Nachträglich im Dezember 2025 gebloggt – Original am 01.02.2019
Im Radisson Hotel in der Innenstadt von Brüssel befand sich diese dezente Tür, welche sich für uns (und ein paar weitere wartende Gäste) nach ein paar Minuten öffnete.
Yves Mattagne hieß der Chef hier und als geborener Brüsseler erkochte er sich, nach ein paar Stationen in Brüssel, in London und in Paris hier zwei Michelin-Sterne. Im Januar 1990 eröffnete er das Restaurant Sea Grill, das ab 1991 mit einem Michelin-Stern ausgezeichnet wurde, ab 1997 mit zweien. Das Restaurant ist spezialisiert auf Fisch und Meeresfrüchte und genau das würden wir heute erleben dürfen.
Seit 2020 war er Küchenchef im Traditions-Gourmetrestaurant der Villa Lorraine, in dem schon Eckart Witzigmann um 1970 gekocht hatte. Auch dieses Restaurant wurde ab 2022 mit zwei Michelinsternen ausgezeichnet und führt die Rangliste Brüsseler Restaurants an. Und seit 2024 ist er Küchenchef im Restaurant Sensa in Luxemburg. (Dies ist der Vorteil, dass das hier in 2025 geblogged wird)
Der Raum war sehr dunkel und hatte hohe Decken. Die Tische waren perfekt ausgeleuchtet und nach kurzer Zeit auch voll gefüllt. Das gesamte Gefühl war sehr, sehr luxuriös aber dennoch angenehm und fast schon bequem.
Glücklicherweise haben wir damals das Menü abfotografiert und ein paar Notizen gemacht, so können wir die Gänge noch beschreiben.
Schon die Grüße aus der Küche waren Kunstwerke, wie diese Rolle aus einzelnen Fischfilets mit Kräutern, Gurke und Kaviar, welche wir später auch leicht abgewandelt im Kochbuch des Noma gesehen haben.
Super dünn aufgeschnittener Heilbutt in einer Ponzu-Sauce.
Gefolgt vom ersten Gang des Menüs, angerichtet in einem beeindruckenden Teller. Königskrabbe, Kaviar und eine sehr teure Kartoffel als Creme, der Le Bonnotte. Dies ist eine der teuersten Kartoffelsorten der Welt und wird auf der Île de Noirmoutier, einer Insel in der Biskaya, angebaut. Diese seltenen Kartoffeln wachsen in sandigem Boden, der den Duft des Meeres aufnimmt und mit Seetang und Algen gedüngt wird. Die empfindlichen und zarten Bonnottes werden ausschließlich von Hand gepflückt, eine nach der anderen, und das nur während einer Woche im Jahr.
Abgerundet durch Lauch, Wachtelei, Sour Cream und Dill. Ein fantastisches Gericht und durch den Teller noch einmal eine Stufe beeindruckender.
Der nächste Gang hat sich, quasi wortwörtlich, bei uns eingebrannt, denn die Langustine mit Gänseleber wurde vor unseren Augen flambiert. Und das auch noch mit Auchentoshan, einem von Jens Lieblingswhiskies. Dazu gab es Kapern, Sellerie, Kastanien und ein Gyoza mit der Gänseleber.
Fantastisch! Einfach fantastisch, sowohl von den einzelnen Produkten her als auch von der gesamten Komposition.
Der Service ist uns auch in keiner schlechten Erinnerung geblieben, wobei die ein oder andere „Lost in Translation“ Situation auftrat. Was aber auch an uns gelegen haben kann.
Nächster Gang, wieder eine Kombination von asiatischen Aromen mit Meeresbewohnern aus der Nordsee: Eine Jakobsmuschel mit Kimchi, Birne, Verbene, Sesam und überraschenderweise Parmesan.
Eine schöne Umami-Bombe.
Der Wolfsbarsch der folgte ist immer noch einer der besten gegrillten Fische, die wir je hatten. Dazu Muscheln, ein Saffranschaum, ein kleiner Teil eines Oktopus-Tentakeln, Hummus, Karotte, frittierter Knoblauch und Chorizo.
Klingt sehr wild, war es auch. Aber der Fisch an sich war wieder fantastisch und zeigte die handwerklichen Fähigkeiten der Crew hier.
Mit dem Hauptgang verließen wir die Welt der Fische und Meerestiere und es ging zu einem klassischen Hauptgang mit einem butterzarten Rehbock in einer fantastisch aufmontierten Sauce.
Dazu ein Gyoza mit dem Beinfleisch des Tieres, Cassis, Nougat und Orangen. Eine klare 10 von 10, was Hauptgänge angeht.
Die französische Schule schlug dann ein, denn als nächstes gab es Käse. Aber keine langweilige Käseplatte, sondern als Fondue aus Vacherin und Gruyere.
Super Idee und Fondue macht ja immer gute Laune …
Der Nachtisch und die letzten Pralinen rundeten den kulinarisch hervorragenden Abend ab.
Von den Zutaten her einfach aber auch einfach lecker: Blaubeere, Crumbles und weiße Schokolade.
Und, neben dem Kaffee, noch ein Armagnac zum Abschluss dieses hervorragenden Abends.
Tatsächlich war das unser erstes 2-Sterne Restaurant und obwohl wir es halt erst in 2025 hier im Blog verewigt haben, sprachen wir immer wieder über dieses Essen.














