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Le Chopin Boppard

Haben wir uns ein leckeres Abendessen verdient? Ja, haben wir! Nach der schönen Wanderung von Koblenz nach Rhens und dem anschließenden After-Hike-Weinchen ging es zurück auf das Hotelzimmer und unter die Dusche. Schließlich wollten wir gut aussehen, wenn wir im ersten Haus am Platz, dem Le Chopin im Hotel Bellevue, speisen.

Das Hotel selber wird in 5. Generation geführt und versprüht innen und außen noch den Charm vergangener Tage. Innen wurde allerdings der Fokus auf moderne und zeitgemäße Gourmetküche und dementsprechenden Service gelegt. In der Bewertung durch den Guide Michelin wird hier zwar kein Stern oder Bib Gourmand vergeben, das Restaurant aber dennoch als „empfehlenswert“ (Assiette) kategorisiert.

Sonst machen wir ja selten Fotos vom Inneren eines Restaurants, aber da wir das so schön und stylisch fanden, konnten wir uns nicht zurückhalten.

Es gibt hier 2 Menus zur Auswahl: Ein Regional- und ein Degustationsmenu. Und natürlich haben wir wieder beides geordert und uns dabei von Frau Hortian weintechnisch begleiten lassen. Wie so oft eine gute Wahl. Dieses Restaurant ist auch Mitglied im Jeunes Restaurateurs d´Europe (JRE), wo wir bislang eigentlich nicht enttäuscht wurden und immer einen sehr hohen Standard an Kompetenz und Kreativität erlebt haben.

Vorab die Grüße aus der Küche zusammen mit einem Riesling Sekt: Kalbstartar mit Senfkörnern (rechts) und eine Rilette mit Sauerrahm und Saiblingskaviar (links).

Sehr lecker und bei beidem hatten wir irgendwie das Gefühl, dass eine Note dabei war, die wir nicht ganz identifizieren konnten – kulinarisch spannend war es also auch. Wir klugscheißern aber auch sehr viel, wenn wir so essen gehen …

Zweiter Gruß aus der Küche: Speck mit Birne, Speckschaum und einem Bohnensud.

Das war uns irgendwie zu viel Kreativität, wenn auch alles sehr gut geschmeckt hat. Nur irgendwie fehlte was verbindendes oder etwas war zu viel. Aber das alles ist natürlich Jammern auf hohem Niveau.

Danach begannen die beiden Menus.

Bei Jens begann das Degustations-Menu mit Krevetten, Saudenselleriesud, Erbsenpüree und Kalamansigel. Alles sehr harmonisch und doch intensiv. Sehr guter Einstieg mit schönen Texturen und Aromen.

Im regionalen Menu von Meike dagegen prälzer Möhren mit gerösteter Creme, einem fermentierten Fons und Ziegenkäseeis.

Meike hatte ja etwas Angst vor dem Ziegenkäseeis, da sie ja nicht so der Fan von Ziegenkäse ist. Als Wein gab es dabei eine Riesling Spätlese aus Bacharach von einem Jungwinzer namens Gero Schüler. Generell gab es beim regionalen Menu, sehr passend, bis auf eine Ausnahme nur regionale Weine.

Bei Jens kam ein Blanc de noir aus Spay, also hier noch regionaler.

Der nächste Gang war dann bei Jens der „Angstgang“, denn es handelte sich um einen mit „Ilse wilse alles Pilze“ umschriebenen Pilz-Gang.

Den Jens auch brav aufgegessen hat.

Meike genoss als nächstes ein kölschen Gang: Himmel und Äd!

Die gebackene Flönz (Blutwurst) hatten wir erwartet, die sehr gute Kartoffelbrühe kam allerdings überraschend. Und mit den kleinen Apfelstückchen eine runde Sache! Sehr gut!

Zu trinken gab es hier aus 2 Bocksbeutel einen Weißburgunder bei Meike und einen Silvaner bei Jens – beide vom Weingut Hans Wirsching aus dem schönen Frankenland.

Das Degustationsmenu hatte einen Gang mehr und der kam dann: Bei Jens fand eine Jakobsmuschel und ein Pumpo in einer Sauce Bourride, einem Paella-Reissalat und einem Pulpoconfit seinen Weg auf den Tisch.

Die Jakobsmuschel, da sind wir halt durch Japan sehr geprägt, war nicht so toll. Der Pulpo dagegen war hervorragend und passte sehr gut zu der Sauce, einer klassischen französischen Fischsauce mit Knoblauch, Salz, Ei und Eigelb sowie Öl. Als Wein dabei ein Grüner Veltliner aus der Wachau was Jens sogar fast korrekt erraten hatte. Die Somilliere hatte sich nämlich angewöhnt den Wein ohne Erklärung einzuschenken und uns erst einmal kosten zu lassen. Und dann raten zu lassen, was im Glas war, um uns dann genauer zu sagen, was wir trinken. Eine teilweise herausfordernde aber sehr spannende und witzige Art der Weinbegleitung.

OK, Zeit für den Hauptgang. Bei Jens war dies ein Onglet vom US Beef mit Zwiebeljus, Gel vom schwarzen Knoblauch und gerösteten Romanasalat.

Sehr schönes, gut gebratenes Fleisch und sehr kräftige Aromen in der Sauce und den Cremes. Wenn man was zu meckern finden wollte, dann fand man nix. Als Wein gab Jens dabei einen schönen Tempranillo aus dem Rioja von Campo Aldea. Sehr gute Wahl!

Bei Meike als Hauptgang, begleitet von einem Pinot Noir aus der Pfalz, glasierte Bäckchen vom Eifler Kalb mit sehr kräftiger Ahorn-Balsamsauce und Topinambur.

Die Bäckchen waren gut, wenn auch etwas unspektakulär. Dafür waren wieder die Kombination aller Komponenten sehr gelungen und absolut wunderbar.

Der ganze Abend war sehr schön, wenn auch der Speisesaal etwas leer war, obwohl das Restaurant voll gebucht sein sollte. Aber angesichts von nur 2 Service-Kräften war wohl auch nicht mehr drin, wenn das Level des Services so hoch gehalten werden soll. Die anderen Gäste waren ein jüngeres Paar, was wohl seine ersten Berührungen mit Gourmet-Essen hatten (und sehr begeistert waren), ein paar Hotelgäste und ein irritierendes, niederländisches Pärchen gleich neben uns. Es ist immer eines da, wenn wir Gourmetessen gehen. Diese beiden sprachen sehr, sehr wenig, aßen schnell und brauchten trotzdem lange Pausen zwischen den Gängen, übersprangen einen Gang und starrten beide die ganze Zeit in ihre Mobilgeräte. Und waren innerhalb von 1 1/2 Stunden raus aus dem Laden. Naja, wem es so gefällt …

Wir quatschen mit den beiden Damen, die uns Essen, Wein und Wasser brachten, scherzten miteinander und genossen den Abend. So gefällt es uns.

Zeit für den Nachtisch: Jens bekam Meikes Ausschluss Kriterium für das Degustationsmenu: Banane! In Form von karamelisierter Scheiben, einem Schwarzbiersponge, einem Marshmalow und einem Bananensorbet.

Genau das, was eben im Menu stand: Banane und Schwarzbier! Nicht mehr und nicht weniger und genau gut so!

Meike bekam eingelegte Kirschen, Mandelstreusel und ein (leicht verrutschtes) Rosmarin-Honigeis.

Auch ein sehr gelungener Abschluss für ein Gourmet-Essen. Alles in allem, gerade wenn man den Preis für das Menu in Betracht zieht (64 bzw. 84 Euro ohne Wein) ein sehr guter „Value for money“.

Zum Kaffee gab es dann noch kleine Petit fours als Abschluss.

Dem Ambiente angemessen: J.J. Darboven Kaffee. Die Werbung haben wir zuletzt vor 25 Jahren gesehen. Und die Flecken oben rechts im Bild waren nicht nur wir!

Na gut, als Abschluss kommt ja immer die Frage nach dem Whisky. Die hier überraschend begeistert und sportlich aufgenommen wurde und gleich danach in Form eines Schnapps-Wagens beantwortet wurde.

OK, den Auchentoshan und den Cragganmore haben wir zu Hause. Vom Bruchladdich hat Jens mehrere Flaschen aus einer Fassteilung (bzw. hat noch 2 von ehemals 7). Aber der Glenfarcles 21yo und der Aberfeldy 21yo – die sehen wir selten in Gourmet-Restaurants. Also nutzte einer von uns beiden die Gelegenheit und erfreute sich an dem Wasser des Lebens. Und an einem schönen Gourmet-Abend.

Hierhin werden wir wohl auch noch einmal zurückkommen, dafür war es zu gut und nett.

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