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Mit kölschen Tönen durch die Nacht

Laute Geräusche im Treppenhaus am frühen Abend? Und zwei Gestalten machten sich mit Koffern und Rucksäcken auf durch den Regen zur nahen Straßenbahn-Haltestelle? So als ginge es auf eine Reise? Seltsam.

Also: Was machen wir denn zu dieser Zeit hier?

Es geht nach Wien. Normalerweise beginnen ja solche Reisen bei uns mit einer Autofahrt nach Düsseldorf und dann einem Flug nach Wien. Oder einem Flug von Köln/Bonn aus. Oder mit dem Zug nach Frankfurt und dann von da mit einem Jet in die österreichische Hauptstadt.

Dieses Mal aber nicht, denn aus Bahn-Interesse, Klima-Gründen und auch ein bisschen der Aussicht, die Reise durchführen zu können ohne ständig eine Maske über Nase und Mund tragen zu müssen, nehmen wir dieses Mal den Nightjet der ÖBB.

Es geht also mit dem Nachtzug nach Österreich!

Abfahrt in Köln ist von dem Zug, der seine Reise bereits in Amsterdam beginnt, viertel nach 10 nachts. Also mehr als genug Zeit, sich noch ein Abendessen zu gönnen. Da wir keine Lust hatten mit unserem Koffer und den Rucksäcken durch Köln zu laufen (erst recht bei Regen), haben wir uns für das Gaffel am Dom entschlossen, weil es halt direkt gegenüber des Hauptbahnhofes liegt. Eine gute Wahl, wie sich herausgestellt hat.

Nicht nur, dass hier sehr genau auf Masken und Impfausweise geachtet wurde (inzwischen für uns ein Grund für oder eben gegen ein Restaurant), nein: Auch das Gaffel Wiess gefällt uns gut!

Nicht, dass wir die österreichische Küche nicht mögen würden, aber eine Flönz ist noch immer was heimeliges!

Danach noch einen halven Hahn und schon sind wir bereit für die Fahrt durch die Nacht.

Wobei … auf einmal wurden hier so kleine Hefte verteilt …

Tja und dann stand auf einmal Björn Heuser auf der Bühne mitten im Brauhaus! Normalerweise finden seine Mitsingkonzerte ja Freitags hier im Brauhaus statt. Da es aber das erste Mal seit langer Zeit ist, dass er wieder singt / singen darf (Corona-Regeln und so), gibt es eine kleine Vorab-Premiere, wo auch das eine oder andere unbekanntere kölsche Leed gesunden wird.

OK, „Jedäuf met 4711“ von den Klüngelköpp ist natürlich bekannt. Weswegen der kölsche „Mitsing-Reflex“ einsetzte …

Ein schöner Start in den Urlaub – es ist immer wieder spannend, wie in Köln das einfache Mitsingen eines Liedes die Menschen glücklich macht. Von den jungen StundetInnen bis zur alten Oma.

Nach dem Lied vom ahle Mann, der vor der Tür steht und dem Lied über die Blootwoosch, das Kölsch und ein lecker Mädche, dem Tribut an et Meiers Kättche und zum Abschluss den Hymnen über den FC und unser Gefühl an Kölle ging es dann schweren Herzens über den Platz zum Hauptbahnhof. Im Kopf noch die ganzen Lieder singend. Und in Meikes Fall auch laut aus dem Mund …

Am Bahnhof dann der Gedanke: Na, die Zugabe hätten wir noch geschafft.

Aber dann fuhr der Nightjet fast pünktlich ein. An jeder Tür stehen SchaffnerInnen, prüfen beim Einsteigen die Tickets und zeigen einem das Abteil für die Nacht.

In den Sitzwagen ist das ein wenig anders, aber aus dem Alter sind wir ja schon länger raus. Würden wir die geplanten 11 Stunden in einem Sitz verbringen, müsste vermutlich als erstes ein Termin beim Chiropraktiker am Zielort gebucht werden.

Also Schlafwagen für uns. Double Deluxe Sleeper nennt sich diese Kategorie, wobei sie sich vom normalen Double Sleeper nur darin unterschiedet, dass man eine eigene Toilette (auf dem Bild im Abteil rechts hinter einer kleinen Tür) hat.

Die Betten waren schon gemacht und eigentlich hätten wir uns einfach hinlegen können. Haben wir aber nicht. Im Preis inbegriffen sind Toilettenartikel, 4 Flaschen Wasser und 2 Flaschen Sekt. Und weil uns der Sekt noch nicht genug ist, haben wir bei der Schlafwagen-Schaffnerin noch 2 Dosen feinstes österreichischen Standard-Bieres geordert.

Sagen wir mal so: Das Bier war überflüssig. Meike verzog sich irgendwo zwischen Bonn und Koblenz auf ihr oberes Bett und ward bis Passau nicht mehr gesehen.

Irgendwie waren wir durch die vielen, vielen, vielen Gaffel Wiess etwas unorganisiert, was sich am … kreativen Ablegen des Schirms auch zeigte.

Jens dagegen schaffte noch die halbe Dose, während er sich den Abenteuern des Schlachtschiffes Yamato auf seinem Weg nach Iscander widmete.

Aber auch hier wurde der Rest weggeschmissen. Besser so.

Die Nacht war für Jens einigermaßen ok (einmal in Frankfurt, einmal in Passau aufgewacht), für Meike dagegen eher schlecht. Das lag sicherlich auch teilweise daran, dass halt Nachtzüge in Europa schon eine gewisse Geschwindigkeit haben und das was anderes ist als in Amerika oder Kanada vom Rollgefühl. Aber die meiste Schuld hatte sicherlich der Alkoholkonsum …

Etwas zerknirscht wachten wir in Oberösterreich irgendwo hinter Passau auf und merkten beim ersten Halt in Wels, dass wir eigentlich noch hätten was länger schlafen können.

Viel länger sogar … Mist!

Aber gut, jetzt waren wir wach. Also wuschen wir uns was, richteten unsere Kleidung und baten darum, dass unser Abteil in die sogenannte „Tagstellung“ umgebaut wird und wir unser (im Preis eingeschlossenes) Frühstück bekommen.

Meike verzichtete auf das meiste davon und versuchte ihrem Körper zu befehlen jetzt nicht mehr so zu leiden. Klappte semi gut.

Mit 55 Minuten Verspätung kamen wir dann am Wiener Hauptbahnhof an.

Dabei bemerkten wir, dass wir von einer Lok des aktuell stillgelegten City Airport Trains gezogen wurden, zumindest den letzten Teil. In Köln war noch eine Lock der Nederlandse Spoorwagen vor unserem Zug.

Fazit: Eigentlich eine schöne Sache mit den Nachtzügen. Zwei Probleme hatten wir allerdings schon mit der Fahrt (das dritte lag am Alkohol, da kann der Nightjet aber nix für): Erstens der Preis von 420 Euro pro Strecke für 2 Personen. Das ist schon recht teuer und sicherlich nicht besonders attraktiv für viele Menschen. Zweites die relativ kurze Nachtruhe von nur wenigen Stunden bis man am Ziel ist. In Amerika oder Kanada fährt man einfach länger und hat so nicht das Gefühl, dass man quasi nach dem Hinlegen direkt wieder aussteigen muss.

Und 1 großer Koffer plus einem Trolly und 2 Rucksäcken sind schon recht viel für das Abteil.

Aber: Es ist definitiv eine Alternative zu reisen, es ist Klima-technisch ganz sicher aktuell die beste Variante (ok, Fahrrad wäre noch besser) und wenn man vorher nicht eine Stunde lang kölsche Lieder singt und kölsches Bier trinkt, dann klappt der Rest auch noch.

Da unser Hotel direkt neben dem Bahnhof liegt, waren wir 10 Minuten nach der Ankunft an der Rezeption. Und da unser Zimmer schon verfügbar war, 20 Minuten später auf dem Zimmer.

Und 45 Minuten nach der Ankunft waren wir auch schon unterwegs zu unserem ersten Programmpunkt.

Spoiler: Es geht in Richtung Naschmarkt. Haben ja auch schon fast ein paar Stunden lang nix mehr gegessen, oder? 😉

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