Was wir in einer fremden Stadt gerne machen ist: Einfach herumgehen. Und wenn die Stadt zu groß ist, bieten sich die öffentlichen Nahverkehrsmittel immer an. Und da unserer Sinn nach dem lecken Mittagessen jetzt nicht gerade nach Shopping oder extensiven Sightseeing stand, schaute Jens nach einer schönen Route, fand die Linie 148 (auch als „Park Bus“ beschrieben) und schlug das vor. Meike hatte noch kurz überlegt, ob nicht ein Spaziergang durch einen Park eine schöne Alternative war, lies sich aber von der Idee „Vorne im Bus sitzen und rausschauen“ schnell überzeugen.
Also war der Plan: Zur Starthaltestelle der Linie 148 im Osten fahren und dort dann den nächsten Bus entern und die Touristenplätze vorne oben besetzen. Und dann schauen, was an uns vorbei zieht.
Dazu ging es erst einmal mit einer anderen Linie nach White City,
White City ist als Stadtviertel von London der nördliche Teil des Distrikts Shepherd’s Bush und gehört zum Stadtbezirk Hammersmith und Fulham.
Das Viertel befindet sich rund sechs Kilometer westlich vom Londoner West End und nahm zu Beginn des 20. Jahrhunderts ihren Anfang als urbanes Gebiet mit einem dort großangelegten Ausstellungsgelände.
Kennzeichnend für White City ist die Teilung in gewissermaßen zwei soziale Welten: die Sozialbau-Großwohnsiedlung White City Estate im Westen gegenüber der wohlhabenden östlichen Seite, heute unter anderem als Standort von modernen Unternehmen und mit dem nunmehr größten Einkaufszentrum Europas, dem Westfield London. Mit 240.000 m² Einzelhandelsfläche, 450 Geschäften und rund 25 Mio. Besuchern pro Jahr halt ein Gigant.
Außerdem hat die BBC inzwischen ihre Zentrale in diesem Stadtvirtel, was der Abschluss eines seit etwa Mitte der 1990er Jahre umfangreichen Stadtentwicklungsprogramms ist, durch das mehrere tausend Wohnungen, die größtenteils einem zahlungskräftigeren Publikum angeboten werden, gebaut wurden.
Wir gingen weder in das Einkaufszentrum, ganz im Gegensatz zu den ganzen Teenagern, die lärmend im Bus saßen. Sondern wir warteten schön auf den nächsten 148er Bus, stiegen ein und genossen etwas Ruhe.
Und so ging es los, anfangs noch mit wenigen Mitfahrenden und noch weniger Verkehr.
Das wurde aber langsam anders und so standen wir in einem Stau und mussten auch auf eine Seite gemeinsam sitzen, was gerade vorne bei unserer Breite etwas eng wurde.
Aber egal, links und rechts der Straße gab es immer wieder was zu sehen.
Und irgendwann kam man dann auch in die zentrale Bereiche und konnte die ein oder andere Sehenswürdigkeit bestaunen.
Selbst wenn kein Verkehr war, schnell kam man dennoch nicht voran. 😉
Gerade bei den zentralen Verkehrsknotenpunkte wurde es dann etwas leerer (während des Aussteigens) und dann wieder voll. London ist eben eine große Stadt.
Dazu trugen auch die immer größeren Massen an Touristen bei, die sich am Straßenrand und vor Westminster oder dem Big Ben drängelten. Für uns ein Grund nicht auszusteigen, denn dem Stress wollten wir uns heute nicht aussetzen.
Für den Busfahrer war das eine Geduldsprobe, denn weder die Fahrrad-Rikschas noch die Toursten achteten groß auf dem fließenden Verkehr. Der übrigens im Gegensatz zu unserem ersten Besuch in London unglaublich wenig war. Was so eine langfristige Stadtplanung, die nicht auf den Individualverkehr ausgerichtet ist, bewirken kann.
*böser_Blick_in_die_Richtung_der_meisten_deutschen_Städte*
Apropos Planung: Gleich hinter der Waterloo Station, mit 70 Millionen Passagieren pro Jahr ja eine voll kleine Station, fanden wir diese kleine Straße namens „Lower Marsh“. Eine kleine verkehrsberuhigte Straße mit Shops und Cafes.
Das war für uns in dem Moment genau richtig. Also aussteigen und anschauen!
Gleich zu Beginn fanden wir diese kleine Bar / Cafe / Club / Veranstaltungsraum. Es gab interessante Biere vom Faß, Wasser, Cafe und die Leute sahen nett aus.
Naja, dann bleiben wir hier. Wir setzten uns auf eine Bank draußen im Schatten, packten das Tablet für Kniffel aus und schauten einfach, was an uns so vorbei zog.
Hier verbrachten wir 2 schöne Stunden. Klar gab es auch die in so einer großen Stadt obligatorischen verlorenen Seelen, die aus der Realität entrückt durch die Straße stolperten. Oder die Touristen, die mit dem Rucksack auf dem Rücken ihr AirB&B suchten und die Tatsache ignorieren, dass diese von Investunternehmen angeboten werden und dadurch den Wohnraum für Menschen, die hier leben wollen, enorm limitieren. Oder die letzten Einheimischen, die einfach nur einkaufen wollen.
Für uns war es sehr schön hier zu sitzen und das alles zu beobachten.
Irgendwann war es aber auch Zeit zu gehen. Richtig: Zum Abendessen …
Ziel war der Stadtteil Fitzrovia, nicht nur für die Anhänger von Peter Grant, dem Police Constable, der in die Ausbildung beim Leiter der Sondereinheit für „spezielle Fälle“ geht, den letzten zugelassenen Zauberern unter der britischen Krone.
Hier in der Berners Street sollten wir unser nächstes kulinarisches Abenteuer erleben. Keine Sorge, Sandwiches und Cola wird es auch noch geben.
Aber in diesem unscheinbaren Haus deutete die rote Plakette darauf, dass man hier gut Essen gehen könnte.
Und das taten wir dann auch.


























