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Ab zum Comer See (da wird es schon nicht voll sein)

Für den Freitag hatten die Wetterfrösche in Mailand entspannte 35 bis 36 Grad Celsius vorgesagt. Aus diesem Grund hatten wir schon vorab überlegt, was wir machen. Und schnell war klar, dass es ein Tagesausflug sein sollte, möglichst wohin, wo es was kühler sein könnte. An Zielen mangelte es dabei nicht, Mailand liegt recht günstig und ist durch Züge sehr gut in die Umgebung angebunden.

Schlussendlich wählten wir uns für ein recht touristisches Ziel aus: Den Comer See!

Der Comer See, von den Einheimischen auch Lario genannt, ist 146 km² groß, 51 km lang und bis zu 4,2 km breit. Damit ist er nach dem Gardasee und dem Lago Maggiore, gemessen an der Wasserfläche, der drittgrößte See Italiens. An seiner tiefste Stelle ist der See 425m tief und damit der tiefste See Europas außerhalb Norwegens.

Und von Milano Central kommt man mit einem direkten Zug zu einem der kleinen Orte am See und genau da wollten wir jetzt hin. Also duschen, anziehen, Tagesgepäck packen und ab geht es.

Die erste Etappe würden wir heute nicht mit der Straßenbahn fahren, sondern mit dem Bus nach Rogoredo. Oder San Donato. Denn dort endet nicht nur die M3, sondern es fahren auch diverse Regional- und Schnellbahnen. Und Fernzüge, die uns aber heute nicht interessieren.

Also hieß es auf den Bus zu warten, um 8 Uhr morgens war es schon recht warm.

In Rogoredo kauften wir dann in der FS App zwei Tickets nach Varenna. Das Gute daran: Das Ticket kostete von Milano Central genau so viel wie von hier. Also gleich mal ein 1. Klasse Ticket für exorbitante 11 Euro gekauft und geschaut, von wo der nächste Zug abfährt.

Mailand ist eisenbahn-technisch sehr interessant, viele Regionalstrecken, viele innerstädtische Bahnhöfe und so – ein Auto braucht man hier zumindest als Tourist nicht.

Kurze Zeit später fuhr dann auch unser Regionalexpress nach Milano Centrale ein, ein schöner ETR 521.

Bequeme Sitze, nicht zu voll, sauber – so schön kann Bahnfahren sein!

Die Stazione di Milano Centrale, oft nur Milano Centrale gennant, ist ein Kopfbahnhof und einer der wichtigsten Bahnhöfe im europäischen Verkehrsnetz. Er wurde 1931 offiziell eingeweiht, um den alten Hauptbahnhof von 1864 zu ersetzen, der seit der Einweihung des Simplontunnels 1906 dem erhöhten Verkehrsaufkommen nicht mehr gewachsen war. Damals wurden dann neue Bahnsteige und eine stählerne Bahnsteighalle von 341 Meter Länge und einer Gesamtfläche von 66.500 Quadratmetern gebaut.

Der Hauptbahnhof zählt zu den Grandi Stazioni Italiens und wird seit August 2005 von den Ferrovie dello Stato renoviert, welche die dreizehn Hauptbahnhöfe Italiens betreibt. Er hat 24 Gleise, jeden Tag nutzen ihn 320.000 Passagiere von täglich etwa 500 Zügen, im Jahr also insgesamt 120 Millionen Fahrgäste. 2 davon waren dieses Jahr wir.

Schon eine wirkliche „Kathedrale der Eisenbahn“, wie solche Bahnhöfe ja auch oft genannt werden.

Und zurecht, denn das Portal war schon beeindruckend. Natürlich mussten wir auch von einem zum anderen Ende des Bahnhofes gehen und durch diese ganzen Menschenmengen durch. Nicht immer einfach, aber als erfahrene Bahnfahrer sind wir das ja gewohnt.

Hunger hatten wir auch etwas, also suchten wir uns was, wo wir eine Kleinigkeit für die Fahrt kaufen können und fanden in dieser Focacceria eine gute Option. Obwohl Jens Zwiebel-Focacchia überraschend wenig Zwiebeln hatte, lecker war es aber. Dazu was Wasser und ab ging es zu unserer Regionalbahn in Richtung Tirano über Monza und eben Varenna.

Der Zug stand schon bereit und wir machten uns im erste Klasse Bereich bequem.

Das Essen wurde ausgepackt und wir hofften auf eine ruhige Fahrt.

Dem war dann aber nicht so, denn zu unserer Überraschung war der Zug übervoll. Und alles Touristen, die offensichtlich exakt die gleiche Route wir wir heute machen wollten, zumindest bis Varenna. Wir hofften zu dem Zeitpunkt, dass sie nicht auch alle auf die Fähre wollen, denn sooo viele Fähren gibt es auf dem Comer See nicht und Tickets konnten wir nicht mehr vor-reservieren. Nervig waren einige der Touristen auch noch, also Kopfhörer auf und die Fahrt genossen. Bequem war es trotzdem und klimatisiert, was am heutigen Tag noch sehr vermisst werden sollte.

Über Monza und Lecco kam dann irgendwann der Comer See in Sicht. Inklusive der Landschaft ein beeindruckender Blick!

So geht Eisenbahn-Fahren: Gute Musik, bequeme Sitze und ein schöner Ausblick.

Und dann waren wir schon in Varenna, einem kleinen Dorf mit knapp über 700 Einwohnern. Zu denen alleine aus dieser Regionalbahn nochmal etwa 1000 Touristen hinzu kamen, viele mit Koffern oder anderem großen Gepäck.

Und in diesem Treck ging es in Richtung Wasser beziehungsweise dem Fähranleger, wo man Tickets kaufen konnte.

Für uns war das zu viel, andauernd blieb jemand stehen oder machte Selfies oder telefonierte mit jemandem, um ihm oder ihr mitzuteilen „how amazing this is, so italian …“ – ahhhhhrgh! Na gut, konnte man an so einem Ort auch erwarten, dass man nicht alleine ist, aber diese Menge überraschte uns dann doch schon.

Am Anleger direkt in die Schlange eingereiht, denn in Varenna wollten wir nicht bleiben. Viel zu sehen gibt es hier wohl nicht.

Gut geplant kamen hier zwei Fähren direkt hintereinander an, die in Richtung Bellagio, einem der touristischen Zentren hier am See, zu fahren. Wir kaufen zwei Tickets und stellten uns in der Schlange an. Gerade in dem Moment, als wir an Bord gehen wollten, kam die zweite Fähre um die Ecke und wir wurden gebeten zu warten, bis die andere Fähre da wäre. Na das machen wir doch gerne, denn so kamen wir in den Genuss als erstes an Bord gehen zu können.

Und damit begann unser Tag am Comer See, wo wir noch viel erleben würden. Schönes, witziges, nerviges und anstrengendes – es sollte ein voller Tag werden!

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