Nach 1 1/2 Tagen voller Fine Dining Events stand uns der Sinn nach … mehr Essen. Aber eben keine feine Küche mehr (auch im Blick auf den Kontostand), sondern etwas bodenständiges. Naja, die Briten haben dafür ja was in Petto, gerade am Sonntag. Und das wollten wir jetzt mal machen.
Also ging es, nachdem wir wieder etwas ausgeschlafen haben, mit dem Bus in Richtung Stratford. Mal etwas weiter als wie üblich zur Jubillee oder Elizabeth Line. Und da vorne oben Platz war, setzten wir uns da gleich mal hin und genossen den Blick auf das noch schlafende Canary Wharf.
Es ging in Richtung Stratfort durch die noch nicht so wirklich erschlossenen Teil Londons in Richtung Nord-Osten.
Und obwohl das hier eher trist aussah, hier gleich um die Ecke ist mit Three Mills ein sehr schöner Stadtteil, den wir beim nächsten Mal besuchen müssen.
Heute stiegen wir an der Haltestelle Bromley-By-Bow, einer 1858 eröffneten Haltestelle der District und Hammersmith&City Line. Wer EastEnders sieht: Die Haltestelle heißt dort „Walford East“.
Wir mussten an diesem Sonntag Vormittag tatsächlich 4 Minuten auf unsere District Line warten. Skandal! Gut, dass Jens sich mit Bahnfotos die lange Wartezeit vertreiben konnte …
Eine knappe halbe Stunde später waren wir im Zentrum an der Haltestelle St. James´s Park. 1868 eröffnet und heute noch im schönen Art-deco Stil mit den originalen Emallie-Elementen und Sitzbänken aus Holz.
Oben regierte dagegen der Brutalismus. Na gut, ist eben so.
Wir waren wie immer etwas zu früh da und gingen noch eine Runde spazieren. Auch in der Hoffnung eine sehr unangenehme Gruppe von Touristen zu verlieren, die uns durch „in der Mitte des Bürgersteiges gletschern“ nervte.
Eine neue Variente zu den allseits bekanntne BaWü-Stickern fanden wir dann auch gleich …
Unser Ziel war allerdings das Buckingham Arms. Ein, wenn man vielen Blogs und Reiseführern glauben mag, gute Stelle für ein klassisches Sunday Roast! Also hatten wir vorab dort einen Tisch gebucht, was auch eine gute Idee war, denn es wurde sehr schnell sehr voll im Pub.
Nicht nur durch Touristen wie uns, sondern auch durch Einheimische sowie durch Soldaten aus der benachbarten Kaserne der Horse Guards in ihrer Ausgehuniform.
Wir bestellten rasch einmal Sunday Roast für zwei Personen, zwei Biere, was Wasser. Und weil das so schnell mit uns ging, wurden wir ab dann von der Bedienung als „you´re my favorite table today, I´m sure …“ gelobt. Wir sind aber auch liebenswürdig …
Liebenswürdig war dann auch die Schlachtplatte, die vor uns gestellt wurde. Perfekte Yorkshire-Pudding, Schwein. Rind, Hähnchen und Gemüse (Wirsing, Möhren, Kartoffeln – hier nicht zu sehen, weil unter dem Fleisch).
Der Sunday roast (vergleichbar mit dem deutschen Sonntagsbraten) ist eine traditionelle britische Hauptmahlzeit, die an Sonntagen serviert wird. Er besteht in der Regel aus gebratenem oder geschmortem Fleisch mit Beilagen. Er soll im 18. Jahrhundert in der Grafschaft Yorkshire entstanden sein, als in der Landwirtschaft zahlreiche ertragssteigernde Produktionsmethoden wie Mechanisierung, Fruchtfolge und selektive Zucht Einzug fanden. Man nimmt an, die Tradition des Sunday roast sei entstanden, weil das Fleisch am Sonntagmorgen vor dem Kirchgang in den Ofen geschoben und dann nach der Rückkehr zur Mittagszeit verzehrt werden konnte.
Darauf ein vorzügliches Cask Ale!
Und weil wir seit der Ankunft von Meike in London anscheinend sehr leicht von einer angenehmen Umgebung zu beeinflussen sind, konnten wir dem Nachtisch, einem Sticks Toffee Pudding mit Eiscreme, nicht widerstehen.
Heute Abend würde es übrigens Sandwiches und Wasser geben.
Zu Fuß ging es dann in Richtung Victoria Station, wo der nächste Programmpunkt auf uns wartete. Dabei hatten wir unter anderem ein sehr nettes Gespräch mit einem Paar aus Toronto, was uns nach dem Weg fragte. Witzig, dass wir als Locals vermutet werden.
Auf jeden Fall sollte es jetzt zauberhaft werden: Meike wollte schon immer mal Wicked sehen und da Jens Vorurteile gegen eingedeutschte Musicals hat, bot es sich an, das Original im Apollo Victoria Theater anzuschauen.
Wicked ist das thematische Prequel zum Musical-Film „Der Zauberer von Oz“ und erzählt die Geschichte, wie die Böse Hexe des Westen zur Bösen geworden ist und was in ihrer Jugend passiert ist.
Thematisch eine grüne Angelegenheit, zumindest für Meike.
Jens gönnte sich einen erschreckend teuren Champagner und so ließen wir das Ambiente des 1929 eröffneten und über 2000 Plätze bietende Theaters auf uns wirken.
Vor und nach der Veranstaltung konnte man Fotos machen und die beeindruckend Kulisse festhalten.
In der Pause ein unglaublich mieses Bier …
Und am Ende ein zufriedenes Publikum.
Und wer wissen will, wie Elphaba zur Bösen Hexe des Westens wurde, wie Glinda in ihrer Jugend daran Schuld war, wie sich alles entwickelt hat, der soll sich eine Karte gönnen und dieses Musical besuchen – es lohnt sich sehr!
Mit dem Bus ging es dann zur Bank Station zurück, vorbei an Horde von Touristen, die beispielsweise an der Telefonzelle aus Harry Potter (die zum Zaubereiministerium) für ein Foto anstanden.
Uns egal: Wir waren satt, unterhielten uns über das Musical, die bisherigen Erlebnisse und hatten sonst nix vor. Auch mal schön.
An der Bank Station (Jens hatte vergessen, wie groß die war) ging es hinab in den Untergrund. Und durch diverse lange Gänge bis zur DLR.
Und mit der dann zurück zum Hotel.
Wo dann noch beim Tesco eingekauft wurde und auf dem Bett sitzend der Sonnenuntergang bei britischem Fernsehen und einem Sandwich genossen wurde.
Schöner Sonntag war das!


































