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Das Nationalmuseum in Reyklavik

Ein neuer Tag in Reykjavik im September. Und dieser begann mit einem schönen Dauerregen, weswegen wir uns mehr so auf die Indoor-Aktivitäten fokussiert haben. Als erstes auf unserer Liste stand das Nationalmuseum Islands in Reykjavik. Und da wir uns ein wenig bewegen wollten, sind wir einfach vom Hotel aus zu Fuß da hin gegangen.

Wieder am Ingolfur Square vorbei, den wir damit schon zum 3. Mal innerhalb von nicht ganz 12 Stunden passieren.

Außerhalb der Innenstadt mit ihren Geschäften, Bars und Restaurants und noch nicht in den neuen „Trabantenstädten“; die in den letzten Jahren gebaut wurden, sieht Reykjavik mehr so aus.

Gut, der Regen macht jetzt auch die grauen Häuser mit ihrem abbröckelnden Spritzbeton nicht gerade freundlicher. Im Ganzen ist Reykjavik eben doch eine Kleinstadt, wo eine ganze Weile wenig Geld zur Verfügung war. Und dementsprechend sieht es auch hier und da aus.

Das Nationalmuseum macht da keine Ausnahme, wobei die Ampel und die grauen Gebäude uns dann doch sehr stark an „Granite City“, also Aberdeen, erinnert haben.

Aber Schottland werden wir erst wieder nächstes Jahr besuchen können und jetzt genießen wir erst einmal … das sauige Regenwetter Islands.

Das Museum selber kostet Eintritt, man kann aber dafür auch fotografieren und seine (nassen) Sachen in Schränke schließen. Und so geht es durch die verschiedenen Ausstellungen, wobei wir zuerst aufgrund leichter Orientierungslosigkeit in einer Fotografien-Ausstellung geraten sind.

Mit aber teilweise sehr schönen Bildern, die wir hier aber nicht einstellen wollen – dafür dann doch bitte beim Künstler bezahlen.

Der eigentliche Grund für uns war aber die Geschichte Islands, die hier gezeigt wird. Das Museum selber war jahrelang im Dachgeschoss der Nationalbibliothek untergebracht und residiert erst seit 1950 hier in diesem Gebäude. Aufgeteilt ist das Museum in 2 Ebenen, beginnend mit der ersten Besiedelung Islands 870 nach Christus durch den schwedische Wikinger Gardar Svavarsson. Wobei auch römische Münzen auf der Insel gefunden wurden aber bislang nicht klar ist, ob durch Römer selber oder durch die Wikinger.

Seit 900 nach Christus gibt es Handelsbeziehungen mit Deutschland. Während andernorts in Europa die Länder als Monarchien regiert wurden, wurde Island als einzige Nation mit einem oligarchischen Gesellschaftssystems verwaltet. Nach der Demokratie im Griechenland des Altertums ist das Althing als Versammlung gleichgestellter Bürger eines der ersten parlamentarischen Systeme in Europa. Es gab aber auch viele Unfreie, welche genau wie Frauen und Kinder nicht an der Gesetzgebung teilhaben durften.

Um das Jahr 1000 beschlossen die Isländer durch das Althing in Þingvellir die Annahme des Christentums, was zu einigen Kirchenresten aus dieser Zeit führte.
Verwaltungstechnisch kam Island 1262 unter norwegische Herrschaft. 1380 kam wiederum Norwegen unter dänische Herrschaft, womit Island faktisch unter der dänischen Krone regiert wurde.

Im Jahre 1552 wurde in Island auf Anordnung des dänischen Königs Christians III. die Reformation durchgesetzt. Im Museum wurden daher auch einige sehr christliche Ausstellungsstücke gezeigt, welche vorwiegend aus der Zeit der Reformation stammten.

Vieles, was man heute über das Leben auf Island weiß, wurde durch die geologische Gegebenheiten erst möglich gemacht. Ähnlich wie in Pompeji wurden auch die Isländer von einem Vulkanausbruch am Berg Hekla so überrascht, dass man bei Ausgabungen noch quasi die Menschen bei der Verrichtung alltäglicher Tätigkeiten finden konnte. Und so darauf schießen kann, wie sie gelebt haben.

Ein Highlight der Ausstellung ist die „Valþjófsstaður door“, eine Holztür aus dem Mittelalter (etwa 1200), welche eine Saga-Version der Geschichte des Löwen und Ritters darstellt. Eine der ältesten Darstellungen einer isländischen Saga, die es gibt.

Ebenfalls sehr alt, aber eher aus beruflichen Gründen von Interesse: Die Bibel von Gudbrandur, das älteste isländische Buch, welches vom Bischof Jon Arason 1530 nach Island gebracht wurde (mittels einer schwedischen Druckerpresse).

Spannenderweise mussten alle Kirchen eine der 500 Kopien der Bibel kaufen und somit den Druck finanziell unterstützen. Im Gegensatz zu vielen anderen Regionen wurden die Bibeln hier von Anfang an in isländischer Sprache gedruckt.

Die erste Etage wurde mit ein paar Ausstellungsstücken von mittelalterlichen, isländischen Häusern abgeschlossen.

Und von einer Sonderausstellung zur Ausgrabungen einer alten, isländischen Siedlung in Hofstaðir im Norden der Insel, welche wir sehr interessant fanden.

Erstmals Anfang des 20. Jahrhunderts entdeckt, finden hier bis heute Ausgabungen statt und man hat ein Langhaus, sowie diverse andere Gebäude entdeckt und konnte hierüber wieder einen Rückschluss auf das Leben der damaligen Menschen ziehen.

OK, dass sie Windschweine reiten, war nur ein Ergebnis unserer Fantasie. Wobei das Schwein anscheinend schon weiß, welches Schicksal es erwartet.

Spannend waren die Analysen der DNA Überreste, die gefunden wurden. So konnte man nachweisen, welches Essen die Menschen damals vorwiegend zu sich genommen haben und welche Krankheiten kursierten.

3 menschliche Skelette konnten als „Ausländer“ identifiziert werden, da ihre Knochenstruktur komplett anders war, als die der übrigen Bewohner der Siedlung.

Auch heute noch finden hier Ausgrabungen statt und wir haben uns das mal auf die Agenda gesetzt, denn so etwas finden wir ja interessant.

Die zweite Etage war dann vom Ende des 16. Jahrhunderts bis mehr oder weniger in die Neuzeit. Wobei wir damit jetzt auch in die dunklen Zeiten mit Hexenglauben und so weiter eintreten.

Nicht, dass die Isländer so etwas gemacht hätten. Aber die Pest hat dann doch schon einige Opfer gefordert und einige Siedlungen sind dadurch komplett ausgelöscht worden. Spannenderweise waren 10 Jahre nach der Pest schon 60% aller durch die Pest verlassene Farmen wieder in Betrieb gewesen.

Apropos Farmen: Davon wurde auch viel ausgestellt. Zum Beispiel eine Tür am Stall, wo die Farmer ihre Brandeisen ausprobiert haben.

So langsam kommen wir dann auch in die Neuzeit. Ab dem 18. Jahrhundert begannen Wissenschaft und Fortschritt Einzug zu halten. Dänische Mönche begannen Schulen zu bauen und die Bevölkerung recht breit mit Schulbildung zu versorgen. Was sich auch in der intellektuellen Entwicklung des Landes bemerkbar machte.

Den Abschluss der Ausstellung machte dieses „Gepäckband“, auf dem ab den 50er Jahren Dinge des alltäglichen, isländischen Lebens zu finden waren. Wie diese gruselige Marionette, die aber alle Isländer wohl kennen sollten.

Gelobt sei die Maus und die Sesamstraße! Und Hallo Spencer …

Aber es war schon sehr interessant, was da so herumlag. Beispielsweise Dinge wie das erste Album von Björk. Was zu unserer Überraschung schon 1978 (!) auf den Markt kam.

Wieder beruflich geprägt: Ein erster IBM Personal Computer mit Shortcut-Anleitungen für DOS und Word Perfect.

Eine kleine, aber feine Ausstellung, die eine schöne Übersicht über die isländische Geschichte gibt. Kurzweilig und mit einigen Anekdoten angereichert – definitiv ein Besuch wert. Auf jeden Fall bei einem regnerischen Tag.

Passend für das Island, was wir in den letzten Tagen kennengelernt haben: Die Anstecker, welche als eine Art „Eintrittskarte“ verwendet werden, werden recycled.

Danke! Sehr schönes Museum!

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