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Straßenbahn, Stadion und spontane Umbuchung

Dafür das wir gestern eigentlich nur noch Cola getrunken und Süßigkeiten gegessen haben, war die Nacht erstaunlich angenehm und der befürchtete Muskelkater bleib auch aus. Insofern waren wir guter Dinge, als wir so gegen 10 Uhr aufstanden und uns überlegten, was wir heute am Samstag noch so tun wollen. Da wir morgen irgendwann Nachmittags fliegen würden, schaute Jens mal nach, wann der Online-CheckIn nach München offen ist. Und da dann erst einmal eine unangenehme Überraschung, als in der Lufthansa-App dieses angezeigt wurde:

Ja, toll. Die Fluglotsen streiken und aus diesem Grund wurden in Nord-Italien etwa 30 – 40 Prozent aller Flüge gestrichen, so auch unser Lufthansa-Flug nach München. Toll!

Da wir ja aber in der Zwischenzeit so einige Erfahrungen auf Reisen gesammelt haben, wirft uns dies nicht mehr aus der Bahn und Jens buchte mit einiger Geduld den Rückflug mit Hilfe des Lufthansa-Chatbots und einem menschlichen Chat-Partner am Ende auf einen Rückflug via Wien um.

Oida!

So, nachdem dies nun einmal ein paar Minuten in Anspruch genommen hat und wir sowieso gerade am Internet hingen, schauten wir auch nach einer passenden Lokalität für unser letztes Abendessen. Da wir gestern Abend ja eher spartanisch gelebt haben, hatten wir auch keine Skrupel spontan noch ein weiteres Gourmet-Restaurant zu buchen, dessen Ansatz vielversprechend aussah.

Dann hieß es aber wirklich: Raus aus dem Hotelzimmer und ab in die Stadt. Da wir noch das Castello Sforzesco von unserer GPS Tour offen hatten und uns nix besseres einfiel, ging es dann da hin. Leider nicht mit einer solchen alten Bahn, obwohl Jens davon heute noch genug zu Gesicht bekommen sollte.

Sondern mit unserer Stammlinie 27 ab in die Innenstadt.

Und dann rumpelte auch schon ein Ventotto Wagen an. Diese knapp 14 Meter langen Fahrzeuge wurden tatsächlich zwischen 1927 und 1930 produziert, 151 von ehemals 502 sind noch in Betrieb. Unglaublich, wenn man das Alter in Betracht zieht.

Und unsere Fahrt sollte auch mit so einem Schätzchen weitergeführt werden. Wie früher die Achtachser in Köln, wo der Beste Platz im Hause / Waggon hinten war.

Und dort standen wir dann auch.

Vorteil dort: Man konnte durch die offenen Fenster das Leben in Mailand an sich vorbeiziehen lassen und beobachten.

Dann kamen wir aber am Schloss an. Ein kurzer Besuch in einer weiteren Focaccherria brachte erneut ein leckeres und reichhaltiges Frühstück, was wir mit Blick auf das imposante Gebäude einnehmen konnten und währenddessen etwas über die Geschichte erfuhren.

Als eine der größten Festungen Europas entstand es im 14. Jahrhundert als Machtzentrum des Herzogtums Mailand. Und Machtzentren ziehen, wie man sich vorstellen kann, oft Unheil an. Schlachten, Invasionen, Plünderungen, Zerstörung – die Burg hat alles miterlebt.

Zum Beispiel schlugt im Filarete-Turm im Jahr 1521 ein Blitz in das Bauwerk ein, das zu dieser Zeit als Munitionslager diente. Die Folge waren eine katastrophale Explosion, zahlreiche Opfer und erhebliche Schäden. Nicht gerade die Art von Feuerwerk, die man sich damals so vorstellte.

Auch in der napoleonischen Ära beruhigte sich die Lage kaum. Der Palast wurde erneut beschädigt und als Militärkaserne umfunktioniert. Seine mit Fresken verzierten herzoglichen Gemächer erwiesen sich offenbar als ideale Stallungen. Pferde dort, wo einst Herzöge wandelten, Geschichte ist in der Tat oft ironisch.

Nach der italienischen Einigung Ende des 19. Jahrhunderts leitete der Architekt Luca Beltrami eine umfassende Restaurierung ein. Im Jahr 1905 wurde das Schloss an Mailand zurückgegeben – nicht als Festung, sondern als kulturelles Wahrzeichen. Heute beherbergt es sieben Museen und gilt als eines der wichtigsten Kunstzentren der Stadt.

Für uns war es aber zu warm, die Sonne brannte wieder auf unseren Köpfen und so übersprangen wir den gratis zu besichtigen Innenhof. Für die Museen hatten wir eh keine Zeit, denn auf der Bank hatte Jens Karten für den Besuch eines weiteren Wahrzeichens Mailands gekauft.

Um diese zu besuchen mussten wir quer durch den Park vor der Burg gehen, wo doch einige Menschen noch herumspazierten. Die Mehrheit lag aber unter Bäumen im Schatten, verlockend auch für uns.

Aber wir hatten ein Termin und den wollten wir einhalten, also in Richtung Osten und zur Metro M5, der einzigen Metro, die wir bislang noch nicht gefahren sind.

Und am Ziel der M5 kann man ablesen, wohin es jetzt gehen würde.

Genau, zum Stadio San Siro.

Das Giuseppe-Meazza-Stadion, ehemals Stadio San Siro, ist das Fußballstadion in der italienischen Stadt Mailand. Es bietet aktuell 75.817 Zuschauern Platz und ist Heimstätte der Fußballklubs AC Mailand und Inter Mailand. Es war Spielort der Weltmeisterschaften 1934 und 1990 sowie der Europameisterschaft 1980. Zudem fanden im San Siro mehrere Endspiele im Europapokal der Landesmeister bzw. der UEFA Champions League statt. Am 6. Februar 2026 fand in dem Stadion der Hauptteil der Eröffnungsfeier der Olympischen Winterspiele statt.

Die Spielstätte war früher nach dem gleichnamigen Mailänder Stadtteil San Siro benannt und ehrt seit 1980 den für beide Mailänder Vereine aktiven Fußballspieler Giuseppe Meazza (1910–1979). Sie wird in Italien auch als „La Scala del calcio““, übersetzt „Das Opernhaus des Fußballs“, bezeichnet. Und für Fußballfans ist der Anblick der Dachkonstruktion einfach ikonisch!

Hier hatten wir für sportliche 35 Euro pro Person eine Tour gebucht. Und zu der wollte erst einmal der Eingang gefunden werden.

Das Stadion wurde von 1925/26 im Mailänder Stadtteil San Siro erbaut und 1935 an die Stadt verkauft. 1954/55 wurde es nach den Plänen von Armando Ronca und Ferruccio Calzolari für eine Besucherzahl von 100.000 erweitert. Am 2. März 1980 wurde das Stadion im Gedenken an den kurz zuvor verstorbenen Mailänder Fußballspieler Giuseppe Meazza umbenannt.

Sein heutiges Aussehen erhielt das Stadion anlässlich der Fußball-Weltmeisterschaft 1990, als es um einen dritten Rang erweitert wurde. Dieser wird von insgesamt elf Türmen gehalten, von denen vier deutlich sichtbar ins Stadioninnere ragen und auch das Stahlgerüst des Glasdaches tragen. In diesen vier Türmen sind auch die Aufgänge zu den einzelnen Rängen, sowie Bars, Imbissbuden und Toiletten untergebracht.

2001 war das Giuseppe-Meazza-Stadion Austragungsort des Champions-League-Finalspiels, das der FC Bayern München gegen den FC Valencia mit 5:4 im Elfmeterschießen gewann. Für Jens natürlich ein Spiel, an den er sich immer erinnern wird.

Die „Tour“ war dann enttäuschenderweise eine „Folgen Sie dem Weg“-Route. Nix Guide, keine Erklärung nur ein paar Sicherheitsleute, die einen davon abhielten den Weg zu verlassen. Insofern waren die insgesamt 70 Euro schon frech für ein paar Kabinen, ein paar Gänge und drei QR Codes, wo man auf nur unzuverlässig funktionierende Webseiten mit Infos geleitet wurde.

Aber jetzt waren wir hier, das Geld war bezahlt, also haben wir auch Spass!

Die Umkleiden im Murrayfield für die schottische Rugby-Nationalmannschaft haben uns übrigens besser gefallen.

Kurz waren wir versucht ein paar Stecker umzustöpseln, konnten uns aber zurück halten.

Das Stadion war von Innen schon beeindruckend, leider war der Rasen für ein Konzert abgedeckt und das lies dem Ganzen schon etwas Wirkung verlieren.

Aber hier zu sitzen, wo 1990 auf dem Rasen die legendären Spiele Deutschlands gegen Jugoslawien und die Niederlande (mit dem Lama Frank Rijkaard) stattgefunden haben hatte schon was.

Ein Museum gab es auch, das war allerdings auch eher enttäuschend und eher was für AC- oder Inter-Fans

Gut, die Pokale von Inter waren schon beeindruckend.

Die Figur von Karl-Heinz Rummenigge war eher unvorteilhaft. Egal, für ein Foto muss das reichen.

So etwas ermüdet durch die Fahrerei und die doch länger als gedachten Fußwege ging es zur direkt vor dem Stadion abfahrenden Straßenbahn. Natürlich nach vorne wegen der dort stärkeren Klimaanlage.

Und so rumpelten wir in die Innenstadt bis wir unsere „Hauslinie“; die 27, fanden.

Links und Rechts der Strecke zeigte sich Mailand von keiner schlechten Seite, die Stadt hat schon was nur war es uns aufgrund des Wetters nicht möglich so wirklich viel durch Stadtteile zu schlendern, wie wir es sonst immer tun.

Irgendwann konnten wir dann umsteigen. Und mit diesen engen Straßen, den Straßenbahnen, den Häusern – das wird uns sehr in Erinnerung bleiben.

Auf dem Weg fanden wir noch den kleinsten Ikea der Welt. Im Ernst: Da kann man nur Dinge bestellen, es ist also ein Ladencafe für ein geführtes Ikea-Katalog-Blättern.

Und dann waren wir auch wieder auf dem Zimmer, schauten Rugby und bereiteten uns auf das letzte Abendessen in Mailand vor.

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