Nachdem wir uns ein wenig ausgeruht haben, zogen wir ein paar schickere Sachen an und bestellten ein Bolt auf die andere Seite der Düna und fuhren, vorbei an der beeindruckenden lettischen Nationalbibliothek vorbei und in einen kleinen Vorort Rigas.
Dort in einem ehemaligen Lagerhaus befinden sich zwei Restaurants: Das Bistro Kice und das Restaurant Max Cekot.
Zu letzterem gehörte auch dieses Gewächshaus, was schon direkt zeigte, das hier vor allem florale und kräuterige Küche zu erwarten war.
Wir freute uns sehr, denn das mit einem Michelin Stern gekrönte Restaurant war unsere Wahl für den heutigen Abend gewesen. In ein paar Blogs wurde lobend über die kreative, lettisch-nordische Küche mit asiatischen Anleihen gesprochen und für etwas experimentelles sind wir ja meistens zu haben. Außerdem soll die Weinliste sehr gut sein, also konnten wir uns den Abend im Zweifelsfall auch schön trinken. Spoiler: War nicht nötig!
Nach der freundlichen Begrüßung wurden wir in einen kleineren Bereich im ersten Stock geführt. Spannend auch, dass die ganze Küchencrew Spalier stand und uns ebenfalls begrüßte. Wir wurden in einer bequemen Ecke platziert und Jens stöberte erst einmal in den Kochbüchern, die dort standen. Von denen wir drei ebenfalls haben, unter anderem das graue Noma Buch, und uns an so manchen Rezepten mal mit mehr und mal mit weniger Erfolg versuchen.
Hier oben sollte es also einen Aperetiv und die Grüße aus der Küche geben.
Dazu gab es eine Auswahl aus vier Champagner, von denen uns eigentlich alle interessiert hätten. Ungewöhnlich, da wir eigentlich nicht so die Champagner-Fans sind. Ausgeschenkt wurden ein Gosset Celebris Rosé 2008 (für Meike) und ein Leclerc Briant Abyss 2017 (für Jens). Und das mit Stil!
Dazu ein kühlendes Tuch und schon saßen wir alleine und genossen den ersten Kontakt mit dem Service, welcher im Laufe des Abends auf diesem hohen, sehr freundlichen Level bleiben sollte.
Irgendwo muss auch eine Kamera sein, denn als wir den ersten Schluck der Champagner … Champagners … zwei Schaumweine gekostet hatten, gab es den ersten kunstvoll angerichteten Gruß aus der Küche. Und das Gewächshaus vor der Tür zeigte mal, was es so kann, denn zu der Gelbschwanzmarkrele, dem Hamachi, gesellte sich Spargel, Salbai und Gurken-Minze. Serviert wurde das Ganze in einem eher festen Schälchen aus Roter Beete.
Aber super lecker! Weiter mit einem ersten Highlight, zumindest für uns: Flusskrebs mit geräuchterten Heilbutt eingewickelt in leicht fermentierten Kürbis.
Das war der Knaller: Überraschend feste Rolle, dezente Flusskrebse die durch den eingearbeiteten Heilbutt eine rauchige Note bekamen ohne ihre Saftigkeit zu verlieren. Wirklich hervorragend!
Weiter mit einem wirklich nordisch-hanseatischen Gang, zumindest unserer Erfahrung nach: Junge Erbsen, Störkaviar und Tahon-Kresse. Einfach, klar, lecker!
Was die Kreativität angeht, so waren die bisherigen 3 Amuse Bouche alle sehr gut. Und Nummer 4 war da nicht anders, denn das trockengereifte Bisonfleisch mit roter Johannesbeere und Buchweizen war super lecker. Auch wenn der „Pfannkuchen“ überraschend weich war, passte das super zusammen.
Und die Blümchen bei jedem Gang erwähnen wir jetzt nicht jedes Mal, aber dadurch hatte man immer ein frisches Aroma dabei. Teilweise etwas süßer, teilweise etwas bitterer, aber immer merkbar.
Wir überlegen in solchen Momentan ja immer, ob man nicht einfach drei Mal die Grüße bekommen könnte, einmal Nachtisch und gut ist. Das hat richtig gut eingestimmt, wir fühlten uns einfach sehr, sehr wohl. Der freundliche Service, der auch an den anderen Tischen Stück für Stück Apparative und kleine Köstlichkeiten serviere, tat sein Übriges dazu.
Weiter ging es mit Tartar vom Wild, Kaviar und Ziegenkäse. Das Fleisch überhaupt nicht gewürzt, alle Salzigkeit kam vom Kaviar und dem frischen Ziegenkäse.
Ist doch einfach, oder?
Damit war aber Ende, zumindest an diesem Ort – unsere Service-Dame bat uns einmal die Treppe hinab, an der Küche vorbei und hinauf in den Hauptspeiseraum. Wo wir an einem schönen Tisch in der Ecke mit Blick auf die Küche und die anderen Tische gesetzt wurden.
Die Getränkefrage musste ja noch geklärt werden und angesichts der Weinkarte wollten wir lieber in 2 gute Flaschen investieren. Die Premium-Weinbegleitung sprach uns tatsächlich auch eher nicht an, dafür haben wir zu wenig Ahnung von richtig gutem Wein.
Dem Sommelier wurde die Aufgabe erklärt (2 Flaschen, Range zwischen 100 bis 150 Euro, was spannendes und Fokus auf dem ersten Wein) und schon kamen 3 Flaschen an den Tisch aus denen wir auswählen durften.
Ein Sancerre sollte es dann sein, der zu den ersten Gängen des Menüs passen sollte. Und schon beim ersten davon zeigte sich: Stimmt!
Auf dem schönen Teller fanden wir gelbe Tomaten, Verbene und ein Sorbet aus roter Johannesbeere. Ist halt gerade Zeit dafür. Der Gang war schön balanciert, nicht zu sauer, nicht zu süß, allerdings fehlten uns etwas die festeren Komponenten dabei. Aber sehr rund und lecker.
Kreativer wurde es dann beim nächsten Gang, denn der basierte, wie wir später von Chef Cekot erfahren würden, auf einer Kreation seiner Tochter im Urlaub. Die aß einfach Zwiebeln mit Erdbeeren und meinte, dass das lecker sei. Die „Erwachsenen-Variante“ vom Sternekoch zeigte, dass auch das stimmt.
Sehr kreativ, saftige Erdbeeren, sehr süffige und kräftig eingelegte bzw. gekochte Zwiebeln da drunter und ein schöner Kringel aus gezuckerten Zwiebeln aufliegend – sehr cool!
Dem folgte, wie schon im Humble Chicken, ein Brotgang. Wobei hier erst am Tisch ein Pesto frisch angerührt wurde, was dem ganzen ein kleines bisschen „Showkitchen“ brachte. Aber das Ergebnis war sehr lecker, wenn auch etwas öliger als unsere Pestos.
Dann folgte wieder ein Highlight: Langustine mit Kürbis. Der kleine Zehnfußkrebs kam einerseits mit dem Rücken und seinen zwei Scheren daher, in denen das Scherenfleisch mundgerecht reingelegt war. Der herzhafte und super vollmundige Kürbissud passte da wirklich gut und mit den bitteren Blüten wurde ein rundes Bild erzeugt, was genau in unser Beuteschema passte. Also dem kulinarischen …
Als nächstes folgte, in im Gegensatz zu vielen der letzten Gourmet-Essen wieder angenehmeren Abständen, in einem Rhabarbat-Blatt eingewickelter Heilbutt. Dazu Zucchini und ein schöner Sud, den Heiko Antoniewicz als „Umami Stufe 5“ bezeichnet hätte.
Dazu Schnittlauchöl und es sah schön aus und schmeckte auch so.
Vielleicht die einzige Art von Kritik: Viele der Gänge waren für uns eher im Herbst verortet und daher bei 30 Grad zu warm von der Aromatik her. Aber gerade die vielen Blumen und Kräuter brachten da noch andere Töne mit ein, sodass es auch wieder irgendwie passte. Klingt komisch, aber genauer können wir es nicht beschreiben.
Was wir gut beschreiben konnten, ist der Wunsch nach einer zweiten Flasche Wein. Auch hier wurden uns drei Flaschen angeboten und wir wählten einen Sizilianer vom Weingut Mazzei. Genauer einen Castello Fonterutoli, ein Chianti Classico Gran Selezione DOCG.
Ein Träumchen. Genau wie, tut uns leid wenn wir uns wiederholen, der nächste vegetarische Gang mit Pfifferlingen, Trüffel und Strandflieder. Wilde Kombination aber vollmundig und überraschend komplex. Der Trüffel ging sogar etwas unter.
Dann wurde es Zeit für den Hauptgang, der uns auch im quasi Rohzustand präsentiert wurde: Wachtel, gegrillte rote Beete (links), gegrillter Apfel (mittig) und diverse Kräuter. Und noch Topinambur.
Im fertigen Zustand sah das dann wie die Taube im Humble Chicken aus: Die Brust wurde mit Himbeeren, einem sagenhaft süffigen Sud und bitteren Blättern in der Mitte platziert. Oben rechts die ausgenommenen Beine der Wachtel eingewickelt in ein leicht blanciertes Blatt Kohl. Und oben links dann die Topinambur in einem Sud aus roter Beete und Himbeeren.
Und von dem Sud hätten wir einfach nur eine Flasche haben wollen und was Brot. Nun gut und vielleicht was von der Wachtel. Aber vor allem den Sud – der hatte es uns sehr angetan. Süß, herzhaft, kräftig, farblich an But erinnernd, mit viel Umami – keine Ahnung, wie die das gemacht haben. Und auf Nachfrage wollte uns auch niemand das Rezept verraten …
Nachdem wir leider den Hauptgang viel zu schnell aufgegessen haben, war Zeit für das Pre-Dessert. Wieder schön angerichtet erfüllte es genau den Zweck, den es hat: Die Geschmacksknospen zurück zu setzen und etwas runter zu kommen. Buttermilch, Sanddorn und wieder Erdbeeren wurden als kleine Kügelchen serviert und erzeugten so einen angenehmen Säure-Süße-Kick und mit der Kälte auch genug Frische, um sich dann dem Nachtisch widmen zu können.
Der kam überraschend einfach aussehend daher, die Kombination von Geißblatt und weißer Schokolade war dann doch überraschend.
Es war lecker, wurde aber von den anderen Gängen dann doch deutlich überholt. Der Nachtisch war der am wenigsten leckere Gang in einem Menü mit doch mehreren Highlights.
Wir tranken dann noch unseren Wein aus und wurden dann gefragt, ob wir Interesse an einem kleinen Rundgang hätten, wir scheinen ja Interesse zu haben.
Natürlich!
Die offensichtliche Frage von Jens, ob er hierbleiben dürfe, wurde gekonnte überlächelt. Irgendwann im Menü wurden wir übrigens gefragt, ob wir „aus dem Business“ wären. Wir brachten unseren Spruch mit „ambitious amateures“ und sagten, dass wir einfach nur gerne gut essen. Was wir hier ohne Zweifel gemacht haben, sowohl Service, Menü als auch das Ambiente waren wunderbar und wir werden uns noch lange daran erinnern.
Ach ja, die Führung ging auch durch die eher nicht alltäglich zugängliche Räume – keine Ahnung, ob die das für alle machen, aber wir fühlten uns dadurch schon speziell.
Abschluss dann im dritten Raum: Hier wird das finanzielle geregelt, hier lässt man das Menü Revue passieren und hier … naja …
Mit dem Blick kann doch wirklich niemand widerstehen.
Besonders Jens, dessen themenbezogen sehr gut funktionierenden Augen gleich mal ein paar interessante japanische Whiskies entdeckten. Meike wollte was eher Likör-artiges und so wurden unsere beiden Wünsche erfüllt.
Natürlich gab es auch ein paar Petit Four und natürlich haben wir wieder vergessen, was das alles war. Aber es war lecker.
Und so ging der Abend im Max Cecot zu Ende. Mit einem Bolt ging es dank dynamic pricing für 5 Euro zurück zum Hotel (wenig los am Donnerstag Abend) und dort lösten wir noch leichtsinnigerweise den Gutschein für die Hotelbar ein.
Jens verlor beim Schach sehr deutlich und das Bier schmeckte nach diesem Essen auch nicht wirklich und wurde stehen gelassen.
Denn das schnöden Bier wurde dem Erlebten nicht gerecht. Ein wunderbares Restaurant, wunderbare Gastgeber und ein Abend, den wir, wie gesagt, noch lange in Erinnerung haben werden.







































