Bei genauerem Hinsehen hat jeder Blog-Eintrag dieses Kurzurlaubs mit einem öffentlichen Nahverkehrsmittel begonnen. Na gut, wenn das so sein soll …
Mit dem Bus ging es in den Stadtteil Fountainbridge, quasi am Fuß des Castle Rocks, gleich um die Ecke vom am ersten Tag besuchten Hanging Bat. Wir mögen es ja sehr, wenn sich Dinge so fügen …
Unsere Wahl ist für den Samstagabend auf das Timberyard gefallen, ein Restaurant, was seit mehreren Jahren die Gourmetszene der Stadt prägt. Chef Bart Stratford schwingt hier den Kochlöffel und soll eine wieder sehr auf lokale Zutaten fokussierte Küche darbieten.
Durch eine rote Tür geht es … nun .. in einen ehemaligen Timberyard, also einem Holzhändler.
Der Speiseraum ist groß und luftig, viel Holz, viel dunkle Töne und dezentes Licht. Große weiß getünchte Ziegelwände und freiliegende Holzbalken geben ein echt schönes und vor allem irgendwie schottisches Ambiente. Die eher skandinavische Keramik passt auch dazu und so setzten wir uns an unseren Tisch, schauten uns das Menu an, wo man zwischen einem 4 Gänge Menü und einem Tasting Menü mit 6 Gängen entscheiden kann.
Als wärmenden Gruß gab es eine Brühe. Sehr passend während es draußen windig, kalt und regnerisch ist.
Die Entscheidung für das Tasting Menü und die Getränkebegleitung war schnell getroffen und der aufmerksame Service schwärmte uns so sehr vom „sparkling wine“ vor, dass wir auch davon zwei Gläser orderten. Währenddessen konnte Jens noch Blicke auf den Pass ergattern. Leider wurde die Tür später, als der noch freie Tisch neben uns belegt wurde, geschlossen.
Das rustikale Ambiente konnte man übrigens auch auf der Toilette bewundern. Wobei … man hier auch eher anderes im Sinn hat.
Los ging es dann mit einer Creme aus Fasanenleber (nicht gestopft natürlich) auf einem schönen Brot. Schöne Präsentation und ein schöner, kräftiger Start in das Menü.
Es folgte eine Auswahl schottischer Meeresfrüchte. Die Garnelen waren uns ein wenig zu trocken, die Austern hätten das Granite nicht gebraucht. Die Miesmuscheln waren dagegen super lecker.
Dazu etwas eingelegtes Gemüse und Zitrus – irgendwie nicht so richtig passend, aber frisch und nicht zu kräftig.
Pluspunkt für das Geschirr übrigens von uns.
Der erste Gang war direkt ein Knaller: Lobster aus Port Seton mit See-Spargel, Lauch und eine schöne Sauce aus Traminer. Und Trüffel weil … nun, muss halt so sein.
Das war echt super lecker und auch die interessante Weinbegleitung gefielen uns immer mehr. Die so manche spannende Wahl boten, wie diesen Catarratto von der italienischen Insel Pantellleria, der uns überaus sehr gut schmeckte.
Gerade auch zum vegetarischen Gang mit wilden und gezüchteten Pilzen. Ja, Jens isst auch Pilze.
Dazu Thymian, Mandeln, Walnuss und wilder Knoblauch. Sehr tief, sehr lecker und gerade mit dem frischen Wein ein echt sehr guter Gang.
Als nächstes dann ein Kabeljau aus Kinlochleven. Ja, dem Ort, wo wir auf dem West Highland Way schon zweimal waren. Scheint auch guten Fisch da zu geben …
Dazu Sellerie, Quitte und Meerrettich. Eine etwas wildere Kombination, die aber auch gut funktionierte. Gerade der perfekt gebratene Fisch verlangte nach mehr. Also … dem nächsten Gang.
Was dann auch schon der Hauptgang war, der in Form einer perfekt zubereiteten Stockente daher kam. Und wo das Fleisch wirklich fast perfekt war, fanden wir die Creme und die Sauce eher nicht so passend. Irgendwie war das zu dünn, zu flach und zu … wenig.
Aber die Ente war sehr gut und so freuten wir uns auf … einen Zusatzgang in Form eines Käsegangs. Der sehr schön auf einem eigenen Tablett präsentiert wurde.
Und von dem sogar Meike etwas probierte. Wenn Jens schon Pilze isst, kann Meike ja auch Käse probieren …
Pre-Dessert war dann eine Zitronat-Zitrone, welche auch als medischer Apfel genannt wird. Wohl die ersten auf dem europäischen Kontinent angebaute Zitrusfrucht.
Schön frisch und nach der Ente ein guter Übergang zum Nachtisch. Bei dem wir dann schon am Weinglas erkannten, was da gleich als Getränk kommt. Kein Wunder bei den Riesling-Gläsern aus den 50er Jahren.
Rhabarbar mit Weizen und einer Pflanze namens „Echtes Mädesüß“, Meadowsweet auf Englisch.
Kannten wir nicht, schmeckte aber. War aber auch keine Offenbarung wie uns, ausgenommen vom Lobster und dem Kabeljau, das ganze Menü zwar natürlich qualitativ sehr, sehr gut in Erinnerung bleib. Aber eben auch keine großen Details, keine Highlights, keine Götterspeisen.
Petis fours gab es natürlich auch.
Und als Jens dann meinte, dass er Interesse an einem Whisky hätte und nachdem er weiterhin ein wenig seinen aktuellen Geschmack beschrieben hatte, bekam er vom Fachpersonal ein echtes Leckerchen serviert.
Die Flasche kostet ca. 130 – 150 Euro. Und insofern ein angemessener Abschluss … Moment, was kommt da?
Mit den Worten „Just a gift from me …“ stellte der Somellier noch ein Glas und noch eine Flasche auf den Tisch.
Und Jens sollte einfach mal probieren. Vermutlich braucht er, genau wie Jens, mehr Platz im Schrank für neuen Whisky.
Besser schmeckte der Longrow, der Whisky der Dornoch Distillery war aber auch nicht schlecht. Und ein guter Abschluss, an den wir uns fast schon eher erinnern werden als an das Menü. Keine Frage, war alles gut aber … naja, eben nicht mehr. Und wenn man in so ein Restaurant geht, erwartet man ja schon was besonderes.
Martin Wishart bleibt für uns weiter auf dem Thron hier in Edinburgh, nachdem das Fhior leider letztes Jahr geschlossen hat.
Durch die Nacht ging es dann zurück, denn wir waren wirklich müde, wollten dem guten Abschluss des Essens nicht noch irgendwas hinzufügen, was uns dann entweder den Abend mit zu viel Alkohol oder vollgefressen beenden lassen würde. Selbstschutz, mehr oder weniger.
Und weil wir, wie eingangs bereits erwähnt, es mögen wenn es sich rund anfühlt, ging es auch mit dem Bus zurück. Der auf dem Rückweg einen ganz schönen Umweg bis nach Edinburgh Park machte. Uns aber egal, wir saßen warm, waren satt und zufrieden.
Und ein bisschen traurig, dass unser Kurzurlaub schon fast vorbei ist.






















