Nun waren wir also in Como, mit knapp über 83.000 Einwohnern der Hauptort der Provinz am Fuß der italienischen Voralpen, am Südwestende des Comer Sees gelegen. Weil der Abfluss des Comer Sees, die Adda, den See bei Lecco verlässt und der andere Arm des Sees keinen Abfluss hat, wird zu Zeiten der Schneeschmelze und besonders starker Niederschläge, ganz besonders bei Nordwind, der das Wasser gegen Como staut, die Stadt fast jährlich von Hochwasser heimgesucht. Heute war das anders: Sonne, heiße und leicht feuchte Luft ließen uns schwitzend am Seeufer stehen und überlegen, was wir nun um halb 3 tun sollen.
Goldene Regel: Wenn wir in Mailand nicht wussten, was wir tun sollten, dann erst einmal etwas mit Klimaanlage überlegen. Google zeigte uns ein kleines Cafe, das geöffnet hatte und in der Nähe war. Also erst einmal da hin mit uns.
In der Tat war das eine gute Idee, denn die Kaffeespezialitäten waren gut, das Wasser günstig und das WiFi gratis. Gute Kombination, um zu überlegen, was man tun kann.
Generell hat Como einige Sehenswürdigkeiten zu bieten, so zum Beispiel der 1396 erbaute Dom (natürlich auch erst später fertiggestellt) oder die Stadtmauer oder einige Villen. Uns stand der Sinn aber eher nach was anderem und so gingen wir, nachdem wir ausgetrunken hatten, zu Fuß am östlichen Seeufer entlang. Nebenbei überlegten wir, welche Banken wir ausrauben möchten, um diese 12 Millionen Villa mit „infinity pool“ kaufen zu können.
Da uns aber zu warm für kriminelle Aktivitäten war, spazierten wir weiter zur Talstation der Standseilbahn nach Brunate, mit der wir fahren wollten.
Vorbei ging es dabei an vielen edel aussehenden Hotels, die einen immer wieder an die Historie des Ortes erinnerten.
Gleiches galt auch für den Bahnhof „Como Lago“, einem von insgesamt 4 Bahnhöfen die der kleine Ort hat. Der Bahnhof wurde am 5. Juli 1885 für die Bahnstrecke von Como nach Laveno eröffnet. Ab 1966 wurde von hier aus nur noch der Regionalverkehr nach Mailand betrieben, dafür aber im Jahr von erstaunlichen 2,5 Millionen Fahrgästen.
Vorbei an „Hello Sir, do you want to rent boat?“-Leuten, die wir gekonnt ignorierten, ging es langsam und immer noch schwitzend zur Talstation der Bergbahn.
Die Standseilbahn Como–Brunate wurde am 11. November 1894 eröffnet. Ursprünglich wurde die Seilbahn mit Dampf betrieben, 1911 wurde sie auf elektrischen Betrieb umgestellt. Bei einer Länge von 1084 Metern überwindet sie 493 Höhenmeter. Die ersten 130 m verlaufen im Tunnel.
Sie diente lange Jahre als Transportweg für die Bewohner von Brunate. Mit der aufkommenden Motorisierung der Bewohner wurde der Tourismus die Haupteinnahmequelle. Die Bahn ist eingleisig und wird mit zwei Wagen betrieben, die in der Mitte der Strecke eine Ausweiche benutzen.
Ein Ticket wurde erstanden und … oh Mist, Warteschlange! Alle 15 Minuten fährt zwar eine Bahn, in einem recht geschlossenen Bereich mit vielen anderen Menschen zu stehen war aber nicht so angenehm. Auch weil unter den Wartenden viele Personen aus Kulturkreisen waren, deren persönlicher Bereich sehr viel kleiner als unserer war. Abstand halten ist was für andere …
Gut, die Bahn kam dann auch und wir passten auch alle rein. Nach etwa 7 Minuten stiegen wir an der Bergstation in Brunate aus und erschreckten uns etwas über die Schlange für den Weg zurück nach Como. Dies sollte später noch relevant werden.
Brunata hat etwa 1.500 Einwohner und wurde zum ersten Mal 1240 erwähnt. Wie archäologische Funde belegen, wurde das Gebiet jedoch bereits im 4. Jahrhundert v. Chr. von den Kelten besiedelt. 1340 wurde das Kloster Sant Andrea dort gegründet. Von jener Zeit an war Brunate ein abgeschiedener Religionsort, auch weil der Zugang zum Dorf sehr schwer war. Um 1817 wurde ein Maultierpfad von Como nach Brunate angelegt. Später wurden zwei Straßen aus Como und Tavernerio gebaut, die auch heute noch benutzt werden, um nach Brunate zu gelangen.
In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde Brunate zu einem beliebten Ferienort für wohlhabende Mailänder, die zahlreiche Jugendstilvillen bauten. Seit 1894 gibt es wie gesagt die Standseilbahn In dieser Zeit gab es in Brunate auch ein Kasino, das nach dem Zweiten Weltkrieg wieder geschlossen wurde. 1943 wurde Brunate nach Como eingemeindet, 1947 jedoch durch ein Volksbegehren wieder in eine eigenständige Gemeinde umgewandelt.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wandelte sich Brunate von einem elitären Ferienort zu einem Ziel des Massentourismus. Heute kommen die meisten Feriengäste aus den USA und aus Japan.
Wir sahen uns erst einmal etwas um und hofften irgendwie einen Blick auf den See zu erhaschen. Was erstaunlich schwierig war, da die Häuser logischerweise mit Blick auf den See gebaut wurden und im Privatbesitz sind.
Die Kirche von Brunate sah aber schon schön aus.
Die Glocken werden eher offen getragen in diesem Teil Italiens, diese Architektur haben wir öfters gesehen.
Während alle vermutlich einen Mittagsschlaf hielten, spazierten wir durch den ruhigen Ort und genossen, dass es auf 715 Meter über dem Meeresspiegel wenigstens etwas kühler war. Also nur noch 34 Grad …
Den See konnte man hier und da sogar ein bisschen sehen. Aber die Straße war eben, gut geteert und uns ging es gut.
Und an einem Aussichtspunkt kam dann auch der schöne Blick auf Como und den See. Sehr schön!
Naja und dann ging es darum, wie wir wieder hinunter gelangen.



















