Nach dem reichhaltigen und hervorragenden Essen gestern Abend fiel das Frühstück etwas sparsamer aus. Wobei … so richtig gemüselastig ist das hier ja eher nie. Aber es gab keine Brötchen und auch sonst weniger als sonst. Tut ja auch mal gut.
Heute stand wieder eine Bahnfahrt auf dem Programm, diesmal von Krakau in die polnische Hauptstadt Warschau. Diesmal würden wir auch wieder etwa 3 Stunden Zug fahren, also nach dem Auschecken gleich die paar Meter rüber zum Hauptbahnhof.
Das Gebäude hat anscheinend keine wirkliche Funktion mehr, denn zu den Bahnsteigen geht es vom Foto und dem großen Platz aus ein Stück nach Links. Krakow Glowny ist der zentrale Hauptbahnhof von Krakau und ein wichtiger Knotenbahnhof für Verbindungen innerhalb Polens und ins Ausland. Es bestehen internationale Verbindungen in Richtung Berlin, Budapest, Hamburg, Lemberg, Odessa, Prag und Wien. Innerhalb Polens ist nahezu jede größere Stadt ohne Umsteigen erreichbar – sowohl über Tag als auch teilweise über Nacht in Schlaf- und Liegewagen. Der Bahnhof wurde 1847 eröffnet und mehrmals erweitert und modernisiert. Seit Februar 2014 befindet sich das Bahnhofsgebäude mit Fahrkartenschaltern etc. unter den Gleisen.
Und da ging es jetzt hin.
Unser Zug stand sogar schon angeschlagen, aber wir hatten noch 35 Minuten.
Also suchten wir wieder einen der kleine Kioske auf und kauften was Wasser und zu Knabbern für die Zugfahrt.
Und dann … hatten wir viel Zeit. Irgendwie war unsere Zeitplanung was die Bahnfahrten angeht noch nicht auf der Höhe und so standen wir auf dem etwas zugigen (haha … „zugig“ wie in „Zug“ … witzig!) Bahnsteig und versuchten eine nicht zu kalte Ecke zu finden.
Immerhin war für Jens etwas Trainspotting möglich!
Unser TLK Zug kam auch recht pünktlich an. TLK ist die Abkürzung für „Twoje Linie Kolejowe“, zu deutsch in etwa „Deine Bahnlinien“ und ist eine von PKP Intercity angebotene eigene Zuggattung in Polen. Preislich ungefähr wie die InterCity Züge angesiedelt werden die TLK Züge aber mit älterem Zugmaterial bedient. Es gibt auch Expresszüge, die kosteten aber für unsere Fahrt etwa das fünffache.
Und so alte Waggons haben ja auch ihren Charme, also Wagen gesucht und rein mit uns.
Jens musste noch dem Schild widerstehen. Früher kann es gegebenenfalls Situationen gegeben haben, in denen eventuell so ein Schild mitgenommen wurde. Aber nur vielleicht.
Im Abteil dann alles wie immer, nur ohne kleine Digitalanzeige und ohne gute Klimaanlage. Aber die Sitze waren gleich bequem und so richteten wir uns wieder ein und ließen die polnische Landschaft an uns vorbei ziehen.
Im Abteil diesmal keine Australier, sondern nur eine polnische Dame und später noch ein Herr. Aber alles ruhig, alles kein Problem.
Und so vergingen die 3 Stunden und 35 Minuten bis wir in Warschau ankamen.
Unser Halt war dann Warszawa Centralna, der Zentralbahnhof in der westlichen Innenstadt von Warschau.
Warszawa Centralna, quasi „Warschau Zentralbahnhof“, ist der wichtigste Fernverkehrsbahnhof in Warschau und einer der größten unterirdischen Bahnhöfe Europas. Die Zufahrt findet über zwei Tunnel statt, die Innenstadt wird quasi unterirdisch befahren. Die Station ist Halt mehrerer Fernverkehrslinien der Polnischen Staatsbahnen, darunter auch der Berlin-Warszawa-Express.
1972 begann der Bau des neuen Zentralbahnhofs und 1975 wurde er aus Anlass des Besuchs von Leonid Breschnew auf einem Parteitag der Polnischen Vereinigten Arbeiterpartei eröffnet. Statt wie geplant 72 Monate durfte daher die Bauzeit nur 39 Monate betragen. Der Zeitdruck verursachte überraschenderweise Mängel in der Bauausführung und erforderte so später zahlreiche Nachbesserungen.
Der unterirdische Durchgangsbahnhof ist als Sattel über vier Perrons mit acht Gleisen angelegt. Auch diese unterirdischen Teile sind kein reiner Ingenieurbau, sondern, wie das Hauptgebäude, mit einer ästhetischen Handschrift versehen, die von den Architekten stammt. In den 1970er Jahren befanden sich auf den Bahnsteigen marmorne Trinkbrunnen und andere moderne Geräte wie Fernseher für Reisende und Überwachungs-Kameras. Die Bahnsteigkanten wurden mit Glühbirnen von unten beleuchtet.
Heute überlegt man andauernd ob man das Ding nicht abreißen soll. Aber seine Funktion erfüllt er halt auch noch und so steht er weiterhin.
Und, noch ein Vorteil dieses Bahnhofes, unser Hotel war einen kurzen Fußmarsch entfernt.
Das Novotel Warszawa Centrum ist tatsächlich ein Hotel mit Geschichte, denn es wurde Anfang der 70er Jahre erbaut und war damals der zweite Wolkenkratzer der Stadt – nach dem in unmittelbarer Nähe liegenden Kulturpalast. Seinerzeit beauftragte das staatliche Touristikunternehmen Orbis die schwedische Baufirma Skanska mit dem Bau des Hotels.
Das Gebäude ist 111 Meter hoch und wurde 2004 bis 2005 grundlegend renoviert, indem die Fassade mit stahlgrauen Platten verkleidet und das gesamte Innenleben sowie sämtliche Zimmer modernisiert wurden. Vor der Modernisierung vermittelte die dunkelgelbe Fassade einen „schmutzigen“ Eindruck, weshalb es wegen seiner Form und seiner trüben Farbe im Volksmund auch als „große Schokoladentafel“ bezeichnet wurde.
Unser Zimmer war recht weit oben und schön.
Besonders aber der Ausblick in Richtung des Zentralbahnhofes und des Kultur- und Wissenschaftspalastes.
Dazu aber morgen mehr, jetzt erholten wir uns erst einmal von der super anstrengenden Bahnfahrt indem wir einem britischen Schaf zuschauten. Was auf polnisch genau so „määäh“ macht wie auf deutsch oder englisch …
Und dann erkunden wir Warschau!




















