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Ab in unser zweites „zu Hause“

Weihnachten war vorbei, Sylvester wurde in Bonn mit einem schönen Essen und einem beeindruckenden Blick über Bonn gefeiert und schon war 2026. Ein neues Jahr hatte begonnen und wir überlegten bei einem Abendessen, was wir denn so schönes als Urlaub machen wollen.

Ein Blick auf unser „Eintrittskarten-und-sonstiges“-Board brachte da eine erste Idee (haha, als ob wir nur eine Idee haben!). Und genau diese Idee führte dazu, dass wir an einem Donnerstag morgen an einer Straßenbahnhaltestelle standen und auf eine Linie 18 in Richtung Hauptbahnhof warteten.

Denn hier sollten wir wieder einmal abfliegen. Also .. so mehr oder weniger.

Erst einmal etwas Zucker in Form eines Kakaos (Meike) und einer Cola (Jens) und dann nochmal unseren Plan durchgehen.

Es geht wieder einmal (zum 21. Mal) nach Schottland. Genauer gesagt nach Edinburgh, denn die an unseren Board hängende Karte war natürlich die Gratis-Karte für den Zoo, wo Meikes Paten-Pandas weiterhin auf uns warten. Außerdem waren wir schon lange nicht mehr da, 2025 zeigte zum ersten Mal seit vielen Jahren keine Reise in unsere quasi zweite Heimat und das ist natürlich ein untragbarer Zustand.

Aus beruflichen Gründen war nur ein langes Wochenende von Donnerstag bis Sonntag möglich. Und wie so oft sollte es erst einmal über Frankfurt gehen, was auch den Zug erklärte. Welcher dann auch mit nur wenigen Minuten Verspätung einfuhr.

Im Zug selber machten wir es uns in der ersten Klasse bequem. Warum erste Klasse? Weil wir für den Hinweg aus Gründen der Meilen-Optimierung Business Class gebucht hatten (war pro Person 120 Euro teurer, brachte aber knapp 1800 Meilen mehr zum Erhalt des Star Alliance Gold Status ein. Und im ICE ist das dann eben die erste Klasse, also hinsetzen, „JetLag: The Game“ an und schauen, wie wir die Autos auf der A3 überholen.

Mit 2 Minuten Verspätung erreichten wir den Frankfurter Flughafen. Überraschend pünktlich, was uns sehr verdächtig vorkam.

Den Weg vom Bahnhof zum CheckIn kennen wir ja in der Zwischenzeit auswendig: Einmal die Rolltreppe rauf, am AirRail-Terminal vorbei (wo man auch einchecken könnte, aber immer so lange ansteht), den langen Gang zum Terminal lang und dann rechts zum Shareton vorbei. Und dann kommt man in der berühmten Abflughalle B im Terminal 1 mit der Abflugtafel, die Jens schon als kleines Kind fasziniert hatte.

Dazu etwas Geschichte: Erste Planungen für ein neues Flughafen-Terminal reichen bis ins Jahr 1939 zurück, wurden aber nach Ausbruch des Zweiten Weltkriegs nicht weiter verfolgt. Nachdem der Frankfurter Flughafen ab 1950 wieder von der Verkehrs-Aktiengesellschaft Rhein-Main (heute Fraport) betrieben wurde und es absehbar war, dass die Fluggastzahlen weiter steigen werden, und die Kapazität der bisherigen Empfangsanlage von 1935 bald nicht mehr ausreichen würden, beschloss der Betreiber einen Architekturwettbewerb über ein neues Terminal zu veranstalten. Sieger des Wettbewerbs wurde das Frankfurter Architekturbüro von Alois Giefer und Hermann Mäckler. Der Entwurf wurde allerdings nie umgesetzt.

1955 wurde dann ein neues Terminal begonnen, wobei die wichtigsten Aspekte des neuen Terminals neben einer erhöhten Kapazität auch die schnelle Abfertigung der Fluggäste sowie eine gute Verkehrsanbindung sein. Der Grundstein wurde am 16. Juni 1965 gelegt und der Bau an der damals größten Baustelle Europas konnte beginnen.

1967, während der Bauphase, wurden die Pläne für die Empfangsanlage nochmal grundlegend verändert. Die Hallen für die Abschnitte A und C, die ursprünglich als spätere Erweiterung geplant waren, sollten nun schon mitgebaut werden. Zudem wurde die Anzahl der Gates erhöht und für den Betrieb mit größeren Flugzeugen ausgelegt. Grund für die Planänderung war die erhöhte Fluggast-Prognose und das erwartete Aufkommen der Boeing 747 (Jumbo-Jet).

Während des Baus war die Baustelle der Empfangsanlage die größte in Europa. Im Rohbau wurden 200.000 Kubikmeter Beton verbaut. Zeitgenössische Berichte verglichen diese Menge mit dem Inhalt eines Güterzugs mit der Länge der Strecke Frankfurt—Paris.

Noch vor der offiziellen Eröffnung des Flughafens landete am 28. Januar 1970 Clipper Red Jacket, eine Boeing 747-100, bei ihrem Jungfernflug auf dem Flughafen Frankfurt. Der Pan-Am-Flug vom John F. Kennedy International Airport nach London Heathrow wurde wegen Nebel nach Frankfurt umgeleitet und konnte bereits eine der Fluggastbrücken an der neuen Empfangsanlage nutzen.

Die Baukosten stiegen von 1965 geplanten 300 Mio. DM (inflationsbereinigt heute 745 Mio. Euro) 1972 auf 1 Mrd. DM (inflationsbereinigt heute 1,9 Mrd. Euro).

Am 14. März 1972 eröffnete Bundespräsident Gustav Heinemann feierlich das nun als Terminal Mitte bezeichnete neue Empfangsgebäude. Der Name entstand nach einem Aufruf der FAG an die Öffentlichkeit Namensvorschläge einzureichen und setzte sich gegen Vorschläge wie World Airport, Germania Airport, Eurowest-Flughafen, Höhenflug Weltstation, Porta Europa, Goethe-Airport durch.

Bundespräsident Gustav Heinemann bezeichnete den Terminal vorab als einen Anzug, der zwei Nummern zu groß sei und er bezog sich dabei vermutlich auf die Maximal-Kapazität des neuen Terminals, die mit 30 Mio. Fluggästen fast die dreifache Menge der derzeitigen Fluggastzahlen (ca. 11,6 Mio.) betrug. Heute eine recht witzige Anekdote …

Bei der Eröffnung war Terminal Mitte in vielerlei Hinsicht einzigartig. Es war das größte Flughafenterminal Europas und verfügte mit einer Kapazität von 6000 Autos über die größte Tiefgarage der Welt. Außerdem wurde hier als eine der ersten vergleichbaren Anlagen weltweit die vollautomatische Gepäckförderanlage in Betrieb genommen. Einzigartig war auch die weltweit erste Flughafenklinik.

Seitdem wird hier immer wieder was erweitert oder umgebaut. Und seit unserem letzten Besuch anscheinend der CheckIn-Bereich der First Class. Die wir ja mit unserem Gold-Status nutzen dürfen. Sehr luxuriös, denn man stellt sich einfach an einen der Tische und mehrere Lufthansa-Angestellten helfen einem mit allem. Unter anderem wird das Gepäck auch zum Gepäckband getragen. Und nicht gewogen … mal schauen, wie lange das noch so bleibt.

Für uns war so der CheckIn sehr angenehm und vor allem sehr schnell erledigt. Die Dame war etwas neidisch, weil sie auch mal nach Schottland möchte, aber sehr freundlich. Selbst als wir meinten, dass wir schon öfters da waren …

Zu Fuß dann weiter zur Security, wo wir wieder einmal beobachten konnten, wie wenig Menschen lesen und denken können. Oder wollen. Aber für uns ging es auch hier wieder schnell durch.

Weiter zur Passkontrolle, es geht ja aus dem Schengen-Raum hinaus. Auch das war in ein paar Sekunden dank den elektronischen Gates erledigt.

Naja und dann hatten wir noch was Zeit bis zum Boarding. Also ab in die Lounge und noch einen Snack einnehmen. Ist ja nicht so, dass wir im Flug nicht schon wieder was zu Essen bekommen würden. Das dabei mögliche Planespotting erzeugte nur ein bisschen Fernweh …

In der Lounge dann die nächste Verlockung, der Jens aber widerstehen konnte.

Nein, es wurden zwei Zeitschriften, ein Espresso, ein Wasser und für Meike ein alkoholfreier G&T geordert. Und so die 45 Minuten bis zum Boarding gleich um die Ecke verbracht.

Dort war es wie immer: Kommen wir was zu früh zum Boarding, verspätete es sich immer. Kommen wir zu spät, werden wir ausgerufen. Heute in der Variante: Wir sind zu früh … na gut, dann eben noch was anstehen.

Im Flugzeug konnten wir ja, Business Class eben, in der vierten Reihe Platz nehmen. Wie in Europa üblich bleibt der Mittelplatz frei, ansonsten ist das eben nur ein Sitz in einem Flugzeug. Heute bei Jens auch eher in der „Ryanair gone wrong“-Variante, denn im Ablagenetz vor Jens klebte ein fettes Kaugummi.

Kurz dachten wir: Naja, immerhin geht jetzt was schief. Aber da geht noch mehr, wie immer.

„Boarding completed“ hieß es kurz danach und Spoiler: Es geht nix mehr schief, ganz im Gegenteil.

Ab nach Schottland!

Dann wurde es echt gut: Es geht nach Schottland (schön), der Sitz war angenehm (schön), es gab eine Kleinigkeit zu Essen (schön), und alles war gut.

Highlight war der Steward, der in der Business Class arbeitete, denn der hat sich sogar die Mühe gemacht, jeden Namen aller Business Class Gäste aufzuschreiben und jede(n) mit ihrem oder seinem Namen anzusprechen. Eigentlich eine Kleinigkeit aber für uns war das quasi die riesige Kirsche auf dem Kuchen.

Für Jens brachte er auch noch einen schönen Rotwein aus der Kühlung und brachte ihn mit den Worten „Müssen sie noch was stehen lassen, der ist noch zu kalt. Ich lass die Flasche mal draußen, dann ist der nächste nicht so kalt …“.

Service-technisch eine echte und nicht zu diskutierende Note 1+. Sowas haben wir in Europa eigentlich noch nicht erlebt.

Mit guter Musik auf den Ohren ging es dann in den Anflug auf Edinburgh.

Am Nachbargate dann Aegean Airlines, wo wir die mit diesem Flug erreichten Meilen gutschreiben lassen werden.

Auch hier, als krönender Abschluss: Kein Bus-Gate, sondern ein Finger direkt zum Terminal.

Wieder durch eine automatische Passkontrolle und ab zum Gepäckband.

Wo unsere Koffer dann auch (dieser Flug war echt ohne Ausnahme einfach fehlerfrei) mit als erstes auftauchte.

Touchdown um 11:21 Uhr, auf dem Weg zur Straßenbahn um 11:53 Uhr. Neuer Rekord!

Mit der Tram ging es dann wie immer nach Edinburgh Park.

Und da waren wir wieder mal.

Welcome to Edinburgh!

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