aber vor in die Innenstadt zu fahren.
Am St. James Square schwelgten wir noch in der Erinnerung, denn den Platz kennen wir noch als chronisch verstopften Kreisverkehr. Heute fahren hier fast nur noch Busse, Fahrräder und die Tram. Alles sieht modern und sauber aus.
Mehr so aus Interesse schauten wir uns den Edinburgh Street Food Market an, eine an die Foodcourts in Asien erinnernden Ort.. Gut, dass wir fast keinen Hunger mehr hatten …
Durst hatten wir auch und nur von dem Wasser, was wir dabei hatten, wird man ja auch nicht … weniger durstig. Also gingen wir zu Fuß, es regnete gerade nicht so stark, zum Princess Street.
Und dort in einen weiteren unserer Lieblingspubs: Dem Guildford Arms!
Picke-Packe voll, kein Platz zu sitzen. Aber egal, ein Pint geht, gerade auch weil die Cask Ales schön gering im Alkohol waren.
Spannend, wer hier immer so auftaucht. Vom Bauarbeiter, der ein Pint Tennents kauft und still in der Ecke trinkt bis zu aufgebrezelten Damen, die eine Flasche Schaumwein trinken und sich dabei laut unterhalten – alles dabei.
Weil wir aber jetzt so richtig in „Wir sind in einem Pub“-Stimmung kamen und wissen, wohin das führen kann, machten wir uns auf zurück zum Hotel. Wäre sonst schade um das leckere Essen, was kommen sollte …



























