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Restaurant Akira, London (und das Japan House London)

Unsere Planung für die ersten Tage in London beinhaltet keinen Ausflug in die Umgebung. Vielmehr wollten wir London kulinarisch erkunden und uns ansonsten etwas entspannen beziehungsweise von Eindrücken leiten lassen.

Nach dem gestrigen Abendessen im Humble Chicken 3.0, was ja auch erst um 21 Uhr begann, stand uns der Sinn mehr nach Ausschlafen denn Sightseeing. Also taten wir das auch und stellten den Wecker so, dass wir relativ pünktlich zu dem nächsten gebuchten Essen anreisen können.

Ja, wir werden sehr viel Essen die nächsten Tage …

Nachdem wir uns nun aus den Federn gequält hatten, hieß es: Duschen, Anziehen und ab zu einer Bahn. Unsere Wahl heute fiel auf die Jubilee Line, die neueste, da 1999 erweiterte Linie der berühmten Tube. Vorbei an den ganzen Wolkenkratzern und (vermutlich auch als „Goodie“ für den ein oder die andere Angestellte hier vorgesehene) Event- beziehungsweise Sportmöglichkeiten.

Das Wetter war super, noch nicht zu warm und noch nicht zu kalt. Für London und im Grunde für England rechnet man ja nicht unbedingt mit Sonnenschein.

Die Jubilee Line brachte uns bis nach Westminster, wo wir dann in die Central Line nach High Street Kensington umsteigen mussten.

Die Bahnen waren relativ leer, was die Reise angenehm machte. Eine volle Tube ist ja auch immer olfaktorisch ein Erlebnis und das brauchten wir heute nicht. Denn auf dem Plan stand etwas, wo wir die vollen Fähigkeiten unserer Nasen brauchen würden.

Erst einmal ging es, untypisch unserer Erfahrung nach, durch eine Art kleines Einkaufszentrum raus auf die Straße.

Und dann standen wir auf der Kensington High Street.

Kensington ist ein Stadtteil im Westen Londons, der zum Stadtbezirk Kensington and Chelsea gehört und direkt am Rand des Hyde Parks liegt. Dadurch, dass hier überwiegend viktorianischen Häuser stehen, wird der Stadtteil auch als Paradebeispiel des alten aristokratischen Viertels gesehen.

Berühmt ist der Stadtteil durch die direkte Nachbarschaft des Kensington Palace und aufgrund der sehr hohen Immobilienpreise einiger prominenter Luxusobjekte als auch Botschaften am Rande der Kensington Gardens und des Hyde Parks sowie durch Albertopolis, ein Museenviertel, in dem auch die Royal Albert Hall liegt. Im Westen Kensingtons gibt es im Umfeld der mehrspurigen Hauptverkehrsstraße Westway aber ganz im Gegensatz dazu auch einige Sozialbauten, darunter den durch ein Feuer im Juni 2017 bekannt gewordenen Grenfell Tower. Und rund um die Kensington Church Street soll es auch einige bodenständige Cafés, Pubs und Bars geben.

Wir ließen uns einfach treiben und schauten spontan, wo wir hingehen wollen.

Witzigerweise brachte uns unser Instinkt genau zu der Church Street beziehungsweise zu der St. Mary Abbots, der 1872 erbauten Kirche, die das Zentrum des Viertels bildete.

Spannend, wie ruhig es auf einmal war.

Die Immobilenpreise für so eine Wohnung bzw. ein Haus wollen wir gar nicht wissen. Was uns erstaunte war, wie man so große Autos fahren kann, wenn man so wenig Platz hat.

Und es gab interessante Läden, die uns auch thematisch an das Mittagessen ranführen sollten. Und wo wir dem Kaufrausch nur knapp widerstehen konnten.

4,6 Millionen Pfund … Schnapper!

Man merkte aber, dass auch die Läden gerade irgendwie aufwachten. Aber auch so war es spannend einfach herum zu laufen und außer dem Ziel um 12 Uhr eigentlich keinen wirklichen Plan zu haben.

Dann gingen uns aber die Himmelsrichtungen aus und so machten wir uns auf den Weg in Japan Hause London, in dessen Restaurant Akira wir ein Mittagessen gebucht hatten.

Das Japan House London ist ein japanisches Kulturzentrum an der Kensington High Street und bietet Workshops, Ausstellungen, Verkaufsflächen und eben ein Restaurant. Es ist Teil einer Initiative des japanischen Außenministeriums und das dritte „Japan House“ weltweit, nach dem in Los Angeles und Sao Paulo.
Es wurde 2014 geplant und im Juni 2018 eröffnet. Seitdem haben sich hier viele japanische Künstler präsentiert.
Anfangs sah sich das Japan House der Kritik ausgesetzt, es handele sich um „Propagandahäuser“, eine Methode Japans, um historischen Revisionismus und seine Ansichten zu Territorialstreitigkeiten mittels Soft Power voranzutreiben. Was vielleicht auch in der Intention stimmen mag, wenn man den Sinn eines kulturelle Austausch außer Acht lässt. Der für uns hier im Fokus stand.

Als wir da waren gab es eine Ausstellung japanischer Handwerkskunst und sowas interessiert uns ja immer sehr.

Viele der Ausstellungsstücke konnte man auch kaufen, allerdings zu sportlichen Preisen. Wir brauchen ja neue Essstäbchen, aber 120 Pfund pro Paar wollten wir dann auch nicht ausgeben.

Da doch lieber das Buch über die Pandas, die ins Onsen gehen.

Wichtig: Ausziehen!

Dann war aber auch schon 12 Uhr und mit der uns eigenen Pünktlichkeit ging es in die erste Etage, wo eben das Restaurant Akira zu finden ist. Klassisch japanisch eingerichtet, was uns gleich wieder begeistert hat.

Eventuell haben wir in dem Moment auch ein wenig Flüge nach Japan gesucht …

Aber der Fokus ging schnell wieder zurück auf das Hier und Jetzt, denn wir wurden wieder am Zentrum des Geschehens platziert.

Vor uns eine Japanerin, die neben dem Chefkoch von uns aus links für die Kleinigkeiten wie den Gruß aus der Küche zuständig war. Eine Sommerrolle mit Toro, Siracha Majonnaise, Gurke, Ruccola und ein paar Kräutern.

Die Japanerin, etwas älter als der Rest in der Küche, schien aber eher so die Koordinatorin von allem zu sein, denn sie unterstützte den Chef beim Mise en place, koordinierte die anderen Köche, quatschte mit den (ausschließlich japanischen) Servicekräften und lachte viel.

Meike hatte von gestern Abend noch genug was Alkohol angeht und schwenke lieber auf einen Mocktail mit grünem Tee. Leider musste sie dennoch die zwei Sake probieren, die Jens zum Ausprobieren bekommen hatte, als er sich nach einem passenden Sake erkundete.

Als nächstes eine hervorragende Miso-Suppe.

Und dann das Highlight, weswegen wir auch eigentlich hier reserviert hatten: Die Hakozen Box mit 15 delikaten Kleinigkeiten.

Ein traditionelles Hakozen ist eine große, tischdeckenartige Holzkiste. Sie enthielt früher eine Reisschale, eine Suppenschale und einen Beilagenteller, die man bei der Geburt erhält und ein Leben lang benutzt. Zu den Mahlzeiten klappt man den Deckel der Kiste auf, der dann zur Tischplatte wird. Die Kiste selbst dient einem als Esstisch. Im Zuge der Verwestlichung ist diese Tradition verloren gegangen, doch im 16. Jahrhundert war dies noch weit verbreitete Kultur. Diese Hakozen ist eine modernisierte Version davon, die dieselbe Kombination sorgfältig ausgewählter Geschirrteile in einer minimalistischeren und raffinierteren Holzkiste bietet.

Und was für Kleinigkeiten! Von oben links nach unten rechts:

  • In Miso marinierter und geschmorter Schweinebauch
  • Süßes Kartoffelmus mit Röstzwiebeln und Edamame
  • Hijiki, getrockneter Seetang
  • Chutoro
  • Lachs also Sake, leicht mariniert
  • Ein frittiertes Bällchen mit weißem Fisch und Yuzu Dressing
  • Rohes Wagyu mit einem Tomatendressing
  • Wakame
  • Makrele mit Sesam und Wasabi
  • Otoro
  • Hähnchen mit Senf-Miso Dressing
  • Pochierter Butterfisch, vorher in Sojasauce mariniert
  • Aal und Tamago
  • Süßkartoffel mit japanischem Pfeffer
  • Sojagel mit Garnele und Kaviar

Oh war das gut!

Nachdem wir, mehr oder weniger schweigend, diese Box genossen haben und uns in einen Shinkansen von Tokyo nach Kyoto gewünscht haben, kam der Abschluss mit den Reisgerichten. Für Jens eine Schale mit ein paar Reststücken Thunfisch verschiedener Teilstücke.

Leider waren hier ein paar Silberhäute dabei, die das Erlebnis etwas trübten.

Meike hatte mit ihren Nigiri mehr Glück.

Und während dem Genuss konnten wir zuschauen, wie für das mittlerweile volle Restaurant die verschiedensten Gerichte zubereitet wurden.

Abschluss mit Baumkuchen (in Japan ja immer beliebter) und Mochi sowie ein paar Früchten.

Und natürlich auch hier der Blick in die keramische Abteilung, wo selbstverständlich ein High End Gerät von Toto wartete.

Sehr cool, nicht günstig aber doch äußerst authentisch. Natürlich ist das Gefühl in Japan selber noch ein anderes, denn man stand nicht vorher an einer Straße, wo rote Busse vorbeifahren und man hört auch nicht nur Englisch als Sprache. Und es war eben auch High End, ein einfaches Izakaya ist etwas völlig anderes.

Meike schaute sich dann noch den Rest der Ausstellung an, während Jens sein Wissen über Sumo auf den neusten Stand brachte.

Und dann mussten wir überlegen, was wir die 6 Stunden bis zum nächsten Essen machen wollen. Spoiler: Viel war es nicht, denn das Mittagessen (der Begriff ist eigentlich nicht ausreichend) wollte angemessen verdaut werden.

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