Für den ersten Abend hatte sich Jens ein wenig durch die aktuelle Food-Szene in Edinburgh geklickt, sich durch Blogs, Listen und Empfehlungen gesucht und dabei ein Restaurant entdeckt, was tatsächlich im relativ touristischen New Town, genauer gesagt in der Thistle Street liegt. Also mit der Tram in die Stadt und einmal über die George Street, die wie immer schön anzusehen war. Auch wenn es diesen Donnerstag Abend im Januar erstaunlich ruhig hier war.
Im Sommer ist es hier voll mit den ganzen Pubs, Clubs, Comedy Venues und so weiter. Unser Ziel war gut erkennbar und wir kamen pünktlich zu unserer Reservierung an.
Das Noto gehört Chef Stuart Ralston, der den Namen des Restaurants seinem WG-Mitbewohner in New York, dem Fotografen Bob Noto, widmete. Ihm gehören auch noch zwei weitere Restaurants in Edinburgh, darunter das mit einem Stern ausgezeichnete Aizle, was auch auf unserer Liste steht. Für ein nächstes Mal.
Getränketechnisch gaben wir uns in die Hände der Kellnerin, die uns einen Wein von Miles Moospo aus Stellenbosch ans Herz legte, ein Cuvee aus Chenin blanc, Clairette blanche, Grenache blanc, Viognier und Verdehlo. Eine gute Begleitung zu Meeresfrüchten, Fisch und so weiter.
Essenstechnisch bestellten wir einfach quer durch die Karte, die Preise rangierten zwischen 9 und 32 britischen Pfund. Beginnen wir mal mit dem 9 Pfund Essen: Bing Bread (ein chinesisches Brot aus Weizenmehl) mit Sojasauce und Sesam. Dazu eine Tofu-Creme mit „Böse Tanten Sauce“ und eine Sour Cream Butter.
Schwer zu Essen das Brot, aber sehr fluffig und mit der Sojasauce sehr herzhaft. Die Butter und die Creme waren sehr unterschiedlich, passten aber beide dazu.
Das Restaurant selber ist sehr minimalistisch eingerichtet, beschrieben wird es als „New York Style restaurant“, was immer das bedeuten mag. Eine größere Gruppe Damen war recht laut und durch die kahlen Wände war nichts da, was den Schall schlucken konnte – aber nach einer Weile hatte man sich daran gewöhnt.
Den ersten Gang hatten wir schon vorab gesehen und uns war klar, dass wir diesen bestellen würden: Krabbenfleisch aus der Nordsee mit einer fantastischen Buttersauce und einem Focaccia.
Sehr wärmend, sehr vollmundig und mit Schnittlauch und Dill auch recht kräuterig. Fantastisch!
Der nächste Gang war eher in der Kategorie „Hatten wir schon einmal besser“: Tartar mit schwarzem Knoblauch, Zwiebeln, Bohnenkraut und einer Art „Reistaler“.
War lecker, aber irgendwie war die Kombination aus dem klassischen Tartar und Reis war nicht so unseres.
Beim Adlerfisch-Sashimi mit Rhabarber Ponzu und Sansho Öl waren wir dann aber wieder voll bei der Sache. Gerade das Öl hatte sehr viel Geschmack, überlagerte den Fisch aber nicht – schöne Kombination.
Den dritten Teller hatte Meike sofort im Auge. Was für Jens inzwischen die Austern sind, ist bei Meike Okonomiyaki! Hier mit recht dickem Teig und einem recht weichen Oktopus, dafür mit einer Handvoll Katsuobushi und einer schönen Majo.
Bei der BBQ Sauce bevorzugen wir aber die Fertig-Sauce, die wir zu Hause haben – sorry … 😉
Erster von zwei Hauptgängen, die wir geordert haben: Heilbutt mit einer sehr reichhaltigen Bisque und selbst hergestellter XO Sauce. Der Heilbutt war als Rolle pochiert und mit ein paar Kräutern gewürzt.
Der Jahreszeit angemessen ein sehr wärmendes Gericht von der Aromenwelt her – sehr lecker und ein „Löffel-Gericht“, also ein Gericht, wo man gerne einfach mit dem Löffel reinlangt und alles auf einmal in den Mund befördert.
Mit 32 britischen Pfund dann der teuerste Gang des Abends: Flat Iron Steak mit einer Kimchi Hollandaise, Rösti und einem frittierten Maitake Pilz.
Das Fleisch war gut, aber nicht so gut wie wir gehofft hatten. Dafür war tatsächlich der Pilz und die Hollandaise der Hammer – sogar für Jens.
Danach gönnte sich Jens noch ein Glas Rotwein und Meike trank den Weißwein aus und wir quatschten noch ein bisschen mit der Kellnerin. Und dann reichte es auch für den ersten Abend, denn morgen würden wir relativ früh aufstehen müssen. Also früh für einen Urlaub.
Also ab zur Tram und zurück nach Edinburgh Park.
Gesättigt, zufrieden und glücklich hier zu sein.












