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Restaurant Appare, Köln

Nachdem wir dieses Jahr etwas ruhiger haben beginnen lassen und weniger in der Ferne unterwegs waren (also mal ausgenommen von unserm zweitem Zuhause in Edinburgh), fokussierten wir uns auch kulinarisch eher auf unsere Koch-Wochenenden. Die teilweise echt gut wurden, wie ein paar Beispielfotos zeigen sollen.

Erst einmal unser „Signature Dish“ mit dem dreierlei vom Lachs: Gebeizt, geräuchert und als Tartar. Dazu Guacamole, Radieschen, Curry-Mayonnaise, Limetten-Creme Fraiche und ein Gurken-Relish.

Mit etwas Vorlauf haben wir auch am Osterwochenende wieder einmal in Erinnerung an die Covid-Zeit von einem Sternekoch etwas für zu Hause zum Zubereiten gegönnt. Nicht, wie damals 26 Mal, vom La Societe, sondern vom Ox & Klee. Und eine kleine Bestellung vom Wagyu Sauerland gab es auch noch.

Das vom Ox & Klee war echt sehr, sehr gut: Hamachi, Fenchel, Orange, gepuffter Reis.

Hummer mit Wermut und Liebstöckel-Croutons in einem Spargelsüppchen.

Kalb mit Estragon, Kartoffel-Mille-feuille, Trüffel und Spargel.

Und zweimal Nachtisch: „Snickers“, also Karamell und Erdnuss mit Himbeere. Und ein Ü-Ei Deluxe mit Trüffel, Vanille und Haselnuss. Letzteres war herausragend gut.

Und davon mal abgesehen entdeckten wir auch weitere Kreationen in unseren Kochbüchern, wie dem … viererlei vom Thunfisch. OK, das entstand einfach aus dem Grund, dass wie zu viel Thunfisch hatten …

Aber mal will ja auch nicht immer die Küche sauber machen müssen und so ging es an einem schönen Freitagabend in die Nähe des Rudolfplatzes in dieses Gebäude. Die Gegend ist eher für die LGBTQ+ Community bekannt und hat so manche bekannte und verruchte Lokalität. Nicht so dieses Gebäude und dieses Restaurant, was uns von der Außenfront eher an so eine Boutique erinnerte, die ihre Glanzzeit schon in den 50er Jahre hinter sich hat und trotzdem noch immer irgendwie den gleichen Eigentümer hat.

Mit dieser Einschätzung liegt man aber echt falsch, denn hinter dieser unscheinbaren Fassade befindet sich das Restaurant Appare, in der Chef Hiroyuki Watanabe traditionelle japanische Washoku-Küche modern interpretiert. Stand schon länger auf unserer Liste und jetzt wollten wir es uns endlich mal ausprobieren.

Das Restaurant ist sehr schlicht eingerichtet, viel Schwarz und Metall (gerade die Decke erinnert eher an eine Disko aus den 80ern) und auch sonst nicht so richtig an Japan erinnernd.

Doch wie in Japan sind es die Details, die einem zeigen, dass hier doch sehr authentisch gekocht wird. Beispielsweise die Sake-Karte erzeugte dann doch ein starkes Verlangen die Flugpreise nach Japan zu checken …

Unser Verlangen ging aber eher in Richtung Wein. Wie passend, dass es hier auch Weine aus Japan gibt.

Hierzu etwas Klugsch … Hintergrundwissen: Koshu ist der Name einer Weißweinsorte, die ausschließlich in Japan verbreitet ist. Obwohl die Haut der Beeren rötlich bis rot gefärbt ist, wird sie den Weißweinsorten zugeordnet. Die Anbaugebiete dieser als Nationaltraube Japans geltenden Rebe liegen in den Präfekturen Yamanashi, Yamagata und Okayama, alle im südlichen Teil der Hauptinsel Honshu. Größere zusammenhängende Gebiete sind kaum vorhanden, die meisten Weine werden von einigen wenigen Kellereien von Kleinwinzern mit nur wenigen 100 Quadratmetern Rebfläche aufgekauft. Im Gegensatz zu anderen einheimischen japanischen Reben stammt die Rebsorte von europäischen Reben ab und dürfte über die Seidenstraße zuerst nach China gelangt sein, von wo sie schon lange vor dem Jahre 1000 mit buddhistischen Mönchen Japan erreichte. Schriftlich erwähnt wurde ihr Anbau erstmals im Jahr 1186.

Nächstes Detail: Diese Ablagebänkchen, Hashi-oki, hier für die europäischen Werkzeuge erweitert …

Also: Hier sollte es schon gut werden.

Hier kann kann man aus einem 5 Gänge Menü auswählen, wobei der Gruß aus der Küche, die Vorspeise und Suppe sowie der Nachtisch fix sind und die Vor- und Hauptspeise aus vielen Optionen auswählen kann.

Und wie üblich bekommt man zu Beginn etwas eingelegtes Gemüse. Tsukemono halt. Sehr lecker und eine gute Einstimmung.

Direkt danach die kleine Vorspeise mit einer Miso-Kürbis-Suppe mit Trüffel (als Öl und Streifen). Dazu Zucchini und Rettich mit Lachs und Miso-Mayonnaise.

Was die Vorspeise angeht, so hat sich Meike für den Sunomono-Salat entschieden, der mit Schwertmuschel, Jakobsmuschel und einer Erdbeer-Vinaigrette. Schön arrangiert.

Jens musste quasi der Unter-Austerung entgegenwirken und gönnte sich als Add-on ein halbes Dutzend Austern aus Hiroshima.

Als „richtige“ Vorspeise gab es dann Tempura für Meike …

… und Sashimi für Jens.

Spätestens hier fühlten wir uns dann aufgrund der Präsentation, der Produkte, der Technik und des Service wie in einem Ryokan in Japan. Und überlegten, wann wir nochmal in das Rotemburo / Onsen gehen sollen.

Die Qualität des Fisches, die Schnitte – alles sehr, sehr gut und sehr, sehr japanisch!

Beim Hauptgang ging es dann eher in eine europäische Richtung was die Präsentation angeht. Aromentechnisch war es aber weiterhin Japan auf dem Teller, wie zum Beispiel bei der Entenbrust mit Gemüse und Heidelbeeren-Teriyaki-Sauce.

Oder beim schwarzen Heilbutt.

Beides sehr gut und durch ein weiteren Sake bei Jens auch passend begleitet. Der japanische Wein passte aber auch hervorragend.

Beim Nachtisch dann wieder Standard, weil keine Auswahl. Aber was für eine, denn vom Ost über das Eis bis zur Miso-Mochi-Creme und der kleinen Süßspeise unten rechts, von der wir keine Übersetzung hatten, war alles ein mehr als passender Abschluss des Menüs.

Ach ja, dann musste natürlich noch ein Sake als Abschluss sein. Und gekonnt wurden uns zwei besondere empfohlen.

In der Zwischenzeit waren auch alle Tische belegt und die beiden Damen mussten ganz schon arbeiten, um alle Wünsche an allen Tischen zu erfüllen. Für uns gelang das sehr gut, denn wir waren zufrieden, satt und tauchten so langsam aus der Japan-Blase wieder auf.

Ein echt schönes Restaurant, was einen weiteren Besuch wert ist. Für alle Japan-Fans, die das Geld ausgeben wollen und können, eine echte Empfehlung.

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