Zum Inhalt springen

Weiter in „The happiest city in the UK“: Brighton

Eine kurze Bahnfahrt an der Küste entlang sollte es dann nach Brighton gehen.

Die erste Klasse in den Class 377 Zügen ist … naja, mit einem sehr speziellen Platz versehen. Unter niederländischen Eisenbahnfreunden nennt man sowas „Kackstool“ …

Wir hatten einen schönen Platz mit Tisch und schauten kleine, uns völlig unbekannte Orte vorbeiziehen.

Und schon waren wir in Brighton.

Der Bahnhof Brighton, in dem wir uns jetzt befanden, ist logischerweise der Hauptbahnhof von Brighton und punktet durch eine wunderschäne Stahl-Glas-Halle als Dach. 1840 in Betrieb genommen, als das Teilstück Brighton – Shoreham-by-Sea der heutigen West Coastway Line eröffnet wurde, wurde auch ein Güterbahnhof und ein Lokomotivdepot errichtet.

Das noch heute bestehende Empfangsgebäude wurde von dem Architekten David Mocatta (1806–1882) im Stil der italienischen Renaissance geplant und mit der Strecke nach Shoreham 1841 eröffnet. 1883 wurde dann der Bahnhof erheblich erweitert und in dem Zuge auch die imposante Bahnsteighalle und die Überdachung des Bahnhofsvorplatzes errichtet.

Der Bahnhof hat acht Bahnsteiggleise an vier Mittelbahnsteigen. Zwischen Gleis 7 und 8 besteht noch der frühere „Cab Way“, die Taxivorfahrt, die nicht mehr benutzt wird. Das frühere Bahnsteiggleis 9 dient nur noch als Abstellgleis, der Bahnsteig dient als Fußwegverbindung außerhalb des mit Bahnsteigsperren abgeteilten Bereichs – da würden wir auf dem Rückweg lang gehen.

Jetzt ging es erst einmal quasi durch den Haupteingang, beziehungsweise Ausgang in unserem Falle, in die Stadt. Wobei … Schade, dass wir gegessen haben.

West Cornwall Pasty! Wir lieben diesen Laden und ärgerten uns tatsächlich ein wenig, dass wir in Eastbourne was gegessen haben. Aber gut, konnte man ja nicht wissen.

Brighton liegt als größtes und bekanntestes Seebad im Vereinigten Königreich natürlich an der Küste des Ärmelkanals. Auf dem Gebiet der späteren Stadt siedelten schon die Römer. Die heutige Stadt Brighton geht auf eine angelsächsische Gründung aus dem 5. Jahrhundert zurück, welche zuerst „Beorthelm’s-tun“ und über mehrere Umwege dann im Jahr 1660 erstmals Brighton geschrieben wurde. Offiziell gilt dieser Name seit dem Jahr 1810.

Heute leben hier 280.000 Einwohner und aufgrund seiner kosmopolitischen Atmosphäre wird Brighton auch als „London by the Sea“ bezeichnet. Wegen der gelassenen Haltung und unkonventionellen Lebensweise in Brighton wird das Seebad auch immer mehr bei Homosexuellen beliebt. So hat Brighton einen der höchsten homosexuellen Bevölkerungsanteile in Großbritannien, knapp über 10% bezeichnen sich als schwul, lesbisch oder bisexuell. Die Szene konzentriert sich auf den Stadtteil Kemp Town, sodass dieser als Brightons Gay Village bekannt ist. Brighton wird auch als „UK´s hippest city“ oder eben „the happiest place to live in the UK“ genannt, was auch durch Umfragen bestätigt wird.

Im Jahr kommen hier knapp unter 12 Millionen Touristen nach Brighton und heute auch wir. Wobei wir nur „ist wie London“ gehört haben, Angst vor den langen Wegen bekommen haben und hektisch die App der lokalen Busgesellschaft runtergeladen und zwei Tagestickets geordert haben. War am Ende nicht so richtig nötig, aber so kamen wir in den Genuss einer Busfahrt mit der Brighton & Hove Bus and Coach Company Limited.

Also … für 4 Stationen. Wobei man aber das ein oder andere interessante Geschäft entdecken konnte.

Naja, und kurz danach waren wir auch am Strand. An dem bedeutend mehr los war als in Eastbourne.

Highlight ist natürlich das Brighton Palace Pier, ein unter Denkmalschutz stehender Vergnügungspier der 1899 errichtet wurde. Früher gab es sogar drei dieser Piers, heute ist dieser aber der einzige, der noch in Betrieb ist. Dieser hier wurde schnell beliebt und hatte sich bis 1911 zu einem vielbesuchten Theater- und Unterhaltungsort entwickelt. Abgesehen von kriegsbedingten Schließungen fanden dort bis in die 1970er Jahre regelmäßig Unterhaltungsveranstaltungen statt. Das Theater wurde 1973 beschädigt und nach einer Übernahme 1986 abgerissen, wodurch sich der Charakter des Piers von einer Unterhaltungsstätte am Meer zu einem Vergnügungspark mit verschiedenen Fahrgeschäften und Achterbahnen wandelte.

Der Pier ragt 525 Meter in den Ärmelkanal hinein und seine Planken haben zusammengelegt eine Länge von 137 Kilometern. Pro Jahr besuchen etwa 4 Millionen Menschen alleine diesen Pier und unter anderem seine 2 Achterbahnen.

Da es allerdings Eintritt kostete, so glauben wir zumindest, und außerdem sehr, sehr viele Schülergruppen vom Zucker sehr energiegeladen vor Ort waren, schlenderten wir weiter.

Durch erneut viele Baustellen ging es zu einer Bushaltestelle, von der aus wir zu einem späten Mittagessen fahren wollten. Dabei zeigte sich unsere schlechte Vorbereitung heute, denn direkt neben der Bushaltestelle sahen wir …

… erst einmal eine Möve, die sich anscheinend undercover unter Tauben eingeschlichen hatte („Tag 5 und sie haben mich nicht nicht entdeckt!“). Aber direkt dahinter …

Das Gebäude. Da haben wir doch glatt mal einen Bus passieren lassen und uns das noch etwas genauer angeschaut, denn dies ist der 1823 eröffnete Royal Pavilion. Für George IV. als Sommerresidenz errichtet ähnelt er von außen einem indischen Palast, während die Inneneinrichtung im Stil der Chinoiserie gehalten ist. Seit 1850 ist er im Besitz der Stadt, heute ist der Royal Pavilion ein Museum.

Faszinierend, ein unglaublicher Stilmix. Denn im Inneren sollen Räume im anglo-chinesisch eingerichtet sein, andere wiederum neugotisch. Alles, was dem König eben gefiel.

Für uns ging es etwas nach Norden (natürlich mit dem Bus, die Tageskarte will ja genutzt werden). Es war sehr viel los und man sah auch einige etwas aus der Gegenwart geschossene Menschen vor sich hin reden. Allgemein aber ein sehr lebendiges und fröhliches Ambiente.

In Reiseführen wird ein „Chippy“ sehr oft erwähnt und da wir Appetit auf Fish & Chips hatten, suchten wir diesen dann gleich auf. Direkt gegenüber war allerdings ein „Tafel“-Laden, was bei uns ein komisches Gefühl erzeugte, wenn wir uns sowas einfach gönnen können und gegenüber Leute anstehen, weil sie kein Geld zum Einkaufen haben.

Die Fish & Chips (Meike Haddock, Jens Cod) waren gut. Wobei wir ehrlich gesagt in Schottland schon öfters bessere gegessen haben. Das Bier war auch ok, aber ein zweites wurde es dann hier doch nicht.

Viel war auch nicht los, abends soll es hier aber sehr voll werden, wenn die Partygänger Brightons einfallen, um ihren Hunger zu stillen.

Dann hatten wir auch aufgrund des Wetters nicht so richtig Bock noch viel zu machen. Ein kleiner Verdauungsspaziergang sollte es auch sein, also wurde wieder einmal Untappd angeworfen und die UnBarrd Brewery gefunden, deren Taproom in der Nähe in einem … eher nicht so touristischen Ambiente lag.

Erst dachten wir noch, dass es sogar geschlossen war. Zwei Briten, von denen wir den Beziehungsstatus bis heute nicht herausgefunden haben, gingen aber selbstbewusst rein und orderten dann Bier. Also hinterher und ein Tasting-Set bestellt. Was von dem weiblichen Part der beiden Briten mit „Oh, this looks interesting, but I would be super drunk when I order this …“ kommentiert wurde. Um danach drei Pints zu kippen … muss man nicht verstehen.

Die Biere waren ok bis gut, wir waren jetzt aber langsam ziemlich fertig, spielten eine Runde Kniffel auf dem Tablett und planten dann den weiteren Tag.

Zur Abfahrt eines Zuges zurück nach London machten wir uns dann auf den Fußweg zurück zum Bahnhof und merkten, dass Brighton auch Hügel hat. Und unsere Erzfeinde: Treppen!

Na gut, muss halt. Kurz wurde noch überlegt, ob wir Platz für eine Pasty haben (hatten wir nicht), einmal auf Klo und mit etwas wenig Zeit die Bahnhofshalle zu genießen ging es durch die Bahnsteigsperren und in den Regionalzug in Richtung London.

Ab zurück nach London.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.