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Der erste Abend und der erste Tag in Warschau

Nachdem wir uns von der anstrengenden Bahnfahrt erholt haben, stellte sich langsam etwas Appetit ein. Da wir im Urlaub eher Planungssicherheit haben wollen, suchten wir nach einem Restaurant, was die Möglichkeit einer Online-Reservierung bietet, was wir auch nach einigem Suchen gefunden haben. Allerdings erst etwas später als wir es gewohnt waren, weswegen wir vorher noch ein wenig spazieren gehen wollten.

Polens Hauptstadt bereitete sich auf den Feierabend vor, dementsprechend war auch der Verkehr, den wir von unserem Hotelzimmer aus beobachten konnten.

Unser Hotel, das Novotel Warschau, lag relativ zentral und war von einigen Restaurants und Bars umgeben. Alle aber nicht so einladend, denn das sah eher wie zehn Klone von Vapiano aus.

Die Ausnahme war dann diese Kneipe namens „Beer & Bones“. Ein Craftbeer? Warum denn nicht?

Und die Bar war ein Volltreffer, denn es handelte sich um die inoffizielle Iron Maiden Fankneipe in Warschau, wo beispielsweise vor dem Maiden-Konzert im August die Party des Fanclubs stattfand.

Der Laden war zwar noch recht leer, dafür spielte hier hervorragende Musik, also für uns. Tool, Metallica, Helloween, Manowar – alles dabei.

Und auch das Bier war gut, hätte es hier auch was anderes außer Fast Food zu Essen gegeben, wären wir hier geblieben.

Aber uns war nach etwas mehr als nur Bier und Pommes und so stiegen wir in einen Bus und fuhren in den Stadtteil Praga-Polnoc. Dort liegt das „Centrum Praskie Koneser“, ein Wohn-, Büro- und Einkaufskomplex auf dem Grundstück der früheren Wodkafabrik „Koneser“, deren historische Gebäude teilweise in das neue Nutzungskonzept integriert wurden. Die Revitalisierungsarbeiten an der Fabrikanlage, die die Wodkaproduktion im Jahr 2009 eingestellt hatte, begannen Mitte der 2010er Jahre und waren 2018 abgeschlossen.

Heute sah das alles schön modern aus, aber auch beliebig austauschbar zu anderen Städten auf der nördlichen Hemisphäre.

Aber schön sah es schon aus und der Koneser Grill lockte uns mit gutem Seafood und modernen Gerichten. Und wie gesagt mit der Möglichkeit einen Tisch online zu reservieren …

Das Restaurant selber war nicht besonders voll, was uns aber eher zu gute kam, denn nach viel Lärm war uns nicht. Ein sehr netter Kellner empfahl uns ein paar Gänge und den Rest organisierten wir uns darum herum. Da wir den Tag über eh schon immer wieder was gegessen hatten, wählten wir eher ein paar Starter und dann ein Hauptgang zum Teilen. Und das war keine schlechte Idee, denn was da kam, war echt sehr gut!

Vom Lachs über dem Hamachi und dem Rindfleisch-Tataki bis zu der Burrata mit Feige und Kraut war das alles sehr gut. Das nachbestellte Schokoeis mit Meersalz war eher unserem Appetit und der Stimmung zuzuordnen, Hunger hatten wir da schon lange keine mehr.

War nicht günstig, wie bei so einem Ort auch erwartbar, aber Service und Zutaten waren wirklich sehr, sehr gut!

Älter wurden wir am heutigen Abend nicht mehr und so ging es dann zurück zum Hotel und ab ins Bettchen. Aus diesem klingelte uns dann am nächsten Tag der gestellte Wecker, denn heute hieß es Warschau zu erkunden.

Das Wetter war ganz ok, alles ohne Regen ist für uns ja schon ein Gewinn …

Warschau ist seit 1596 die Hauptstadt Polens und mit über 1,9 Millionen Einwohnern die bevölkerungsreichste Stadt des Landes. Die Stadt gilt als eines der wichtigsten Verkehrs-, Wirtschafts- und Handelszentren Mittel- und Osteuropas große politische und kulturelle Bedeutung und beherbergt selbstverständlich zahlreiche nationale und internationale Institutionen, Universitäten, Theater, Museen und Baudenkmäler.

Direkt gegenüber von unserem Hotel steht direkt eines dieser Baudenkmäler, nämlich der Kultur- und Wissenschaftspalast. Dieser wurde zwischen 1952 und 1955 auf Anordnung Josef Stalins im Baustil des Sozialistischen Klassizismus errichteter und war mit damals 187 Metern (heute 237 Meter durch die Antenne auf dem Dach) das zweithöchste Gebäude Europas. Heute ist es immer noch das zweithöchste in Polen nach dem 2022 fertiggestellten Varso Tower.

Anfangs noch in Weiß, erscheint das Gebäude heute in Braun-Beige, zurückzuführen auf die jahrzehntelange Luftverschmutzung.

Die seit 1980 in der UNESCO-Liste des Weltkulturerbes stehende Altstadt Warschaus war dagegen sauberer und da ging es für uns erst einmal hin. Genauer gesagt zum sogenannten „Königsweg“ beginnend mit der Krakowskie Przedmiescie.

Die Route begann als Verbindungsweg, der vom Königsschloss und dem Schlossplatz zur persönlichen Residenz von König Jan III. Sobieski, bekannt als Wilanów, führte. Die Route verläuft durch die Altstadt von Warschau, verbindet viele bemerkenswerte Punkte und umfasst zahlreiche Denkmäler und Sehenswürdigkeiten. Neben den Häusern selber, die aus der Zeit rund um die Erbauung des Schlosses im 16. Jahrhundert stammten, gab es auch modernere Kunst zu sehen.

Allgemein sah aber alles irgendwie … ungewöhnlich aus. Und das hatte einen Grund, denn die ganze Straße war aufgrund von Dreharbeiten gesperrt, denn hier wurde das Buch „Lalka“ von Boleslaw Prus verfilmt. Kennen wir nicht, aber die Kulissen sahen beeindruckend aus. Der Film spielt im späten 19. Jahrhundert und handelt über einen gewissen Stanislaw Wokulski und seine Karriere im damaligen Warschau.

Prus Werk soll, so erfuhren wir später, so genau das damalige Warschau beschreiben, dass es noch jahrzehnte später genau nachzuvollziehen war, wo welche Szene spielte. Ein bisschen so wie James Joyce ein Dritteljahrhundert später in seinem Roman „Ulysses“ für seine eigene Hauptstadt Dublin tat. Kein Wunder also, dass der Film an den Originalorten gedreht wurde.

Nachdem wir die Kulissen hinter uns gelassen haben, erreichten wir weitere Sehenswürdigkeiten. Allgemein war es ein echt schöner Spaziergang, denn das Wetter wurde sogar etwas sonniger, die Menschen sahen zufrieden aus und lachten. So spazierten wir einfach die Straße entlang und ließen uns von dem Ambiente einnehmen.

Die Gebäude, Fassaden und Tore waren echt sehenswert und unser GPS Track, dem wir mal wieder folgten, gab uns auch hier und da ein paar Hintergrundinfos. Oder Fun Facts.

Die Karmeliterkirche, eine römisch-katholische Kirche, haben wir dann auch betreten. Einfach, weil sie offen war.

Die Kirche wurde in den Jahren 1661 bis 1681 von den Karmelitern im Stil des Barock durch Isidoro Affaitati erbaut. Die Rokoko-Fassade der Kirche geht auf Ephraim Schröger zurück. Die Kirche ist eine der wenigen Warschauer Sakralbauten in der Innenstadt, die während des Zweiten Weltkrieges nicht zerstört wurden. Unmittelbar nach dem Krieg kam ihr daher bis zum Wiederaufbau der Johanneskathedrale die Funktion der Kathedrale zu.

Und sah drinnen schon schön aus.

Wie gesagt, viele repräsentative Gebäude wie eben auch der Präsidentenpalast sind hier zu finden. Da er als militärischer Sicherheitsbereich ausgezeichnet wurde, muss man schauen, dass man nicht die Soldaten mit auf das Bild bekommt.

Diese Statue erinnert an Adam Mickiewicz, einen polnischer Dichter der Romantik. Er gilt als bedeutendster der Drei Barden der Polnischen Romantik in einer Zeit der Nichtexistenz eines polnischen Nationalstaats und als Nationaldichter Polens. Die Statue wurde am 100. Geburtstag des Dichters 1898 eröffnet. Im zweiten Weltkrieg demontierten die deutschen Besatzer die Statue und schicken die verwertbaren Teile nach Deutschland, um damit Waffen zu bauen.

Nach dem zweiten Weltkrieg stellte sich dann heraus, dass der Kopf und der Torso nicht eingeschmolzen wurden und wurden zurück nach Polen gebracht und 1950 in das heutige Denkmal integriert.

Und so ging es weiter in Richtung Altstadt, der nächste Halt war die Annakirche.

Die Kirche wurde mit dem dazu gehörenden Bernhardinerkloster in den Jahren 1454 erbaut und von einer Stifterin finanziert. Sie brannte im 16. Jahrhundert mehrmals ab, wurde aber immer wieder aufgebaut. Auch im Warschauer Aufstand wurde sie von der Wehrmacht zunächst niedergebrannt und offensichtlich wieder aufgebaut.

Und da eine Nebentür offen war, gingen wir rein.

Am 3. Juni 1979 besuchte Papst Johannes Paul II. die Kirche und sprach mit der dortigen Jugend. Diesem Ereignis wird mit einer Gedenktafel erinnert.

Neben den ganzen Denkmälern und Gebäuden gab es natürlich auch hier und da touristische Dinge. Die interessieren uns ja etwas weniger, lockerten aber auch etwas auf.

Das Ende des Königsweges bildete der Schlossplatz auf dem die Sigismundsäule seit 1644 steht. Früher fuhren hier auch Autos und Straßenbahnen über den Platz, doch seitdem 1949 ein Tunnel unter dem Platz eröffnet wurde, kann man hier gefahrlos herumstehen und wieder einfach nur das Ganze genießen.

Das Warschauer Schloss ist der ehemalige Sitz der Könige von Polen in Warschau. Gegründet im 13. Jahrhundert, wandelte es sich während der Herrschaft von Sigismund III. Wasa zur barocken Vierflügelanlage. Daher auch die Säule auf dem Platz.

Nach der Zerstörung 1944 durch die deutsche Besatzungsmacht wurde es 1971 bis 1984 vom polnischen Staat wiederaufgebaut. Seitdem ist es Sitz des Schlossmuseums, aufgrund der Menschenmengen davor und dem guten Wetter über uns sind wir da aber nicht rein.

Dahinter folgte dann die Altstadt, so wie man sich eine Altstadt vorstellt: Enge Gassen, kleine Läden, viele Touristen. Also … relativ zum bisherigen Spaziergang.

Auf dem Platz steht eine Statue von Syrenka, der „kleinen Meerjungfrau“ von Warschau. Sie ist seit mindestens dem 14. Jahrhundert auf dem offiziellen Wappen der Stadt zu sehen. Die Statue steht seit 1855 an dieser Stelle.

Es gibt mehrere Legenden über die Meerjungfrau. In der Literatur und in Reiseführern der Stadt heißt es, dass die Meerjungfrau beschloss, zu bleiben, nachdem sie an einem Flussufer in der Nähe der Altstadt Halt gemacht hatte. Fischer bemerkten, dass etwas Wellen verursachte, ihre Netze verhedderte und ihre Fische befreite. Sie planten, das Tier zu fangen, hörten dann aber ihren Gesang und verliebten sich in sie. Ein reicher Kaufmann fing die Meerjungfrau und sperrte sie ein. Als die Fischer ihre Schreie hörten, retteten sie sie. Seitdem ist die Meerjungfrau, bewaffnet mit einem Schwert und einem Schild, bereit, die Stadt und ihre Bewohner zu beschützen.

Manchmal wird diese Legende erweitert und besagt, dass die Kleine Meerjungfrau in Kopenhagen die Schwester der Warschauer Meerjungfrau ist und dass sie sich von der Ostsee aus getrennt haben. Eine andere Legende besagt, dass sie einem Prinzen half, der sich auf der Jagd verirrt hatte, und dass er ihr zu Ehren die Stadt gründete.

So oder so: Ganz auf die Meerjungfrau wollte man sich dann doch nicht verlassen und baute auch eine ordentliche Stadtmauer.

Damit war unser GPS Track auch zu Ende, wir gingen aber noch was weiter und wurden mir so mancher schönen Straße belohnt.

Aber einen Programmpunkt, wenn man es so nennen will, hatten wir noch vor uns: Das Denkmal des Warschauer Aufstandes auf dem Krasineski Platz vor dem Obersten Gericht Polens.

Das Denkmal wurde als „das wichtigste Denkmal des Nachkriegs-Warschau“ bezeichnet und gehört zu den meistbesuchten Sehenswürdigkeiten für ausländische Touristen.

Der Warschauer Aufstand brach am 1. August 1944 aus und dauerte bis zum 2. Oktober 1944 an. Er ist eines der wichtigsten und verheerendsten Ereignisse in der Geschichte Warschaus und Polens, denn Warschau wurde währenddessen fast komplett zerstört.

Dennoch war es auch ein Ereignis, das die kommunistischen Behörden der Nachkriegs-Volksrepublik Polen als höchst umstritten empfanden, da es von der polnischen Widerstandsbewegung organisiert wurde, die während des Zweiten Weltkriegs für Polens Unabhängigkeit gekämpft hatte, hauptsächlich der Heimatarmee, deren Überreste vom stalinistischen Nachkriegsregime brutal unterdrückt wurden. Zusätzlich hatte Josef Stalin den sowjetischen Vormarsch durch polnisches Territorium unmittelbar nach Ausbruch des Aufstands absichtlich kurz vor Warschau gestoppt, und er weigerte sich nicht nur, den Aufständischen zu helfen, sondern verweigerte auch westlichen Alliierten die Landung und das Auftanken auf sowjetisch kontrolliertem Gebiet, um sicherzustellen, dass nur sehr begrenzte Vorräte nach Warschau geliefert werden konnten.

Infolgedessen wurde die Bedeutung des Aufstands viele Jahre nach dem Krieg heruntergespielt, und die Heimatarmee sowie die polnische Exilregierung wurden von der kommunistischen Propaganda verurteilt. Solche politischen Faktoren machten eine offizielle Gedenkstätte für den Warschauer Aufstand jahrzehntelang unmöglich, und nachfolgende Debatten über Form und Standort des Denkmals verzögerten das Projekt weiter.

Polens kommunistische Regierung erteilte schließlich am 12. April 1988 die Erlaubnis zum Bau des Denkmals. Es wurde am 1. August 1989, dem 45. Jahrestag des Aufstands, enthüllt.

Und mit dieser weiteren Erinnerung an die komplexe Geschichte Polens als Nation und Warschau als Stadt suchten wir etwas Ruhe und Erholung. Also fuhren wir ein wenig Tram. Kein Blog ohne Bahncontent!

Weil das auf Dauer aber auch nicht so toll war, kehrten wir in einem Laden namens „White Crow Craft Beer & Kitchen“ ein, um dort den ersten aufkommenden Hunger und Durst zu stillen.

Und weil das mit dem Hunger drohte Überhand zu nehmen, teilten wir uns noch eine Nachmittags-Pizza, die ebenfalls recht gut schmeckte. Denn wir waren schließlich im Urlaub!

Da wir ehrlich gesagt in der Craftbeer-Bar etwas versackten wurden den Rest des Tages auch keine Heldentaten mehr vollbracht. Denn es ging nach ein bisschen Tram und Bus zurück ins Hotel. Und da dann einfach nur noch in die Hotelbar zu unserem Gratis-Getränk und einem eher schlechten Sandwich.

Beziehungsweise einer Art Suppe.

Das war ehrlich gesagt schon enttäuschend, aber Hotelbars sind ja in der Regel auch nicht für kulinarische Highlights bekannt. Und morgen, unserem letzten Tag in Polen, sollte es ja noch einmal ein Highlight geben. Davon aber später mehr, heute verarbeiteten wir erst einmal die vielen Eindrücke, die wir in Warschau gesammelt haben.

Und warum wir am Ende des Tages aus einem Automaten eine RedBull-Sim-Card für 1 Euro gekauft haben, erschließt sich uns nicht mehr. Wir schieben es auf die Suppe …

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