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Restaurant Dill Reykjavik

Hier waren wir also: Im Dill Restaurant in Reykjavik. Jeder Isländer und jede Isländerin, denen wir davon erzählt haben, hat mit „Wie habt ihr denn da einen Tisch bekommen?“ geantwortet. Einige waren neidisch, weil sie noch nie da waren. Andere erzählten von ihren Erlebnissen hier. Und ein paar sagten „Grüßt mit den so-und-so, den kenne ich schon länger!“.

Das Restaurant liegt in der Einkaufsstraße Laugavegur über zwei Geschäften und wir sind am Eingang tatsächlich mehrfach vorbei gegangen. Innen drin geht es eine Treppe hoch und man kommt in den kleinen und skandinavisch-modern eingerichteten Speiseraum. Sehr dezent eingedeckt, das Personal gekleidet wie eben Isländer so aussehen und immer wieder freundliche Gesichter, die sich Zeit für ein kleines Gespräch nehmen.

Uns gefiel es hier gleich.

Ein paar andere Gäste waren merkwürdig, aber das sind wir ja gewohnt. Und wenn wir keine merkwürdigen Gäste finden, dann sind wie vermutlich die Komischen im Raum, also ist das auch immer wieder Beruhigend, wenn ein anderes Paar aus Deutschland noch verhaltensauffälliger ist.

Aber es war alles im Rahmen und wir fingen gleich an mit dem Gruß aus der Küche. Und da ging es gleich mal vielfältig los:

  • Gemüsebrühe mit Meerrettich-Creme in dem Becher in der Mitte
  • Zwiebelkuchen mit Karottenscheiben ganz oben auf dem Quarder
  • Getrockneter Gestreifter Seewolf mit Butter und Angelica links im Heu
  • Rogen vom Seehasen mit geräuchertem Ziegenkäse auf dem Cracker unten
  • Schweinebacke mit fermentiertem Pfeffer, Paprikasud und Walnuss in dem kleinen Teller rechts

Ach Du je, war das gut. Alles sehr dezent, alles sehr fein, alles sehr gut gearbeitet. Ein klasse Einstieg in die Richtung, welche das Dill gerne mit seinen Gerichten einschlägt: Nordische, vorwiegend isländische, Zutaten modern zubereitet.

Dazu gab es ein Sauerteigbrot mit Butter – wie so oft einfach und gut.

Aber wir waren immer noch in Island und hier wird in der Esskultur immer noch Essen als „Ich füge meinem Körper Treibstoff zu“ gesehen. Genuss als solches ist hier noch nicht so angekommen und dementsprechend ist auch die Taktung der Gerichte so, dass man sich wenig zwischen den Gerichten ausruhen konnte. Obwohl wir vermutlich darum hätten bitten können.

So kam dann aber ein spannendes Gericht nach dem anderen aus der Küche und an unseren Tisch, gemeinsam mit einer wirklich passenden Getränkebegleitung (mehr dazu später). Die Gerichte wurden immer in Pärchen an den Tisch gebracht und dazu ein Getränk gereicht.

Zuerst kamen zwei Gerichte, die uns im Kombination an den vegetarischen Gang von gestern Abend erinnerte: Zuerst Gemüse mit fermentierten Kohl und einem Käse namens Tindur.

Und dann gebackene Kartoffel mit einer Creme aus Senfsaat.

Und als letztes für diesen Gang Gerste mit in Salz gebackenem Wurzelgemüse und Pilzen.

In Kombination ein wunderbarer vegetarischer Gang. Alles sehr gewürzt und künstlerisch gut angerichtet. Dazu gab es einen 2020er Trebbiano von Cirelli aus dem italienischen Anbaugebiet Abruzzen an der östlichen Adriaküste.

Wie oft, aber nicht immer, werden die Gerichte hier von den Köchen selber an den Tisch gebracht. Das Personal machte dies nur in Ausnahmefällen und war eher für Wein und Unterhaltung zuständig.

Nächster Gang, dieses Mal aus 2 Teilen bestehend. Zuerst einmal rohen Seesaibling mit Buttermilch und isländischem Wasabi.

Und dazu geräucherten Seesaibling mit Heubutter und Angelica.

Und beides war herausragend! Ehrlich, davon einen Teller und man hätte eine Henkersmahlzeit. Der Fisch war von der Konsistenz her auf den Punkt genau, das Raucharoma beim geräucherten Seesaibling war dezent aber merkbar. Die Kräuter wohldosiert eingesetzt. Die Buttermilch beim Sashimi passte hervorragend und der Wasabi genauso.

Dazu – und das war die „schwächste“ der sehr guten Getränkebegleitung – ein Sauvignon Blanc aus der Loire. War jetzt nicht schlecht aber eher unspannend und dem Gang völlig unterlegen.

Zeit für den Hauptgang und auch hier zeigten die Köche rund um Kari Thorsteinsson, der in seiner Vergangenheit schon im besten Restaurant seiner Zeit, dem Noma, gekocht hat, was sie können: Lammtartar mit Zwiebeln und Kresse.

Und dann gezupfte Lammschulter mit eingelegtem Wurzelgemüse.

Der Knaller! Jeder Bissen ein Erlebnis, weil man sich die vielen Komponenten immer wieder unterschiedlich zusammenstellen konnte. Gerade die Lammschulter mit dem Gemüse hatte tatsächlich etwas vom Essigbrätlein, wo ja gerne und viel fermentiert wird. Allerdings war das hier handwerklich etwas gröber zubereitet.

Wir saßen auf jeden Fall da und probierten, was auf dem Teller mit was gut schmeckt und waren ein bisschen wie Kinder im Süßigkeitenladen. Dazu gab es spannenderweise einen Cuvee-Naturwein von der Mosel. Genauer gesagt von Katla Wines, was die Marke der jungen Winzerin Jas Swan ist, die sich an der Mosel mit Naturweinen eine interessante Nische gesucht hat. Der Wein hier ist tatsächlich exklusiv für das Dill gekeltert worden und verwendet Regent, Riesling und Pino Gris.

Wir waren zu dem Zeitpunkt vollends begeistert!, sodass das Pre-Dessert gar nicht so richtig unsere Aufmerksamkeit bekam. Allerdings taten die Gurke, die fermentierten Tomaten und der Dill genau das, was sie tun sollten: Die Geschmacksnerven auf den Nachtisch vorbereiten.

Aber es erfüllte seinen Pflicht.

Ach so: Zum eigentlichen Nachtisch gab es dann keinen Wein, sondern ein Imperial Pils!

Was für die Schokolade mit Rhabarber, Rauchsalz und braunem Butterkeks eine spannende Wahl war, die uns jetzt nicht so ansprach.

Aber für süßen Nachtisch sind die Isländer ja nun nicht so bekannt und Jens war froh, dass keine Lakritze dabei war.

Zusammenfassend war das ein wirklich überaus spannendes Menu, gerade weil die kulinarische Welt Islands recht unbekannt ist. Man merkte hier von den Kombinationen her schon die Einflüsse der modernen nordischen Küche und vorwiegend stand die Philisophie des Nomas hier oft Pate für den Aufbau der Gerichte. Aber sich an einem der besten Restaurants der Welt zu orientieren kann ja nichts schlechtes sein.

Der Service war aufmerksam, aber eben auch sehr schnell. Viele Tische waren an dem Abend doppelt reserviert, was man jetzt nicht gerade direkt mitbekommen hat, was aber wohl zu der schnelle Folge der Gänge geführt hat.

Aber Zeit für einen Nachtisch und einen Kaffee war dann natürlich doch.

Und, als krönender Abschluss, ein isländischer Schnapps!

Ein wirklich vorzügliches Restaurant, was seinen Stern mehr als verdient hat.

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