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Ab in die Vergangenheit von Meike nach Eastbourne

Heute war der letzte volle Tag in London, morgen sehr früh würden wir vom „Städteurlaub-Modus“ auf den „Sonnenurlaub-Modus“ wechseln und von London über München und Athen nach Herklion auf der Insel Kreta fliegen. Und weil der Flug ab Heathrow sehr früh geht, hatten wir uns ein Hotel am Flughafen Heathrow gegönnt. Als hieß es heute erst einmal: Koffer packen, auschecken und die Koffer hier im Hotel deponieren. Unser Plan war mit der Bahn in den Süden Englands in die Seebäder Eastbourne und Brighton zu fahren, dann wieder zurück nach Canary Wharf, Koffer abholen und via Paddington mit der Elizabeth Line und dem Heathrow Express (der ebenfalls im BritRail Pass enthalten ist) zum Flughafen.

Soweit der Plan, jetzt erst einmal der erste Schritt: Koffer packen, auschecken und Koffer abgeben. Und dabei zum letzten Mal den Ausblick genießen.

Dann ging es, auch um ein wenig die Wegstrecke zu optimieren (nicht die Fußstrecke, heute würden es auch wieder 16.000 Schritte werden) zum futuristischen Bahnhof der Jubilee Line.

Vorher noch etwas Sonne tanken und ein bisschen die ganzen Angestellten der umliegenden Bürogebäude bemitleiden. Ein bisschen mussten wir uns auch zurückhalten, um nicht jeder und jedem kundzutun, dass wir morgen nach Griechenland fliegen.

Mit der Jubilee Line ging es eine Haltestelle in Richtung Innenstadt. Gut, angesichts der vollen Züge, denn man merkte, dass diese Tube-Linie im Jahr etwa 280 Millionen Passagiere befördert.

Auch immer wieder faszinierend: Das Schlangestehen der Briten, was ihnen genetisch schon in die Wiege gelegt wurde, so scheint es.

Einmal umsteigen in Richtung der Overground Line, genauer der Windrush Line, die uns nach Clapham Junction bringen soll. Die Overground, quasi die S-Bahn Londons, wurden ja vor einiger Zeit mit Namen versehen, um die verschiedenen Linien unterscheiden zu können. Die Windrush Line führt von Highbury & Islington (da wo Jens die devoxx hatte) bis nach Croydon im Süd-Osten oder eben Clapham Junction im Süden. Letzteres war unser Ziel heute. Die Züge vorher waren zwar auch recht voll, allerdings nicht einmal annähernd so voll wie die der Tube.

Anfangs mussten wir noch stehen, nach ein paar Haltestellen durch die südlichen Stadtteile Londons waren dann aber auch Sitzplätze frei.

Etwas Aufregung gab es dann, als eine Dame wohl in den Zwischenraum zwischen Zug und Bahnsteig getreten ist und leider mit ihrem Kind stürzte. Man hörte nur ein lautes „Oh F**k! Jesus!“ und schon stürzten 5 Leute hin und halfen der Dame und ihrem Kind wieder auf. Auch der Fahrer (wir waren im ersten Waggon) kam dazu, es schien aber so, als wäre außer einem riesigen Schrecken nichts passiert. Zumindest saß die Damen, als wir dann nach ein paar Minuten abfuhren, auf der Treppe und weinte nur, aber immerhin: Sie saß.

Nach etwa einer halben Stunde insgesamt kamen wir dann in Clapham Junction an. Einem Bahnhof, den Meike und Jens schon 2009 (!) besucht haben, denn mit seinen 17 Bahnsteigen und 180 Zügen pro Stunde ist dies einer der geschäftigsten Bahnhöfe im Vereinigten Königreich.

Die Rush-hour war schon fast zu Ende und die Touristen sowie die Nachzügler übernahmen das Bild.

Gut für die Orientierung ist, dass jeder Bahnsteig beziehungsweise jedes Gleis für eine Richtung steht und man nicht spontane Gleiswechsel (huhu, deutsche Bahn und SNCB und SNCF …) über sich ergehen lassen muss.

Von hier aus geht auch die Brighton Main Line ab und genau die brauchten wir, denn einmal pro Stunde gibt es hier Züge direkt in den Ort Eastbourne. Zur Stärkung noch ein kleines Frühstück in Form eine Bretzel. Ernsthaft …

War mit der süßen Zwiebel sogar gar nicht mal so schlecht. Und währenddessen konnte man die Züge ein- und ausfahren sehen.

Und dann kam auch unser Zug der Southern Line an, der unter dem Label „Gatwick Express“ nach Eastbourne fahren soll.

Wir richteten uns für die 1 1/4 Stunde dauernde Fahrt ein und bezogen die direkt vorne liegende erste Klasse. Die von uns mal abgesehen völlig leer war.

Und so saßen wir da, hörten Musik oder Hörbücher und genossen die Landschaft.

Zu Beginn gab es nicht weniger als sechs verschiedene Gesuche ebenso vieler Gesellschaften, eine Eisenbahn zwischen London und Brighton zu bauen. Am 15. Juli 1837 setzte sich schließlich die London and Brighton Railway durch und musste ausgehend von der bestehenden London and Croydon Railway eine Strecke in Richtung Süden bauen.

Der erste Abschnitt, der eröffnet werden konnte, war am 12. Mai 1840 die Zweigstrecke zwischen Brighton und Shoreham-by-Sea (das gesamte Baumaterial war per Schiff hierher transportiert worden). Am 12. Juli 1841 folgte der Abschnitt vom Bahnhof Norwood Junction nach Haywards Heath. Der letzte Abschnitt der Stammstrecke von Haywards Heath nach Brighton konnte am 21. September 1841 in Betrieb genommen werden.

Auf dieser Strecke ereignete sich auch der bis dato schwerste Eisenbahnunfall in Großbritannien, denn 1861 stießen im Clayton-Tunnel ein zurücksetzender und ein durchfahrender Reisezug zusammen, was tragischerweise in 23 Tote und 176 Verletzten resultierte. Im Jahr 1929 war das gesamte Streckennetz der Southern, die in der Zwischenzeit den Betrieb hier übernommen hatte, auf Stromschienenbetrieb umgestellt.

Irgendwann bogen wir von der Hauptlinie auf eine kleine Nebenlinie ab, die uns zur East Coastway Line brachte, welche Brighton mit Eastbourne verbindet. Und kurze Zeit später standen wir im Kopfbahnhof von Eastbourne.

Eastbourne ist ein Seebad am Ärmelkanal in der Grafschaft East Sussex in England, Vereinigtes Königreich. Mit einer Einwohnerzahl von rund 100.000 ist Eastbourne die zweitgrößte Stadt der Grafschaft und liegt am Rand der sogenannten South Downs, einer hügeligen Kreidelandschaft in den Grafschaften East Sussex, West Sussex und Hampshire im Süden Englands. Geschützt durch Felsen und Hügel zählt Eastbourne zu den Orten Englands mit den meisten Sonnenstunden im Jahr. Die Stadt nennt sich selbst gern „The Sunshine Coast“, was gleich am Bahnhof deutlich gezeigt wurde.

Der Bahnhof wurde bereits 1849 eröffnet und erzeugte bei uns direkt ein schönes, luftiges Gefühl mit dem Glasdach.

Unser Ziel war aber die Seafront, denn im Jahre 1998 war hier an einer Sprachschule eine junge Schülerin aus Köln und probierte ihr Englisch aufzupolieren. Den Erzählungen nach wurde die Zeit zwar mehr in diesen Penny-Spielhallen, am Strand und in einer Disco die Zeit verbracht, aber naja. Und heute wollten wir mal schauen, woran sich Meike noch erinnert.

Wobei man sagen muss, dass sich Eastbourne auch stark verändert hat, denn obwohl es Gewerbe- und Industriegebiete in Eastbourne gibt, ist die Stadt vorwiegend ein Badeort, der seine Einnahmen aus dem Tourismus bezieht. Als solcher leidet die Stadt unter der allgemeinen Tendenz der Briten, Urlaub im Ausland zu machen.

Die Stadt hat vier Theater, zahlreiche Parkanlagen, einen Konzertpavillon (Bandstand an der Strandpromenade) und einige Museen. Das Zentrum der Tourismusbranche ist allerdings mit Sicherheit ein acht Kilometer langer Kiesstrand mit drei terrassenförmig angelegten Promenaden. Die oben gelegene Uferpromenade wird von Hotels und Pensionen im viktorianischen Stil gesäumt. Geschäfte sind dort nicht zu finden, weil William Cavendish, 7. Duke of Devonshire, dem große Teile Eastbournes gehörten, den Umbau der Hotels verboten hatte. Zum historischen Aussehen der Stadt trägt auch der im Jahr 1870 eröffnete, 304 Meter lange und 20 Meter breite Pier bei, auf dem sich Unterhaltungs- und Vergnügungseinrichtungen (u. a. die Diskothek Atlantis und eine Blue Saloon genannte Spielhalle) befinden. Der Blue Saloon brannte jedoch am 30. Juli 2014 vollständig ab und verhinderte danach den Zugang zum Pier. Ein im Stil ähnlicher Pier befindet sich auch im westlich gelegenen Seebad Brighton. Zu den weiteren Sehenswürdigkeiten in Eastbourne gehört der 1935 erbaute, am Strand gelegene Orchesterpavillon „Bandstand“.

Mit Google Maps und ein paar Erinnerungen von Meike ging es in Richtung Strand.

Als erstes kam der historische Bandstand in Sicht.

Und dann die Seebrücke. zwischen 1866 und 1872 von dem Architekten Eugenius Birch erbaut. Der Pier wurde am 13. Juni 1870 durch Lord Edward Cavendish eröffnet und in den folgenden Jahren um Vergnügungsstätten, Cafés und Imbissstände erweitert. Das am hinteren, seewärtigen Teil befindliche, aus der Zeit der Jahrhundertwende (1899–1901) stammende Gebäude mit Theater sowie einer Bar und einer Camera obscura brannte im Jahr 1970 ab. Nach dem Wiederaufbau des Gebäudes wurde es u. a. für einen Nachtclub genutzt. Die Camera obscura wurde im Jahr 2003 rekonstruiert und durch eine neue Treppe zugänglich gemacht. Die Anlage steht unter Denkmalschutz.

Erinnerungen!

Das Wetter spielte auch einigermaßen (also für britische Verhältnisse) mit.

Die Slot Machines waren wohl andere, allerdings immer noch interessant.

Aber auch ohne Erinnerungen war dies ein schöner Ort.

Eine offene Spielhalle mit den in einem britischen Seebad zu erwartenden Spielen fanden wir auch und schauten uns natürlich mal um.

Die Spiele, die uns interessierten, waren allerdings … krank.

Also einfach raus und die Seeluft um die Nase wehen lassen.

Eastbourne wird von vielen als Ort für ältere Menschen angesehen, weil es früher als Alterswohnsitz sehr beliebt war. Dieser Ruf ist heute aber nicht mehr gerechtfertigt, da die Stadtentwicklung in jüngerer Zeit vermehrt darauf abzielte, junge Familien mit Kindern anzuziehen. Dazu gehörte beispielsweise die Sicherung einer ausreichenden Schulversorgung.

Die Stadt ist eine beliebte Kulisse für Film und Fernsehen: So kommt sie in der Fernsehserie Little Britain vor, zudem wurde der Film „Tagebuch eines Skandals“ mit Cate Blanchett und Judi Dench teilweise in der Stadt gedreht, weiterhin auch Teile der Filmreihe Harry Potter.

Und gerade in der Innenstadt, das zeige unser Rückweg zum Bahnhof, wird sehr, sehr viel gebaut.

Ein netter kleiner Ort, der allerdings schauen muss relevant zu bleiben. Hoffen wir mal, dass es Eastbourne gelingt.

Für uns ging der Weg dann weiter nach Richtung Brighton.

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